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RB Leipzig : Wer kann mit Ralf Rangnick?

  • -Aktualisiert am

Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick. Bild: EPA

Der Sportdirektor ist bei Leipzig der alles dominierende Mann. Das wird zunehmend zum Problem, etwa für den derzeitigen RB-Trainer. Und dessen möglicher Nachfolger soll auch schon sehr zurückhaltend reagiert haben.

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          Lange bevor Ralph Hasenhüttl zu einer Pressekonferenz in der vorvergangenen Woche erscheint, ist er Gesprächsthema im Raum. Eine Meldung macht die Runde, der Trainer von RB Leipzig hätte sich direkt im Anschluss an das Europapokal-Spiel in Marseille mit dem Frankfurter Manager Fredi Bobic getroffen, um eine mögliche Zusammenarbeit ab Sommer auszuloten. Als er dann erscheint und damit konfrontiert wird, schaltet Hasenhüttl sofort auf locker. „Also“, sagt er und hebt die Stimme. „Vor zwei Wochen war ich schon bei Bayern München und Borussia Dortmund gleichzeitig Trainer, jetzt ist es Frankfurt. Wenn die dann tatsächlich einen Trainer holen, bin ich sicher dort Kandidat, wo derjenige vorher gearbeitet hat.“ Dann macht er eine Handbewegung, als wolle er, der Österreicher, die Gerüchte um ihn und die Eintracht einfach wegwischen. Schmarrn!

          Bundesliga

          So abwegig Hasenhüttl das Szenario auch darstellt: Wo er in der kommenden Saison als Trainer arbeiten wird, ist völlig offen. Vor nicht allzu langer Zeit wäre die Option Frankfurt einem Karriereknick gleichgekommen. Hasenhüttl zählte zu den begehrtesten Trainern der Bundesliga. Bayern, Dortmund, das war seine Kragenweite, und selbst die potenten Leipziger schienen alle Hände voll damit zu tun zu haben, ihren Trainer zu halten.

          Zwei Spiele vor dem Saisonende ist alles anders. Bayern hat Nico Kovac verpflichtet, in Dortmund soll die RB-Zeit von Hasenhüttl als Ausschlusskriterium gelten. Zu heikel angesichts der eigenen Fans, die null Sympathien für Klubs des Brause-Imperiums hegen. Hasenhüttls Stand hat gelitten, vor allem im eigenen Haus. Die Frage aus Sicht von RB Leipzig vor dem Spiel gegen den abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) ist nicht mehr, ob man den Trainer zur Verlängerung seines bis 2019 laufenden Vertrages bewegen kann, sondern ob man ihn überhaupt noch will. Wobei an dieser Stelle auch die Frage gestellt werden muss, ob Hasenhüttl selbst das noch will.

          Rangnick suche immer das Problem

          Als Trainer für einen von Ralf Rangnick geführten Verein zu arbeiten ist schwierig. Über einen längeren Zeitraum eher unmöglich. Das sagen viele, die mit dem Manager gearbeitet haben. Der Leipziger Sportdirektor gilt als Perfektionist, als extrem ehrgeizig. Von allen um sich herum verlange er die gleiche Intensität und Hingabe, mit der er seine Aufgaben angeht. „Manchmal gibt es Phasen, da kommt er jeden Morgen mit einer neuen tollen Idee, und die muss dann ganz schnell umgesetzt werden. Wenn es nicht läuft, dann liegt das seiner Meinung nach immer an einem ganz bestimmten Problem, und das sucht er dann“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter.

          Hasenhüttl hat darüber lange hinweggesehen. Er hat nie gemurrt, wenn Rangnick ihn regelmäßig in der Halbzeitpause aufsuchte, um über verbesserungswürdige Dinge zu reden, die er während der Spiele von oben auf der Tribüne beobachtete. Hasenhüttl hörte zu, anders als es Thomas Tuchel oder Jürgen Klopp wohl getan hätten. Hasenhüttl hat sich auch nie beschwert, wenn Rangnick Ergebnisse öffentlich anders bewertete als er, oder wenn der Boss Spieler kritisierte. Vielleicht hat er die Faust in der Tasche geballt, aber nach außen hin hielt er still. Um des Friedens Willen, sagen die einen. Aus Loyalität, sagen die anderen. Hasenhüttl hat nicht vergessen, wie Rangnick einst um ihn buhlte, wie er ihn nach Leipzig holte und wie er ihm die Möglichkeit gab, sein Talent bei so einem aufstrebenden Klub unter Beweis zu stellen.

          Der derzeitige Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl.
          Der derzeitige Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl. : Bild: dpa

          Nach zwei Jahren auf diesem Niveau, Bundesliga-Zweiter im ersten Jahr, Champions League und Europa League im zweiten, ist der Trainer kein Novize mehr, sein Selbstbild hat sich geändert. Er sei deutlich selbstbewusster als bei seiner Ankunft in Leipzig, sagen die, die ihn kennen. Viel von dem Licht der jüngsten Erfolge fiel auf den Österreicher, der zeitweise heller zu leuchten schien als Rangnick, der für ein Gespräch mit der F.A.Z. nicht zur Verfügung stand. Aus seiner Zeit in Hoffenheim wird ihm nachgesagt, die Probleme hätten begonnen, als die Mannschaft plötzlich eigene Stars hervorgebracht habe. Sejad Salihovic, Luiz Gustavo, Demba Ba.

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