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Werder Bremen : Gegenwind an der Weser

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„Es lief alles super. Und jetzt soll alles anders sein?”: Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs (r.) Bild: APN

Werder Bremen steckt in der Krise. Die letzten fünf Spiele gingen verloren. In einer solchen Notsituation wirkt Trainer Thomas Schaaf besonders souverän. Im Spiel gegen Hertha BSC an diesem Freitag (20.30 Uhr) wird er wohl die Abwehr stärken.

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          Es wirkt von außen immer so, als veränderte sich in Bremen nichts. Das Spiel mit der Raute, der frische Fußball nach vorn, die Vernachlässigung der Defensive, für all das steht Werder Bremen in guten wie in schlechten Zeiten. Doch natürlich hat es in den zehn Jahren der Ära Schaaf/Allofs viele Veränderungen gegeben. Und zwar nicht nur bei den Spielern.

          Nur spricht Trainer Schaaf nicht besonders gern darüber. Schon gar nicht, wenn es taktische Veränderungen sind. Schaaf mag es gar nicht, wenn es so wirkt, als reagierte er mit seinen Umstellungen auf etwas. Und doch ist es so: Zum Spiel an diesem Freitag gegen Hertha BSC Berlin (20.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) könnte Schaaf seine Mannschaft deutlich defensiver als zuletzt aufstellen, als es gegen den FC Bayern drei und in Mönchengladbach vier Gegentore gab und Werder in die erste Krise dieser Saison rutschte.

          Den überforderten Abdennour könnte der solide Pasanen als Linksverteidiger ersetzen, vor der Abwehr dürfte Frings in Niemeyer, der für Borowski käme, einen lauffreudigen Helfer bekommen. Dass es nur über eine geordnete Defensive wieder aufwärts gehen kann in Bremen, darüber sind sich Schaaf und Geschäftsführer Klaus Allofs einig. „Wir müssen grundlegend anders spielen, wir können nicht derart offensiv denken und uns dann so die Tore einfangen“, sagt Allofs.

          Beim 3:4 in Gladbach am vergangenen Samstag gab es wieder einmal viel Frust

          Bis Ende Oktober lief bei Werder Bremen alles wunderbar

          Mit diesem Gedankengut ist man bei Werder endgültig wieder im Sommer 2009 angekommen. Nach der verpatzten Spielzeit 2008/09 hatte Schaaf es zunächst mit zwei defensiven Mittelfeldspielern vor der Abwehr probiert – auch deswegen hatte Werder Tim Borowski vom FC Bayern München zurückgeholt. Borowski und Frings als „Doppelsechs“, das sollte helfen, die Abwehr zu stärken. Tat es auch.

          Weil Borowski sich verletzte und wohl auch, weil es so gut lief, setzte Schaaf bald wieder auf das vertraute 4-4-2 oder ein System mit Özil als freiem Mann hinter den Spitzen; Frings verrichtete seine Arbeit vor der Abwehr allein, allerdings half Kollege Bargfrede bei Bedarf aus. Vorn durften Marin, Hunt und Özil zum magischen Dreieck wachsen. Bis Ende Oktober lief das alles wunderbar; die Serie der niederlagenlosen Spiele wuchs und wuchs. Zuletzt aber sah man das, was Allofs schon nach großartigen Spielen seiner Mannschaft immer gesagt hatte: „Wenn nicht jeder alles gibt, sind wir eine ganz normale Mannschaft.“

          Es waren zuletzt zu viele, die nicht alle gaben. Özil, der die Defensivarbeit ganz vergaß, Frings, der sich in kleinen Zweikämpfen verhedderte, auch die den Namen nach herausragende Innenverteidigung der Bremer war plötzlich ein Unsicherheitsfaktor: Mertesacker/Naldo sind derzeit weder sicher noch torgefährlich. Ohne allzu viel Kraft zu vergeuden, wollten die Bremer die Partien in Frankfurt und Gladbach gewinnen, selbst gegen Bayern und den HSV fehlte die Aggressivität im Mittelfeld. Allein mit spielerischen Mitteln sollten die Erfolge her. Das musste misslingen.

          Carlos Alberto, Tosic, Moreno - alle drei sind wieder weg

          Dazu gibt es auch genug Selbstverschuldetes in Bremen. Der Kader ist teuer und bietet kaum Spielraum für Neues, wenn die Millionen aus der Champions League nicht mehr sprudeln. Einen Marin für acht Millionen Euro zu kaufen, war keine Kunst. Darüber hinaus haben sich Schaaf&Allofs zu viele Fehleinkäufe geleistet: Carlos Alberto, Tosic, Moreno – alle drei sind inzwischen bei anderen Klubs im Einsatz. Es ist bezeichnend, wenn schon sehnsüchtig auf die Rückkehr des jungen Bargfrede gewartet wird.

          Der Bremer Aufschwung stand von vornherein auf wackligen Beinen. Hunt, Özil und Marin fehlt es an Konstanz. Damit konnte man rechnen. Für sie müssten nun die Erfahrenen einspringen; es gibt ja genug, von Mertesacker bis Pizarro. Doch gerade jetzt stecken sie in Formkrisen oder kommen nach längeren Verletzungen gerade wieder zurück. Wie Pizarro.

          „Es lief alles super. Und jetzt soll alles anders sein?“

          Unverändert bleibt bei Werder das Führungspersonal. Bis vor drei Monaten war Schaaf gefeiert worden als ewiger Erneuerer, die Vertragsverlängerung wurde in allen Blättern mit großen Geschichten gewürdigt. Nun hat sich der Wind an der Weser gedreht. Aber nicht bei Werder: „Es lief alles super. Und jetzt soll alles anders sein? Das machen wir nicht mit“, sagt Allofs. Seit Jahren ist der Misserfolg eine Situation, in der Schaaf am souveränsten wirkt, sich immer stellt, in ruhigen Worten erklärt, wie er gedenkt, die Situation zu verändern. Arbeiten, enger zusammen rücken. Oder wie er sagt: „Die Dinge aufnehmen.“ Nämlich die, die zuletzt gut liefen.

          In den Tagen vor dem Hertha-Spiel ist auf dem verschneiten Trainingsplatz am Osterdeich wieder richtig viel gearbeitet worden. Verschieben, Passen, einfache Dinge: Wer muss wo stehen. Grundlagen eben. Es wirkte, als hätten alle viel Spaß am Training gehabt. Thomas Schaaf auch.

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