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Werder-Aufsichtsratschef Bode : „Man kann sich um die Liga Sorgen machen“

  • -Aktualisiert am

Das Werder-Trio: Bode, Trainer Skripnik und Assistent Frings (v.l.) Bild: dpa

Teure neue Fußballwelt: Werder Bremens Aufsichtsratschef Marco Bode spricht im FAZ.NET-Interview über die Bedrohung der Bundesliga und den Bremer Weg.

          6 Min.

          Werder gegen Wolfsburg, das ist an diesem Sonntag (17.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesliga-Liveticker bei FAZ.NET) das Duell der beiden besten Rückrundenteams. Etwas überraschend, wenn man sieht, dass beim VfL in der Winterpause André Schürrle für 30 Millionen über den Tisch geht das ist schon Wahnsinn, oder?

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Ganz neu ist es ja nicht, es sind schon andere für so viel Geld transferiert worden. Aber klar: Ich denke auch, das ist erstaunlich viel Geld. Auf der anderen Seite ist es doch sehr fair, dass Wolfsburg auch nur elf Spieler auf den Platz bringen kann. Wir haben jedenfalls für viel weniger als 10 Prozent dieser Summe Jannik Vestergaard geholt, und ich sage jetzt mal provokativ: Ich weiß nicht, welcher Spieler für den jeweiligen Klub wichtiger ist. Es gibt trotz dieser Dimensionen auch Möglichkeiten für uns am Markt.

          Der Druck für Klubs wie Ihren ist enorm gestiegen. Da reicht es ja schon, sich in der Region umzuschauen: Der HSV hat den Milliardär Kühne, Wolfsburg hat VW, und Hannover 96 hat Martin Kind, der demnächst als Anteilseigner einsteigen darf. Wo bleibt da Werder?

          Das stimmt, das sind Fakten. Die Fußballwelt hat sich schon verändert, seit ich Ende der achtziger Jahre nach Bremen gekommen bin, und es ist nicht leichter geworden.

          Wir meinen das ganz akut in den letzten ein, zwei Jahren.

          Wir spüren das natürlich akut, auch weil wir bis vor ein paar Jahren ja noch Champions League gespielt haben. Wir arbeiten immer noch daran, das zu bewältigen.

          Bei einer Art Nord-Gipfel mit Dietmar Beiersdorfer und Oke Göttlich, den Klubchefs des HSV und des FC St. Pauli, sagten Sie kürzlich, dass Sie beim Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesliga manchmal „ratlos“ seien. Was meinen Sie damit?

          Wir haben auf dieser Veranstaltung über Bedrohungen für dieses Gebilde Fußball-Bundesliga gesprochen, und ich wäre ignorant, wenn nicht auch ich die eine oder andere Gefahr sehen würde. Man muss sagen, dass die Voraussetzungen nicht ganz einheitlich sind im Moment. Natürlich ist der Wettbewerb gewollt. Dass jeder seine ganz eigenen Bedingungen hat und damit klarkommen muss. Auf der anderen Seite muss man aber auch versuchen auszugleichen, wo das möglich und sinnvoll ist.

          Woran denken Sie konkret?

          Financial Fairplay ist ein Thema oder die Diskussion über die 50+1-Regel. Natürlich geht es auch um die Verteilung der Fernsehgelder. Wir müssen Gespräche führen, wie wir einen fairen Wettbewerb in der Bundesliga erhalten.

          Sportlich wichtig für Bremen – und dabei ein Schnäppchen: Jannik Vestergaard
          Sportlich wichtig für Bremen – und dabei ein Schnäppchen: Jannik Vestergaard : Bild: AFP

          Von Seiten der Deutschen Fußball Liga, die ja im Auftrag der Klubs arbeitet, ist zuletzt vor allem ein „mehr, mehr, mehr“ sowie eine Ausrichtung an der internationalen Konkurrenz zu hören. Gerät da der Aspekt Binnengerechtigkeit aus dem Blickfeld?

          Natürlich ist es ein Stück weit der Wunsch aller Vereine, dass man international nicht den Anschluss verliert. Wir freuen uns, wenn die besten Fußballer der Welt oder zumindest viele davon in der Bundesliga spielen und deutsche Teams in der Champions League erfolgreich sind. Aber ja, das Binnenverhältnis ist für die Attraktivität der Liga und seine Vermarktbarkeit auch sehr wichtig.

          Sie klingen, als würden Sie sich Sorgen machen um das, was die Bundesliga ausmacht, wofür sie geliebt wird.

          In der Diskussion in Hamburg sagte ein Zuhörer: Die Liga stirbt. Davon bin ich weit entfernt. Sich Sorgen machen kann man aber schon. Oder positiver ausgedrückt: Es macht schon Sinn, miteinander zu reden.

          Welche wirtschaftlichen Möglichkeiten kann ein Klub wie Werder noch ausschöpfen, und was haben Sie konkret vor?

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