https://www.faz.net/-gtm-6m75q

Weltfußball : Rummenigges einsame Revolution

Wer spielt mit bei der „Revolution”? Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge Bild: AFP

Erst rief Karl-Heinz Rummenigge zur „Revolution“ gegen die Fifa auf. Doch nun hört man nichts mehr aus München vom Bayern-Boss. Ist er zu weit vorgeprescht? Beim Angriff auf den Fußball-Weltverband fehlen ihm die mächtigen Mitstreiter.

          3 Min.

          Karl-Heinz Rummenigge will nichts mehr sagen. Gerade noch hat der Bayern-Vorstand zur „Revolution“ gegen den Internationalen Fußball-Verband (Fifa) aufgerufen, doch nun hört man nichts mehr aus München. Eine Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ließ er unbeantwortet. Ist er zu weit vorgeprescht? Tatsächlich findet sich kein Mitstreiter unter den europäischen Top-Vereinsbossen, der seinen Vorstoß öffentlich unterstützen würde. Und Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), auf den Rummenigge scharf geschossen hatte, verteidigt sich geschickt: Er selbst hatte die Absicht, den Spitzenklubs mehr Mitspracherecht in der Fifa zu verschaffen - doch diese winkten ab.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als sich die Glaubwürdigkeitskrise der Fifa auch einer breiten Öffentlichkeit zeigte, schoss der ehemalige Stürmer Rummenigge erst einmal gegen die höchste Fußball-Institution und seine Offiziellen. Er tat das nicht nur als Vorstandschef des FC Bayern, sondern vor allem in seiner Funktion als Vorsitzender des europäischen Klub-Verbandes (ECA). Hier sind 197 Vereine organisiert.

          Als er in einem Interview von der „Revolution“ sprach, spekulierten englische Medien schon, die europäischen Topvereine könnten sich von den Strukturen der Fifa und auch der Europäischen Fußball-Union (Uefa) abspalten und eine eigene Superliga gründen, sollte der Weltverband sich nicht reformieren. Nun ist es wieder still geworden um den vermeintlichen Aufstand. Von einer breiten Front der Klubs kann bislang nicht die Rede sein. Aus der Premier League, Primera División oder der Serie A kommt keine Schützenhilfe. „Die Sache sollte wieder herunterkühlen“, sagt der Vertreter eines der erfolgreichsten europäischen Klubs. Er sitzt mit Rummenigge im ECA-Vorstand und will nicht genannt werden.

          Rummenigge fordert nicht nur mehr Geld und Einfluss

          In erster Linie dürfte es den Vereinen nicht um ethisch-moralische Fragen, sondern um mehr finanzielle Zuwendungen von Seiten der Fifa gehen, die bei der Weltmeisterschaft von den Spielern und den Stars der Klubs profitiert. Mit der Uefa haben die Vereine eine bis 2014 laufende Vereinbarung, dass die Verbandsregularien respektiert werden. Neben mehr Geld und Einfluss forderte Rummenigge auch Maßnahmen im Kampf gegen Korruption.

          Gegen mehr Geld aus den Fußballtöpfen wird kein Verein etwas einzuwenden haben. Doch wie weit der Solidargedanke der Klubs auch in anderen Fragen reicht, ist unsicher. Der FC Barcelona etwa kann eigentlich nicht wollen, dass die WM-Vergabe an Qatar in der Fifa neu aufgerollt und wegen einiger Korruptionsvorwürfe überprüft wird. Der Super-Klub aus Katalonien erhält 30 Millionen Euro pro Jahr von seinem neuen Trikotsponsor, der Qatar Foundation.

          Zugleich hat sich der in Qatar ansässige arabische Fernsehsender Al Dschazira mit Medienrechten in großen Stil in den französischen Fußball eingekauft. Die Interessen der Vereine sind durch Geldgeber, Besitzverhältnisse, Sponsoren, globale Werbedeals und verschiedene Strategien unterschiedlich. Daran ist schon die Arbeit der sogenannten G-14-Gruppe gescheitert, in der sich einst die größten Klubs Europas zusammentaten. Die Organisation löste sich 2008 auf und wurde durch die viel breiter aufgestellte ECA ersetzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mit Pomp: Königin Elisabeth II. und Prinz Charles bei der Wiedereröffnung des britischen Parlaments am Montag.

          Queen’s Speech im Parlament : Eine fehlerfreie Zeremonie

          Oppositionspolitiker bezeichnen die Rede von Königin Elisabeth II. zur Wiedereröffnung des Parlaments als Farce. Premierminister Boris Johnson wirkt zufrieden.
          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Krieg in Syrien : VW stellt Werk in der Türkei in Frage

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.