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Werders Dilemma : Ratlos in der Bremer Wagenburg

Bremens Trainer Viktor Skripnik macht nicht den Eindruck, dass er mit der Drucksituation souverän umgehen kann. Bild: dpa

Die Lage: dramatisch verschlechtert. Die Stimmung: gekippt. Und Trainer Skripnik vermittelt in Bremen nicht den Eindruck, dass er mit der Situation souverän umgehen kann. Schon lange nicht mehr.

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          Am Samstagabend schien das Ende in Bremen schon ziemlich nah. Die Lage in der Tabelle: dramatisch verschlechtert. Die Stimmung im Stadion: gegen Mannschaft und Trainer gekippt. Und dann, natürlich, die Frage nach der Zukunft von Viktor Skripnik: Da deutete alles darauf hin, dass zumindest für ihn Schluss sein würde nach dem 1:2 gegen den FC Augsburg. An so einem Tag, sagte Sportchef Thomas Eichin, könne man gar nichts ausschließen – berühmte (vor-)letzte Worte. So mancher dürfte sich also die Augen gerieben haben, als Skripnik dann am Sonntagmorgen doch das Training leitete. Eine klare Positionierung allerdings vermied Eichin auch diesmal. Und so lautet die Frage, was Skripnik betrifft, weiter: Wie lange noch?

          Das Bremer Dilemma ist, dass es eigentlich schon viel zu lange dauert. Skripnik hat längst eine Reihe von Gründen geliefert, die ihn an einem ungeduldigeren Standort wohl schon früher den Job gekostet hätten. Während Trainer wie Ralph Hasenhüttl und Dirk Schuster es geschafft haben, aus bescheidenen Mitteln erstaunlich viel zu machen, hat Skripnik aus gar nicht mal so wenig nur ziemlich Dürftiges produziert. Zumindest, wenn man so etwas wie Struktur und System als Maßstab nimmt. Sowohl die desaströse Heimbilanz als auch die notorische Unfähigkeit, ein Spiel ohne Gegentor zu beenden, deutet auf mangelnde Lernfähigkeit hin – vielleicht auch auf eine Fehleinschätzung des Personals. Eine spielerische (Weiter-)Entwicklung ist nicht zu erkennen, zumindest nicht im eigenen Stadion.

          Aus den vier Spielen gegen direkte Konkurrenten – Hoffenheim, Darmstadt, Hannover, Augsburg – holten die Bremer einen Sieg, gegen 96, der Rest war viel Quälerei. Was Werder über Wasser gehalten hat, waren zum einen lichte Momente einzelner Akteure, vor allem aber ein in so einer Lage beachtlicher positiver Spirit. Für Skripnik bedeutete er schon zweimal in dieser Saison die Lizenz zum Weitermachen. Jetzt also auf ein Drittes?

          Augen zu und durch? Werder Bremen im Abstiegskampf
          Augen zu und durch? Werder Bremen im Abstiegskampf : Bild: dpa

          Für Eichin und die Klubführung ist es zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt eine Entscheidungslage, die an Glücksspiel grenzt. Denn eines ist klar: Selbst wenn ein neuer Mann käme, würde er kaum noch eine fundamentale spielerische Wende einleiten können. Auf das Muster des verführerischen Hoffenheimer Vorbilds zu setzen wäre allzu trügerisch. In Bremen ist nicht zu erkennen, dass die Mannschaft für ein bestimmtes Spielprinzip zusammengestellt wäre, das ein anderer Trainer freilegen könnte so wie Julian Nagelsmann.

          Es ist eher eine Lage, die mit der in Frankfurt vergleichbar ist: wo Niko Kovac ein paar frische Reize gesetzt haben mag, den Trend Richtung zweite Liga damit aber nicht stoppen oder gar umkehren konnte. Also vielleicht doch lieber auf den Faktor Zusammenhalt und Skripnik setzen? Eichin scheint der Bremer Wagenburg allerdings selbst nicht (mehr) recht zu trauen. Es wäre auch kein Wunder. Nach außen jedenfalls vermittelt Skripnik nicht den Eindruck, dass er mit der Drucksituation souverän umgehen kann. Schon lange nicht mehr.

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          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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