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Machtkampf in Bremen : Alte Herren machen Druck bei Werder

  • -Aktualisiert am

In Sorge um Werder: Willi Lemke sieht Sportchef und Trainer kritisch. Bild: Picture-Alliance

In Bremen ist ein bizarrer Machtkampf um die Vereinspolitik entbrannt. Im Zentrum des hauptsächlich über die Medien ausgetragenen Streits stehen Männer, die man gemeinhin mit den guten, alten oder zumindest besseren Zeiten bei Werder verbindet.

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          „Werder Bremen, lebenslang Grün-Weiß“: Die schöne Zeile aus dem Song, der vor jedem Spiel im Weserstadion erklingt, verstehen einige alte Männer an der Weser gerade offenbar wortwörtlich. Sie können oder wollen von ihrem Herzensverein nicht lassen – ob in Sorge um anhaltenden sportlichen Niedergang, aus Eitelkeit oder einer Mischung aus beidem: schwer zu sagen. Bei Werder ist jedenfalls ein etwas bizarrer Machtkampf um die Vereinspolitik entbrannt, und im Zentrum des hauptsächlich über die Medien ausgetragenen Richtungsstreits stehen Männer, die man gemeinhin mit den guten, alten oder zumindest besseren Zeiten bei Werder verbindet.

          Bundesliga

          Über das Spiel an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gegen den VfB Stuttgart hat jedenfalls kaum jemand gesprochen. Was Klaus-Dieter Fischer, Manfred Müller, Willi Lemke und Jörg Wontorra eint, ist neben ihrem Alter – sie sind alle über 70 – die Kritik an der aktuellen Vereinsführung. Sie besteht aus Frank Baumann, Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald und dem ihnen gewogenen Aufsichtsratschef Marco Bode.

          Entzündet hat sich das Gezänk vor einiger Zeit, als herauskam, dass das aktuelle Kontrollgremium den Ende Juni 2021 auslaufenden Vertrag mit Sportchef Baumann aus nachvollziehbaren Gründen rasch verlängern möchte. Willi Lemke empfand es als Affront, dass der endende Kontrakt Baumanns vor der Wahl eines neuen Aufsichtsrats prolongiert werden soll. Eigentlich hätte die Mitgliederversammlung im November über vier neue Stellen im sechsköpfigen Rat abstimmen sollen – und vielleicht gegen Baumann gestimmt. Die Versammlung wurde jedoch coronabedingt ins Frühjahr geschoben.

          Hess-Grunewald argumentierte im „Weser-Kurier“, Werder müsse für die kommende Transferperiode und die weitere Entwicklung wissen, wer die Ansprechperson im sportlichen Bereich sei. Das könne man nicht erst Ende Mai klären. Trainer Florian Kohfeldt und Baumann sieht Lemke nach dem Fast-Abstieg bekanntlich sehr kritisch. Doch es scheint in der Kritik der Alten nur vorgeschoben um den Zeitpunkt der Vertragsverlängerung Baumanns zu gehen. Das Misstrauen an der Qualität der Vereinsführung ist grundsätzlich.

          „Geschäftsführung ist nicht optimal aufgestellt“

          So sagte Wontorra dem Internetportal „Deichstube“ am Freitag: „Bei Werder sitzen viele in der Komfortzone und wollen nur ihren Status verteidigen. Sie sind damit zufrieden, irgendwie in der Bundesliga zu bleiben. Die Geschäftsführung ist nicht optimal aufgestellt. Da fehlt es an Kompetenz.“ Da Wontorra Sportchef Baumann aus dieser Kritik ausnahm, bleiben Präsident Hess-Grunewald und Finanzchef Filbry übrig. Wontorra strebt einen Sitz im Aufsichtsrat an, in dem er selbst schon einmal saß. Auch Ehrenpräsident Fischer, der mit Hess-Grunewald über Kreuz liegt, personalisierte seine Kritik jüngst: „Der aktuelle Aufsichtsrat mit Marco Bode an der Spitze steht für ein Weiter-so. Aber jedem Verein tut es gut, wenn neue Elemente hinzukommen.“ Fischer und Müller, früher Schatzmeister, wünschen sich einen auf neun Personen vergrößerten Aufsichtsrat.

          Man fühlt sich an das jahrelang stimmige Bild der Werder-Familie erinnert, das in der großen Ära mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs immer mit viel Harmonie umrahmt war – jetzt aber an eine Sippe gemahnt, in der sich alle kräftig die Meinung geigen.

          Positiv gesprochen, gibt es nun eine vereinsinterne Opposition, die den aktuell Handelnden auf die Finger schaut – und ihre Taten alles andere als gut findet. So ähnlich formulierte es gerade Dieter Burdenski. Der frühere Torwart, Ende November 70 Jahre alt geworden, war einige Male als einsamer Mahner in der Wüste aufgetreten. Jetzt sagte er in der „Bild“ sehr diplomatisch: „Ich finde gar nicht schlecht, dass sich im Verein etwas zusammenbraut. Über Jahrzehnte wurde immer Friede, Freude, Eierkuchen propagiert. Die große Einigkeit. Aber in einer Familie gibt es auch mal Stress. Das muss man aushalten können – auch bei Werder!“

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