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Bundesliga-Relegation : Werder Bremen und eine große Hoffnung

Während der regulären Saison nicht immer zufriedenstellend: Werder Bremen um Sebastian Langkamp, hier im Juni Bild: EPA

Die Relegationsspiele gegen Heidenheim sollen die Rettung vor dem Abstieg bringen: Werder Bremen könnte sportlich noch als Gewinner aus der Corona-Krise hervorgehen. Trainer Kohfeldt aber warnt.

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          Einen Rat für die Relegation, den hat sich Florian Kohfeldt lieber woanders geholt: Er habe sich „zwei Leute rausgesucht“, die so eine „besondere Situation“ schon einmal erlebt hätten, sagte er am Mittwoch. Auf eine andere Erfahrung aus erster Hand wollte der Bremer Trainer lieber verzichten: die seines Stürmers Niclas Füllkrug. „Ich muss überlegen, ob ich ihn mit in den Kader nehme“, scherzte Kohfeldt. Schließlich hat Füllkrug zweimal den Stich dieser Spiele auf des Messers Schneide gespürt: Sowohl mit Greuther Fürth (2014 gegen den Hamburger SV) als auch mit dem 1. FC Nürnberg (2016 gegen Eintracht Frankfurt) verpasste Füllkrug den Aufstieg.

          Bundesliga

          Nun soll er entscheidend mithelfen, dass Werder doch noch den Absturz in die zweite Liga vermeidet. Kohfeldt mochte sich nicht in die Karten schauen lassen, ob Füllkrug an diesem Donnerstag (20:30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga-Relegation sowie bei DAZN und Amazon Prime) im Hin- und Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim beginnen wird, am Samstag gegen Köln hatte es nur für 45 Minuten gereicht. Aber sicher ist: Es ist beruhigend für Kohfeldt und Werder, ihn wieder an Bord zu haben.

          Grund für die Misere

          Der 27 Jahre alte Füllkrug, Spitzname „Lücke“, ist nicht nur ein alter Freund Kohfeldts, er sollte nach dem Abgang von Max Kruse eine Art Königstransfer sein, ein dynamischer Stoßstürmer, wie er im Fußball lange aus der Mode war, inzwischen aber höchst begehrt ist – und obendrein ein Charakter, wie ihn eine Mannschaft in schwierigen Momenten braucht. Am vierten Spieltag hatte er noch das Siegtor bei Union Berlin erzielt, ein paar Tage später, am 20. September, riss im Training das Kreuzband – für Sportchef Frank Baumann einer der Hauptgründe für den Bremer Absturz. „Niclas fehlt uns mehr als Max“, sagte er im Winter-Trainingslager.

          Lange schien es ausgemacht, dass die Saison für Füllkrug gelaufen wäre, der als Ersatz geholte Davie Selke war keine Hilfe. Doch auch dank der Corona-Pause hat Füllkrug es noch zurück auf den Platz geschafft, gegen Paderborn und Köln gelangen ihm seine Saisontreffer drei und vier.

          Die sechs Tore gegen Köln – als Kohfeldt am Samstag nach dem Sprung auf den Relegationsplatz darüber sprechen sollte, wollte er dringend „noch einen Satz sagen“: Das komme ihm jetzt schon vor wie eine Pressekonferenz, wie man sie „auf Platz sechs oder sieben geben“ könne, sagte Kohfeldt angesichts des vielen Lobs, das auch er verteilt hatte. Aber: „Es ist heute nicht alles wieder gut.“

          Zarter Trend

          Das gewiss nicht, aber womöglich ist es ein greifbares Stück besser, als die harten Zahlen der Abschlusstabelle es ausweisen. In der alternativen „Corona-Tabelle“ ist Kohfeldts Team Zehnter, mit immerhin 13 Punkten aus zehn Spielen. Auch dieser Ausschnitt ist angesichts von Schwankungen und Verzerrungen gegen Ende mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, aber ein zarter Trend, der lässt sich bei Werder schon erkennen, auch auf dem Platz. Dort sind zuletzt wieder Spieler und Spielzüge zu sehen, die an ein Team mit Herz, Verstand und Qualität erinnern; in dieser Dreieinigkeit gab es das lange nicht.

          Vor der Corona-Pause, sagte Sportchef Baumann am Mittwoch, habe Werder bisweilen gar nicht den 20er-Kader vollbekommen. Die Aufarbeitung, woran das konkret lag und welche Rolle Kohfeldts Trainingssteuerung spielte, wird nach der Relegation noch einmal auf den Tisch kommen. Auch der Re-Start selbst war von Verwerfungen begleitet: Werder fühlte sich benachteiligt, weil in Bremen aufgrund der Vorschriften später als anderswo in Gruppen trainiert werden durfte. Nun aber könnten die Bremer sportlich noch als Gewinner aus der Krise hervorgehen: die Körper fitter, die Köpfe freier und ein Kader, der Kohfeldt wieder – fast – die freie Auswahl bietet (im Hinspiel fehlt der gelbgesperrte Kevin Vogt).

          Seine Aufstellungen folgen nicht mehr der Not, sondern spezifischen Überlegungen für den jeweiligen Gegner und die Situation. So wechselten sich zuletzt auf der linken Abwehrseite Augustinsson und Friedl ab. Im Angriff spielte gegen Köln erstmals das Trio Füllkrug/Rashica/Osako von Beginn an und trug kräftig dazu bei, dass Werder als klarer Favorit in die Relegation geht.

          Diese Rolle nahm Kohfeldt am Mittwoch bei allen Warnungen vor den „Fallstricken“ gerne an. Überhaupt noch diese Chance bekommen zu haben bezeichnete er als „Geschenk“. An dem, auch wenn das seltsam klingen mag, Corona nicht ganz unbeteiligt war.

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