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Bundesliga-Nordderby : Werder fischt HSV-Spion aus dem Gebüsch

  • Aktualisiert am

Ist das da etwa ein Spion? Bremen-Trainer Florian Kohfeldt. Bild: dpa

Im Bundesliga-Nordderby zwischen Bremen und Hamburg geht es um viel. Werder wollte sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereiten. Doch plötzlich entdeckten die Bremer etwas Komisches.

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          Vor dem brisanten Nordderby gegen den Hamburger SV am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) wollte Bremens Trainer Florian Kohfeldt seine Mannschaft am Mittwoch in einer Einheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf die Partie vorbereiten. Doch plötzlich entdeckten die Bremer am Rande des Übungsplatzes elf einen Mann in einem Versteck, der ihnen irgendwie komisch vorkam. „Wir haben den Herrn gerade noch in der Hecke gesehen und ihn weggeschickt“, berichtete Kohfeldt am Donnerstag.

          Auf Nachfrage, was er wolle, habe sich der Mann als Autogrammjäger ausgegeben. Doch für die Werder-Verantwortlichen ist klar, dass es sich um einen Spion des Hamburger SV gehandelt hat. „Die Hamburger haben versucht, unsere nicht-öffentliche Trainingseinheit öffentlich zu machen“, sagte Kohfeldt. „Wegen der kurzen Entfernung gehe ich davon aus, dass der HSV jedes Training von uns beobachtet.“

          HSV-Trainer Bernd Hollerbach wurde am Donnerstag in Hamburg bei der Pressekonferenz zum Spiel auf den Vorfall angesprochen und gefragt, ob ihm denn auch ein Bremer Spion beim HSV-Training aufgefallen sei. „Heutzutage gibt es doch keine Spione mehr“, antwortete der frühere Profi dazu staubtrocken. Und fügte mit einem leichten Grinsen hinzu: „Das läuft doch jetzt alles mit Drohnen ab, oder?“

          Fußball-Profi Vasilije Janjicic vom Hamburger SV hat derweil großen Ärger mit der Polizei. Der 19 Jahre alte Mittelfeldakteur ist nach Angaben seines Vereins in der Nacht zu Donnerstag „als Fahrer seines Privatwagens alkoholisiert und ohne gültigen Führerschein in einen Unfall auf der Autobahn A7 verwickelt gewesen“. Die Polizei teilte am Donnerstag auf dpa-Anfrage mit, dass sich der Unfallfahrer zudem als sein Zwillingsbruder ausgegeben habe.  Janjicic droht nun eine harte Strafe durch die Justiz und auch durch den HSV. Das Strafmaß reicht von einer empfindlichen Geldbuße bis zu einer Haftstrafe von maximal fünf Jahren, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg.

          „Wir haben Vasilije sehr deutlich gesagt, dass wir sein Verhalten für verantwortungslos halten, es nicht tolerieren und ihn eine entsprechende Sanktion erwartet“, sagte HSV-Sportchef Jens Todt. Man werde den Schweizer aber „nicht fallenlassen“, versicherte er.  „Ich habe einen schwerwiegenden Fehler begangen und weiß, dass ich die Folgen meines Fehlverhaltens nun verantworten muss“, sagte Janjicic, der in dieser Bundesliga-Saison zu sechs meist kurzen Einsätzen kam.

          Für den HSV ist Walace trotz seines Kurzabstechers nach Brasilien ein Top-Kandidat unterdessen für das Nordderby in Bremen. „Ich vertraue Walace. Ich erwarte ihn am Freitagabend in Bremen“, sagte Trainer Hollerbach. „Wenn er gut drauf und fit ist, steht einem Einsatz nichts im Wege.“ Hollerbach will zur Sicherheit mit einem 19-Mann-Kader nach Bremen reisen. Walace war am Montag wegen der Geburt seines Sohnes Conrado zu seiner Frau in die Heimat geflogen. Dort sollte er sich fit halten. „Ich hatte einmal mit ihm Kontakt“, sagte Hollerbach. „Er ist ein einwandfreier Junge. Ich habe ihm Vertrauen gegeben. Er hat's zurückgezahlt“, betonte der Trainer und meinte damit die Leistungen des 22 Jahre alten Mittelfeldspielers in den zurückliegenden Partien.

          Zu Beginn der Rückrunde hatte Walace für Ärger gesorgt. Damals war er drei Tage zu spät von Brasilien ins Trainingslager des HSV nach Spanien gereist und wollte den Verein verlassen. Hollerbach als Nachfolger von Markus Gisdol stimmte den Südamerikaner um und machte ihn zum Stammspieler.  Albin Ekdal ist nach überstandener Verletzung ins Training zurückgekehrt. „Ich rechne aber eher im Heimspiel gegen Mainz mit ihm“, sagte Hollerbach. Unklar ist, ob Lewis Holtby bis Samstag einsatzbereit ist. Der Mittelfeldspieler hatte sich im Training am Dienstag eine Risswunde zugezogen, die genäht werden musste. „Alle Mann an Bord“ sind dagegen bei Werder, wie Coach Kohfeldt sagte. Auch die zuletzt angeschlagenen Zlatko Junuzovic, Philipp Bargfrede und Aron Johannsson stehen wieder zur Verfügung.

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