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Bremen in Relegation : Werder gelingt das Wunder – Teil eins

Und plötzlich wird in Bremen wieder gelächelt: Milot Rashica (links) und Josh Sargent Bild: EPA

Bremen zeigt am letzten Spieltag ein Spektakel, wie es kaum jemand für möglich gehalten hatte. Durch einen Kantersieg über Köln und den Patzer von Düsseldorf reicht es doch noch für die Relegation – gegen den HSV?

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          Vor vier Jahren, als Werder zuletzt der Abstieg drohte, war die halbe Stadt auf den Beinen. Am Osterdeich, an der Rampe, die hinunterführt zum Stadion, standen die Menschen dicht an dicht, ein Meer in Grün und Weiß, die Busse der Mannschaften mussten sich mühsam ihren Weg bahnen. Es war die Zeit der „Green White Wonderwall“, eine andere, eine sehr, sehr ferne Zeit, was natürlich mit Corona zu hat – aber auch nicht nur.

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          Wie freudlos sich der sogenannte Sonderspielbetrieb anfühlt, was wirklich fehlt, wenn Geisterfußball unter Ausschluss des Publikums gespielt werden muss, wird wohl nirgendwo in der Liga so augenfällig wie in Bremen, wo das Stadion so zentral liegt wie kein anderes, zu erreichen entweder malerisch entlang der Weser oder durch das „Viertel“, das Kneipen- und Szeneherz der Hansestadt.

          Wo sonst das pralle Leben herrscht, wo die Fans auch der gegnerischen Mannschaften sich in Stimmung bringen, war diesmal vor dem Spiel eine angesichts der sportlichen Lage fast gespenstische Ruhe und Alltäglichkeit – wie ein Samstagnachmittag in der Sommerpause. Ein paar Trikots und Schals, ein paar Dutzend Fans vielleicht, die das Team bei der Ankunft anfeuerten. Drinnen aber entwickelte sich ein Spektakel mit Donner und Getöse, wie es kaum noch jemand für möglich gehalten hatte.

          Als die 90 Minuten gespielt waren, anfangs begleitet von bedrohlichem Grollen und Blitzen, stand fest: Es geht für Werder erst einmal nicht hinunter in die zweite Liga, zum zweiten Mal nach 1980, sondern in die Relegation, am Donnerstag zu Hause entweder gegen Heidenheim oder – in einer pikanten Zuspitzung – den Hamburger SV. Das Rückspiel findet am darauffolgenden Montag statt.

          Die Tore von Yuya Osako (22. und 58. Minute), Milot Rashica (27.), Niclas Füllkrug (29.), Davy Klaassen (55.) und Joshua Sargent (68.), bei einem Gegentreffer von Dominick Drexler (62.), sorgten für einen Bremer Heimsieg, der schon deshalb bemerkenswert war, weil Kohfeldts Team vorher in 16 Versuchen nur einmal gewonnen hatte – bei insgesamt kümmerlichen neun Toren. Doch dieses 6:1 allein gegen wehrlose Kölner, die sich in Düsseldorf keine Freunde machten, hätte auch nicht gereicht, wenn die Fortuna bei Union gewonnen hätte.

          Werder Bremen und Florian Kohfeldt sind noch nicht abgestiegen.
          Werder Bremen und Florian Kohfeldt sind noch nicht abgestiegen. : Bild: Reuters

          Weil sie aber die Nervenprobe und das Spiel in Berlin verlor, geht es für sie in die zweite Liga und für Werder in die Verlängerung. Sollte es am Ende tatsächlich doch noch reichen, dann wird dieser letzte Spieltag vielleicht Bestandteil der Erzählung von den Werder-Wundern, auch wenn er von anderer Machart war als jene vier, die in Bremen jedes (größere) Kind aufsagen kann: Dynamo Berlin, Moskau, Anderlecht, Lyon.

          Gegen Köln galten die Bremer Hoffnungen Füllkrug und Rashica, die mit Osako im Angriff starteten. Klar war ja, Werder brauchte in jedem Fall einen Sieg, bei einem Düsseldorfer Unentschieden musste es einer mit mindestens vier Toren Unterschied sein. „Es gilt nur: Messer zwischen die Zähne und raus da“, hatte Kohfeldt gesagt, der nach dem Schock des 1:3 in Mainz seinen Kampfesmut wiedergefunden hatte. Aber wieder einmal tat Werder sich schwer.

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