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Werder Bremen : Zurück im grünen Bereich

  • -Aktualisiert am

Auf der grünen Welle: Hunt, Pizarro und Arnautovic (v.l.) haben ebenso Anteil an Werders Aufschwung wie Trainer Schaaf Bild: dapd

Nur Punktejäger oder doch schon Bayern-Jäger? Werder Bremen hat sein altes Erfolgsmodell wiederbelebt. Die Politik der ruhigen Hand in der Krise wird belohnt. Auch an diesem Sonntag bei Hannover 96 (15.30 Uhr)?

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          Ein Hütchen ist umgekippt. Und eine andere Markierung, ein kleiner Kegel, liegt falsch, müsste vielleicht 15 Zentimeter verschoben werden. Thomas Schaaf schreitet ein. Ganz in Grün, den Reißverschluss der Trainingsjacke bei 25 Grad Celsius bis unters Kinn gezogen, korrigiert er den Aufbau. Die Profis sind gerade beim Aufwärmen, das übernimmt Assistenztrainer Wolfgang Rolff.

          Auf dem sattgrünen Trainingsplatz nah der Weser unterhält sich Schaaf mit seinen Trainerkollegen Matthias Hönerbach und Michael Kraft. Hönerbach ist heute mit dem Fahrrad zur Schicht gekommen, pfeifend. Schaaf wirkt voll bei der Sache, er baut den Parcours so sorgfältig auf, als stünde gleich seine Prüfung zum Fußball-Lehrer bevor. Zusammen mit den alten Weggefährten – Rolff, Kraft und Hönerbach sind ebenfalls eine gefühlte Ewigkeit im Klub – ist Schaaf an diesem sonnigen Nachmittag vollkommen in seinem Element. Laufen. Kämpfen. Schießen. Tore. Training.

          Als es bei Werder vergangene Saison schlecht lief, habe er Einheiten noch genauer vorbereitet, er habe jedes Training in seinem Sinn hinterfragt, hat Hönerbach über Schaaf gesagt. Schaaf selbst würde so etwas nie zugeben. Aber Spieler mit einer gewissen Verantwortung für den Klub wie Philipp Bargfrede oder Kapitän Clemens Fritz haben gemerkt, dass da etwas anders war im Januar, Februar 2011. Fritz sagt: „Er hat noch genauer gearbeitet.“ Schaaf findet andere Worte. Er sagt: „Ich bin mir immer treu geblieben.“

          Auf dem Weg zum kollektiven Miteinander

          Die Beobachtung einer einzigen Trainingseinheit genügt, um zu sehen, dass die Wahrheit für Schaaf immer noch auf dem Platz liegt. Das ist sein Zuhause hier. Die Arbeit mit den Spielern auf dem Rasen. Nicht der Zirkus, den die Bundesliga auch darstellt. Schaaf ist da hoffnungslos altmodisch, und wenn in den Pressekonferenzen ein Tuchel parliert, ein Dutt erklärt oder ein Klopp seine Witzchen macht, sitzt Schaaf wie der Papi der jüngeren Kollegen stoisch daneben und benutzt seine immergleichen Phrasen: etwas anbieten, etwas aufzeigen, die Dinge aufnehmen. „Dokumentieren“ sagt er auch gern. Vor ein paar Tagen hat Schaaf gesagt, der Hauptgrund für den Höhenflug sei, dass er vier Tage die Woche mit der kompletten Mannschaft trainieren könne. Keine Verletzten, keine Spiele in den Pokalwettbewerben: eine ungewohnte Situation für Werder. Keine schlechte, findet Schaaf nach einer Saison, in der seine Spieler in manchen Spielen alles vergessen hatten.

          Thomas Schaaf in Aktion: „Ich bin mir immer treu geblieben”
          Thomas Schaaf in Aktion: „Ich bin mir immer treu geblieben” : Bild: dpa

          In diesen ersten Saisonwochen hat Werder den verschütteten alten Stil wiedergefunden. Aufregende Spiele, gegen Freiburg, gegen Hertha, hinten Pannen, vorne große Kombinationen, späte Tore. Zweiter sind die Bremer vor der Partie in Hannover am Sonntag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker), und mag die Platzierung auch besser sein als das, was man von Werder bislang sah, so ist es doch eine große Überraschung, dass die Bremer so durchstarten nach einer Spielzeit am Rande des K.o. Klar ist da die Abhängigkeit vom famosen Claudio Pizarro, für jeden sichtbar die Schwächen in der Innenverteidigung, dazu das alte Problem der fehlenden Ausgewogenheit von Offensive und Defensive – trotzdem ist Werder mindestens der Kampf um einen Platz in der Europa League zuzutrauen. Als Bayern-Jäger sehen sie sich ohnehin nicht. Geschäftsführer Klaus Allofs sagt: „Wir sind Punktejäger.“

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