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Bremer Mitgliederversammlung : Werder macht so weiter und sorgt für Unmut

  • -Aktualisiert am

Steht bei den Fans in der Kritik, hat vom Aufsichtsrat aber keine Kritik zu befürchten: Geschäftsführer Frank Baumann Bild: dpa

Sportlich bedeutungslos, wirtschaftlich angeschlagen – es steht viel auf dem Spiel für den Traditionsverein von der Weser. Und doch ist wenig Veränderung zu erwarten. Die Fans sind genervt.

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          Mitgliederversammlungen bei Werder Bremen waren früher ein Hort der Harmonie. Die Werder-Familie zeigte sich in der Ära Schaaf und Allofs von ihrer besten Seite. Weil es sportlich so lange gut lief, interessierten die Abstimmungsergebnisse auch nicht wirklich. Einen Aufsichtsrat? Ja, den gab es.

          Das seit Wochen grollende Gepolter um die Versammlung an diesem Sonntag (11.00 Uhr) zeigt, wie tief der SV Werder gesunken ist. Sportlich bedeutungslos, wirtschaftlich angeschlagen – es steht viel auf dem Spiel für den Traditionsverein von der Weser. Und doch ist wenig Veränderung zu erwarten, denn die Weichen für ein Weiter-so wurden längst gestellt: Ein demokratischer Prozess war die Kür der Kandidaten nicht, geschweige denn traut sich Werder, die neuen Räte aus der Versammlung heraus wählen zu lassen.

          2. Bundesliga

          Die Vereinsführung hat ihre Kandidaten für die vier freiwerdenden Plätze im sechsköpfigen, obersten Kontrollgremium handverlesen. Ein Wahlausschuss war dafür zuständig, bestückt aus Mitgliedern des Ältestenrats und der Abteilungen. Nun gibt es sieben Kandidaten – und außer in der Geschäftsführung selbst scheint in Bremen niemand mit dieser Auswahl zufrieden. Nicht nur der Fakt, dass es keine Bewerberin und niemanden mit Zuwanderungsgeschichte gibt, nervt die Fans – es passt überhaupt nicht in die Zeit.

          Nach zwei schwachen Jahren mit dem Abstieg überrascht es, dass niemand mit sportlicher Expertise im neuen Aufsichtsrat sitzen wird, denn Marco Bode kandidiert nicht mehr. Wobei seine Fähigkeiten den Niedergang auch nicht verhindern konnten. Der Wahlausschuss hatte den früheren Werder-Profi Benno Möhlmann vor ein paar Wochen übrigens selbst angesprochen, ihm dann aber ohne Nennung von Gründen abgesagt. Pikant ist die Besetzung des neuen Rates auch, weil er darüber bestimmt, ob der Vertrag mit Sportchef Frank Baumann ausläuft, gekündigt oder verlängert wird. Die Fankritik richtet sich massiv gegen Baumann.

          Werder Bremen in der Defensive

          Ein etablierter Vertreter der Fanszene fehlt im kommenden Kontrollgremium, sodass man das Bekenntnis der aktuellen Führung um Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald zu ihr getrost vergessen kann. Da, wo viele Kritiker des Weges, den Filbry und Hess-Grunewald verkörpern, kein Weiter-so haben wollen, steht nun der Rückgriff aufs Vertraute. Mit Personen, die alle auf die eine oder andere Weise mit der Vereinsführung verbunden sind, mehr oder weniger. Die an die Öffentlichkeit getretenen Maria Yaiza Stüven Sanchez und Jörg Wontorra, die beide kritisch gesinnt kandidieren wollten, wurden nicht zugelassen.

          Die Bewegung „kein-weiter-so“ hatte für ihre Kandidatin Stüven Sanchez 100 Unterschriften stimmberechtigter Vollmitglieder abgegeben – ohne dass sie nun berücksichtigt worden ist. Dazu schreibt die Bewegung: „Durch das aktuelle Zulassungsverfahren wertet der Wahlausschuss die eigenen stimmberechtigten Vollmitglieder ab, die für Bewerber/innen unterschrieben haben. Dieser undemokratische Vorgang ist zu hinterfragen! Dass kritische Bewerber/innen aussortiert wurden, wundert nicht.“

          Für weiteren Unmut sorgten Ungereimtheiten in der Satzung und Schwierigkeiten mit zwei Bewerbern. Oliver Harms warf die Ultra-Szene Verbindungen zu Rechtsextremen vor – Werder reagierte und nahm ihn am Freitagnachmittag nach Prüfung der Vorwürfe von der Liste. Ulrike Hiller rückte nach. Harm Ohlmeyer wäre wegen seiner Tätigkeit für einen großen Sportartikelhersteller beinahe nicht zugelassen worden – Interessenkollision. „Seine Kandidatur wurde vom Wahlausschuss des SV Werder Bremen intensiv geprüft und steht nicht im Widerspruch zur Satzung“, teilte der Verein nun dazu mit.

          Werder ist in die Defensive geraten. Sportlich, wirtschaftlich und auch was die Kommunikation mit den Fans betrifft. Es dürfte einiges zu besprechen geben am Sonntag.

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