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3:1 in Leverkusen : Bremens Hoffnung auf Europa lebt dank Kruse

  • -Aktualisiert am

Max Kruse war an allen drei Bremer Toren beteiligt. Bild: EPA

Werder schiebt sich heran an die begehrten Plätze der Bundesliga. In Leverkusen zeigen die Bremer eine starke Leistung und siegen mit 3:1. Vor allem ein Spieler ragt bei den Gästen heraus.

          Im Rheinland wird diese Länderspielpause mal wieder Anlass bieten, ein altes Klischee hervorzukramen. Der Legende zu Folge ist es ja so, dass die Fußballprofis von Bayer Leverkusen immer genau dann nachlässig werden und versagen, wenn sie die Chance haben, tatsächlich Unerwartetes zu vollbringen. Die Vereinsgeschichte ist voll von solchen Momenten, zuletzt haben sie im vorigen Jahr aufgrund der knapp schlechteren Tordifferenz gegenüber Dortmund die Champions League verpasst. Am Sonntag hatten sie nun gegen Werder Bremen die wunderbare Chance, nach einer total missratenen Hinrunde wieder ganz nah heranzurücken an die ersten vier Teams der Liga und die Königsklasse – und genau jetzt verloren sie 1:3. „Wenn du nach oben willst, dann musst du solche Spiele über 90 Minuten durchziehen“, sagte Kapitän Lars Bender in Anspielung auf die etwas schwächere erste Hälfte.

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          Typisch, könnte man sagen, wobei dieses Urteil an diesem Tag ein Stück an der Realität vorbei geht. Denn die Gäste von der Weser hatten ein atemraubend gutes Auswärtsspiel auf den Rasen gezaubert – angeführt von einem charismatischen Kapitän in Weltklasseform. Max Kruse erzielte das 0:1 und das 1:3 selbst, das 0:2 legte er auf, „eine Vorlage zwei Tore, bei einem anderen Linksfuß in der Fußballwelt sieht man so ähnliche Aktionen“, sagte Maximilian Eggestein in Anspielung auf Lionel Messi. Kruse war 11,7 Kilometer gelaufen, so viel wie nie zuvor in einem Bundesligaspiel, aber es war nicht der Bremer Kapitän alleine, der so auffiel in der Bremer Mannschaft. Alle drei Treffer fielen nach brillant zu Ende gespielten Kontern. Zunächst krönte Kruse einen klugen Angriff mit einem satten Schuss zum 0:1 (13.). Vorausgegangen war ein nahezu perfekter Spielzug, in dessen Verlauf die Brüder Johannes und Maximilian Eggestein komplexe Spielsituationen mit blitzsauber getimten Pässe auflösten. Und in der 37. Minute legte Kruse nach einem weiteren Schnellangriff von ähnlicher Klasse seinem Kollegen Milot Rashica das 0:2 auf. „Die erste Halbzeit war aus meiner Sicht, wie die Jungs das umgesetzt haben, überragend“, sagte Trainer Florian Kohfeldt. Peter Bosz fällte hingegen ein überraschend hartes Urteil über sein Team: „Die erste Halbzeit war sehr schlecht, im Ballbesitz und vor allen Dingen gegen den Ball“, sagte der niederländische Trainer der Werkself.

          Ein Grund für diese in Boszs Augen schwächste Halbzeit der Rückrunde lag womöglich in der Verdauung von Kai Havertz, der in dieser ersten Hälfe wegen Magenproblemen nur auf der Bank saß, die Präzision im Passspiel des 19 Jahre alten Nationalspielers fehlte. Aber so schlecht waren die Leverkusener keineswegs, auch die Rheinländer trugen viel zu diesem großartige anzusehenden Spiel bei und hatten schon vor der Pause ordentliche Chancen, etwa durch Leon Bailey (34.) und Kevin Volland (35.). Aber die Bremer Führung war verdient und auch ein persönlicher Erfolg Kohfeldts. Dem Bremer Trainer eilt ja wie sein Leverkusener Kollege der Ruf voraus, gerne mutig nach vorne zu spielen, doch nicht selten sind die Bremer auch aufgrund ihrer risikofreudigen Spielweise mit Gegentoren bestraft worden. Das 2:6 gegen Bayer im Hinspiel war so ein Fall. Doch diesmal verteidigten die Bremer ausgesprochen diszipliniert, lauerten auf Konter, und wenn sie dann am Ball waren, malten sie mit ihren Pässen perfekt durchdachte Vertikallinien auf den Rasen. Bis zur Schlussphase jedenfalls, „die letzten 20 Minuten waren purer Wille“, sagte Kohfeldt.

          Denn mit Havertz und dem jungen Paulinho waren zwei belebende Leverkusener Offensivleute in die Partie gekommen, und schon in der 55. Minute hatte Havertz Pech, weil ihm der Ball vor einem Treffer an die Hand gesprungen war (55.). „Die zweite Halbzeit war besser“, gab der grollende Bosz zu, doch der Niederländer fand sein Team trotzdem auch in dieser Phase noch nicht richtig gut. In jedem Fall war der Unterhaltungswert der Partie beachtlich gewesen, aufgrund der vielen Strafraumszene, wegen des hohen Tempos und der individuellen Klasse – es war ein Spiel zweier Spitzeteams. Bremens Mittelfeldspieler Nuri Sahin traf noch mit einem Freistoß die Latte (59.), bevor Bailey den Boden für eine dramatische Schlussphase bereitete.

          Der Jamaikaner zirkelte einen 25-Meter Freistoß unter die Latte, das Stadion kochte für Leverkusener Verhältnisse nun, und viele meinten später, dass Bayer Leverkusen einen Ausgleichstreffer verdient gehabt hätte. Der strenge Bosz jedoch widersprach: „Es wäre nicht verdient, wenn wir noch 2:2 spielten“, erklärte er, und als Kruse einen Konter in der Nachspielzeit mit dem 3:1 abschloss, war diese Option ohnehin aus der Welt. Zu hoch hängen wollte aber auch Kohfeldt diesen zuckersüßen Erfolg nicht, „wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, gehören solche Siege auch dazu“, sagte er. Und zumindest Bayer Leverkusen ist jetzt auch wieder in Reichweite.

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