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Werder Bremen : „Das Tor ist lächerlich“

  • -Aktualisiert am

Thomas Schaaf mag es nicht glauben Bild: dpa

Eine krasse Fehlentscheidung leitete Bremens Niederlage gegen Bochum ein. Anstatt mit den Bayern gleichzuziehen, läuft Werder nun wieder hinterher. „Ich muss mich bei Werder entschuldigen. Das war ein klares Abseitstor“, sagte der Schiedsrichter.

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          Sie wollten keine schlechten Verlierer sein. Aber irgendwie kamen Thomas Schaaf und Klaus Allofs immer wieder auf diese Szene in der 67. Minute zurück: Der Bochumer Benjamin Auer spielt den Ball an der Strafraumgrenze seinem Kollegen Shinji Ono zu, der mindestens einen Meter im Abseits steht. Doch Schiedsrichter Michael Weiner lässt das Spiel weiter laufen. Ono schiebt den Ball wenig später Auer vor die Füße, und der hat keine Probleme, das 1:1 zu erzielen.

          Allofs, der Bremer Geschäftsführer Profifußball, sagte später: „Mir fällt keine Lösung ein, wie das kein Abseits hätte sein können. Das Tor ist lächerlich. Einfach schade, dass solche Fehler gemacht werden.“ Trainer Schaaf wollte die Szene am liebsten gar nicht kommentieren: „Die Bilder sprechen doch für sich.“

          „Ich übernehme die volle Verantwortung“

          Für Weiner begann die schwierigste Aufgabe des Spiels vierzig Minuten nach seinem Schlusspfiff. Da stand er in der Interviewzone des Weserstadions und gab mit ernster Mine seinen dicken Patzer zu: „Normalerweise entschuldigt man sich nicht für jede Fehlentscheidung, aber in diesem Falle muss ich mich bei Werder entschuldigen. Das war ein klares Abseitstor. Ich übernehme die volle Verantwortung.“ Schaaf fand respektierende Worte für die Aufrichtigkeit Weiners, doch die Szene ungeschehen machen konnte er nicht.

          Diego am Boden: Bremen wird von Bochum düpiert

          In Bremen empfand man diese irrwitzige Episode aus der 67. Minute als Beginn des Unheils, das in der Folge über Werder hereinbrach und die 1:2-Niederlage gegen den VfL Bochum verursachte. Nur drei Minuten nach dem Ausgleich durch Auer rannte Bochums schneller Slowake Sestak dem Bremer Verteidiger Naldo davon und wurde von ihm umgerissen. Weiner hielt Naldo die Rote Karte vor die Nase. Mithin wird er am Sonntag beim Spitzenspiel in München fehlen. Und zu allem Überfluss aus Bremer Sicht gelang Bochum in der 84. Minute auch noch der Treffer zum Sieg, als Anthar Yahia nach einem Eckball des starken Ono zum 2:1 einköpfte. Es war der erste Bochumer Sieg in Bremen – in 31 Spielen.

          Viel Druck, nur ein Tor

          Unabhängig vom Abseitstor wäre es wohl kein „Dreier“ geworden, hätte Werder seine Chancen zum 2:0 konsequenter genutzt. „Alles, was am Ende passierte, war nur die Folge daraus, dass wir das zweite Tor nicht machen“, sagte Allofs selbstkritisch. Es lief alles nach Maß, nachdem Daniel Jensen die Bremer in der 44. Minute in Führung geschossen hatte. Werder kontrollierte das Spiel, vergab dann aber durch Diego, Hunt und Borowski gute Möglichkeiten. „Da hätten wir den Gegner in die Knie zwingen können“, sagte Schaaf, „wir gehen zu leichtfertig mit unseren Chancen um. Deshalb müssen wir uns an die eigene Nase packen.“

          Minutenlang drückte Werder die Bochumer nach einer knappen Stunde in den Strafraum; Hunt traf nach einem Schuss und einer starken Reaktion Lastuvkas nur die Bochumer Latte – man wartete auf das 2:0, das die Bochumer Gegenwehr hätte erlahmen lassen. Doch wie schon im Pokal in Dortmund ohne den letzten Punch spielend, schadete sich Bremen selbst und geriet ins Schlingern. Auch, weil Diego nach seiner langen Reha-Zeit in Brasilien noch nicht wieder in Form ist und Tim Borowski großen Worten keine Taten folgen lässt.

          Verschenkte Punkte in München zurückholen

          Es nervte Allofs ungemein, die Punkte gegen den bisherigen Lieblingsgegner aus dem Westen derart liegengelassen zu haben. „Natürlich suchen wir noch unseren Rhythmus. Aber auf dieser Suche muss man keine Spiele verlieren. Es ist einfach ärgerlich, so ein Spiel wegzugeben“, sagte Werders Sportdirektor. Nun geht es ohne Naldo und den verletzten Frings nach München. Kein Grund für Schaaf, pessimistisch zu sein. „Wir haben genug Spieler, in die wir Vertrauen setzen. Wir haben doch immer wieder gezeigt, dass wir Ausfälle verkraften können“, sagt der Bremer Trainer. Allofs dachte schon mal an den Sonntag und ein Idealresultat: „Es wäre toll, die verschenkten Punkte in München zurück zu holen.“

          Erwartungsgemäß interessierte die Bochumer das ominöse Abseitstor gar nicht. Es war ja auch nicht so, dass sie diese drei Punkte überaus glücklich aus dem Weserstadion entführt hatten. Sie hatten mutig gespielt und in Shinji Ono einen Mann auf der Bank gehabt, der (spät eingewechselt) für ein Plus an Qualität und Ruhe in den Bochumer Reihen sorgte. „Sowohl Ono als auch Azaouagh helfen uns weiter“, lobte Trainer Marcel Koller seine Wintereinkäufe. Wobei Ono durch die beiden „Assists“ viel auffälliger spielte als der von Beginn an eingesetzte Azaouagh. „Der Sieg macht uns stolz“, sagte Koller, „aber ich weiß, dass wir viel Glück hatten, dass Bremen seine Chance nicht genutzt hat.“ Ohne die abgewanderten Gekas, Drobny und Misimovic hat sich der VfL Bochum schon wieder weit von der Abstiegszone entfernt und steht vor Klubs wie Hertha BSC Berlin oder Borussia Dortmund. Marcel Koller muss ein guter Trainer sein.

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