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Weltmeister Christoph Kramer : Vom Mitläufer zum Millionenmann

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Wo ich demnächst spiele? Christoph Kramer ist bei dieser Frage um keinen Spruch verlegen Bild: WITTERS

Ein Nebendarsteller wird zum Vielredner: Seit dem WM-Titel neigt der Gladbacher Mittelfeldspieler Christoph Kramer zu einer eigenartigen Selbstdarstellung. Das sorgt auch vor dem Spiel gegen Leverkusen (15.30 Uhr) für viel Wirbel.

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          Christoph Kramer steht im Ruf, viel zu reden. Der selbstbewusste Fußballprofi von Borussia Mönchengladbach pflegt das auf erfrischende Art zu tun, etwa wenn er locker über das sagenhafte Eigentor parliert, das er vor einigen Wochen in Dortmund aus fast fünfundvierzig Metern Entfernung geschossen hat. Jener Treffer kostete Gladbach zwar Punkte, den Schützen aber keine Sympathien.

          Wer so entspannt über die eigenen Fehler spricht und selbstkritisch anmerkt, „eine richtige Grütze gespielt zu haben“, dem ist so leicht niemand böse. In dieser Woche hat Kramer es dennoch geschafft, sich in Mönchengladbach unbeliebt zu machen. Wieder einmal ging es um die Frage, für welchen Klub der begabte Mittelfeldspieler von der nächsten Saison an kicken werde. Zunächst verkündete Kramer auf dem Boulevard, er gedenke, „Stand jetzt“, von der nächsten Saison an für Bayer Leverkusen zu spielen.

          Die Leverkusener betrachten den angekündigten Wechsel schon lange als etwas Selbstverständliches, Kramer steht ja bei ihnen bis Juni 2017 unter Vertrag, und das Leihgeschäft mit Gladbach läuft zum Ende dieser Spielzeit aus. Doch Kramer, inzwischen Fußball-Weltmeister, hat seinen eigenen Kopf und geriert sich gern als Spieler, der unabhängig von der Rechtslage selbst entscheiden kann, für wen er wann spielt. Also erläuterte der Dreiundzwanzigjährige in „Sport Bild“, warum er nach Leverkusen zurückkehren werde: „Nicht, weil ich muss, sondern weil mich das Konzept total überzeugt hat.“

          Mit solchen Äußerungen macht man sich als Borussen-Profi in Gladbach keine Freunde. Kaum hatte Kramer die Botschaft in eigener Sache verkündet, gab er der Geschichte den nächsten dramaturgischen Kick. Wenige Tage bevor Bayer und Borussia an diesem Sonntag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) in der Bundesliga gegeneinander antreten, modifizierte er seine Wechselpläne.

          Fußball-Weltmeister : Christoph Kramer über sein Tagebuch

          Entweder sind dem Propheten Zweifel gekommen oder ihm dämmert, dass es in Gladbach schlecht ankommt, wenn ein Spieler so unverhohlen sagt, konzeptionell betrachtet, fühle er sich bei einem rheinischen Rivalen besser aufgehoben. Also beeilte sich Kramer klarzustellen, dass seine Zukunft weiterhin unklar sei. „Momentan sieht es danach aus, dass ich ab 2015 in Leverkusen spiele“, sagte er, aber „es ist noch nichts entschieden“.Für Gladbach ist das kein Grund, die Chancen auf einen Verbleib des Umworbenen wieder steigen zu sehen. Die Borussen sind so oder so aus dem Rennen. „Er gehört Leverkusen, er hat dort einen Vertrag. Wir wissen, dass er bald nicht mehr da ist“, sagt der Gladbacher Trainer Lucien Favre.

          Kramers jüngster Eiertanz hat mit seinem aktuellen Arbeitgeber nichts zu tun. Der nach vielen Seiten offene Profi warf kurzerhand die Frage auf, was wäre, wenn ein Klub käme, der ein noch besseres Konzept besitzt als Bayer Leverkusen und im Idealfall auch noch mehr Geld. „Wenn einer mit dreißig Millionen Euro kommt, dann setze ich mich mit ihm an einen Tisch“, sagte er. Mit dreißig Millionen Euro ist offenbar die Ablöse gemeint. Wie Kramer nach knapp anderthalb Jahren Bundesliga seinen Marktwert taxiert und vorsorglich schon mal Gesprächsbereitschaft zeigt, lässt nicht gerade darauf schließen, dass der Titelgewinn in Brasilien ihm Demut eingeflößt hat.

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