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Serge Gnabry : Werder hofft auf olympischen Rückenwind

  • -Aktualisiert am

Sportdirektor Frank Baumann (links) stellt Neuzugang Serge Gnabry bei Werder Bremen vor. Bild: dpa

Serge Gnabry kommt aus der Reserve des FC Arsenal nach Bremen und wird bei Werder wie ein Spieler empfangen, der die Düsternis des Saisonstarts vertreiben kann. Der Schwung von Olympia soll das Talent beflügeln.

          Für den Moment wirkte es, als hätte dieser Serge Gnabry die Düsternis des Saisonstarts durch seine bloße Anwesenheit verscheucht. „Ich bin ein offensiver, kreativer Spieler und habe den Ball gern am Fuß“, sagte Gnabry, „ich probiere gern etwas aus und suche den Abschluss. Ich bin gut drauf und habe Freude am Leben.“ Wer würde das aus dem Bremer Kader in diesen Tagen schon guten Gewissens von sich behaupten? Doch wohl nur ein Neuer, der mit viel Rückenwind kommt.

          Eigentlich hatte in Bremen ja jeder nur über Viktor Skripnik und seine Chancen darauf diskutiert, über die nächsten Spiele hinaus Trainer von Werder zu bleiben nach diesem üblen Auftakt - Pokal-Aus in Lotte, Demütigung in München. Dann aber bewies Sportchef Frank Baumann ein gutes Gespür für den richtigen Zeitpunkt eines Transfers. Natürlich, die Möglichkeit, sich neue Spieler zu beschaffen, endete am Mittwoch, insofern musste der neue Bremer Boss zugreifen.

          Werder macht das Rennen

          Doch die Verheißung, die in der Causa Gnabry steckt, der durchaus greifbare Ansatz, aus ihr eine bessere Bremer Zukunft abzuleiten - die schien am Mittwochnachmittag greifbar, als Gnabry um 16 Uhr und eine halbe Stunde später als angekündigt vorgestellt wurde. Der 21 Jahre alte Deutsche mit ivorischem Vater geht also tatsächlich zu Werder - man hatte sich ja schon bei Max Kruse gewundert, dass die Bremer überhaupt noch in dieser Kategorie zugreifen können.

          Serge Gnabry wechselt von der Themse an die Weser.

          Zuerst also der (aktuell verletzte) Kruse, dann Robert Bauer aus der deutschen U 21, und nun dessen Kollege Gnabry: Hatte der nicht durch sechs Tore in sechs Einsätzen beim olympischen Turnier in Rio so überzeugt, dass ihn Bayer 04 Leverkusen, der FC Schalke 04 und der FC Bayern haben wollten? Das Rennen machte Werder; der SVW bekam Gnabry für geschätzt fünf Millionen Euro bis 2020, zu überweisen an den FC Arsenal. Dort wären seine Arbeitspapiere im Sommer 2017 ausgelaufen.

          An den Gerüchten, der FC Bayern hätte ihn gekauft und nach Bremen weiterverliehen, sei nichts dran, behauptete Baumann. Gnabry wird an der Weser die Nummer 29 erhalten und möchte nach eigenen Aussagen als „Zehner hinter den Spitzen oder auf den Flügeln“ spielen.

          Özil und Mertesacker als Bremer Fürsprecher

          In Brasilien kam Gnabry meist über links. Eine Schlüsselrolle in seiner Entscheidung pro Werder hätten die Arsenal-Kollegen mit grünweißer Vergangenheit gespielt, erzählte der in Stuttgart geborene Profi: „Per Mertesacker und Mesut Özil haben sehr positiv von ihrer Bremer Zeit berichtet.“ Gnabry hat seit seinem bestaunten Wechsel nach London 2011 nur zehnmal in der Premier League gespielt; zuletzt hatte ihn Arsenal an West Bromwich Albion verliehen. Ständige Knieprobleme hätten mehr Einsätze verhindert, sagte Gnabry.

          Max Kruse (vorne) fällt nach seinem Wechsel zu Bremen verletzungsbedingt zunächst aus.

          Kontakt zu ihm hatte es schon früher gegeben. Bei einem U17-Turnier hatte Gnabry vor vier Jahren in Bremen gespielt. Am Rande der Spiele hatte Baumann damals mit Gnabrys beratendem Vater Jean-Hermann gesprochen und das Bremer Interesse hinterlegt. „Wir haben ihn seitdem immer weiter beobachtet“, sagte Baumann. Werder soll in Person von Skripnik und Baumann auch schon vor dem olympischen Fußballturnier wieder mit Gnabry gesprochen haben. In den Gesprächen zeigte Skripnik ihm auf, dass er bei Werder eine zentrale Rolle in einer starken Offensive spielen könne. Gnabry muss sich hier sicher nicht hinten anstellen.

          Gnabry soll schnell Stammspieler werden

          Durch Kruses Verletzung wird er schon jetzt dringend benötigt. „Ich möchte mich weiterentwickeln und hier viel Spielzeit sammeln“, sagte er. „Werder gehört ins Mittelfeld oder ins obere Mittelfeld.“ Natürlich sind auch Zweifel angebracht, wenn ein so junger Spieler schon so lange Verletzungszeiten mitbringt und seine Spielpraxis sich im Grunde auf Reserveteams und nun die Olympia-Auswahl beschränkt. Wohl auch deshalb sagte Baumann vorsichtig: „Wir wünschen uns, dass Serge schnell Stammspieler wird. Aber die Konkurrenz ist groß.“

          Gnabrys Vorteil könnte seine Vielseitigkeit sein - in England wurde es ihm zum Nachteil ausgelegt, weil man dort nicht sicher war, ihn als Stürmer oder Mittelfeldspieler einzuteilen. Werder hingegen hat vorn in Kruse, Pizarro und Johansson Spieler, die öfter und auch schon länger verletzt waren. Bleibt Gnabry fit, wird er auch spielen. Was dabei herauskommen wird, muss sich weisen. Wie sehr Werder in den vergangenen Wochen ins Risiko gegangen ist, verdeutlichten die klaren Sätze Baumanns: „Wir waren aus mehreren Gründen gezwungen, größere Veränderungen im Kader vorzunehmen.“ Nun war Geld durch die Verkäufe Vestergaards und Ujahs da - und Werder griff beherzt zu.

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