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Eintracht Frankfurt : Chance und Risiko der Boateng-Rückkehr

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Aufhören, wenn’s am schönsten ist Nach dem Pokalsieg 2018 verließ Boateng die Eintracht. Bild: dpa

Nach den Abgängen von Luka Jovic und Sébastien Haller sucht Frankfurt einen neuen Stürmer. Kommt Kevin-Prince Boateng tatsächlich zurück zur Eintracht? Eine Neuauflage der alten Liebe wäre ein Wagnis.

          Dringenden Handlungsbedarf schien Adi Hütter nicht zu sehen. Muss von den Mittelfeldspielern des Eintracht-Trainers in Zukunft mehr Torgefahr ausgehen nach dem Weggang der beiden Topstürmer Luka Jovic und Sébastien Haller? Hütter räumte zwar ein, dass man die Dinge „sicher besser machen“ könne als in der abgelaufenen Runde. Aber dann hob er flugs die Vorzüge des Neuzugangs Dominik Kohr von Bayer Leverkusen hervor, „bei dem ich schon das Gefühl habe, dass er Zug zum Tor hat“. Außerdem geht der Trainer fest davon aus, dass der Schweizer Djibril Sow ebenfalls Eintrag in die Torschützenliste finden wird. Priorität habe daher die Verpflichtung eines Stürmers, lautete sein Fazit.

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          Nun wollen die Hessen offenbar Kevin-Prince Boateng aufs Neue an sich binden. Als Mittelfeldspieler hat der 32-Jährige seine Torgefahr schon bewiesen. Nur ein Torjäger war er nie. Auf jeden Fall bekäme die Eintracht mit ihm einen meinungsstarken und von allen Seiten akzeptierten Spieler zurück. In der vorvergangenen Spielzeit, als die Hessen Pokalsieger wurden und Boateng in 31 Pflichtspielen sechs Tore glückten, hatte sein Wort großes Gewicht. Seine im In- und Ausland gewonnenen Erfahrungen, sein Auftreten sowie sein Eintreten für wichtige Anliegen machten Boateng zum Kopf der Mannschaft. Druck konnte ihm kaum etwas anhaben. In seinem großen Schatten konnten sich die jungen Spieler in Ruhe weiterentwickeln. Boateng zog seine Teamkollegen mit. Und er begeisterte mit seiner mitreißenden Art. Boateng war in Frankfurt hoch geachtet – und deshalb fühlte er sich sehr wohl. Trotzdem erklärte er seine Mission nach einem Spieljahr für beendet.

          Sein Abgang mit dem DFB-Pokalsieg war aus seiner Sicht ein rundum gelungener Abschied. Sportvorstand Fredi Bobic ließ Boateng, der hauptsächlich private Gründe für seinen Wechsel anführte, wie abgesprochen ablösefrei nach Italien zum Erstliga-Klub US Sassuolo ziehen; es folgte seine viel beachtete Ausleihe zum FC Barcelona. Nur vier Einsätze in der Liga und im Pokal jeweils ohne einen Torerfolg waren am Ende aber kein Empfehlungsschreiben für eine Weiterbeschäftigung in der Beletage des europäischen Fußballs. Barcelona nahm die Kaufoption nicht wahr, obwohl der Betrag – die Rede ist von acht Millionen Euro – überschaubar gewesen wäre. „Ich habe hier mit die aufregendsten Erfahrungen in meiner Karriere gemacht“, schrieb Boateng zum Abschied auf Instagram. Jetzt steht er wieder auf der Gehaltsliste der Italiener. Sie rechnen jedoch mit dessen endgültigem Abschied.

          Bobic verlor kein böses Wort, als sich Boateng aus der Ferne plötzlich für Barcelona entschied. Auf einmal spielte die Nähe zu seiner in Mailand lebenden Familie nicht mehr die entscheidende Rolle. Und als sportlich besonders anspruchsvoll musste die Aufgabe in Spanien auch betrachtet werden. Doch Bobic gönnte Boateng, dem Spötter nachgesagt hatten, sich in Italien aufs Altenteil zurückziehen zu wollen, die Herausforderung auf prominenter Plattform. Der Kontakt zwischen den beiden riss nie ab. Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner wissen, was sie mit Boateng bekämen: einen Fixpunkt vorne – ähnlich wie Haller einer war, der die Gegenspieler bindet.

          Der den Ball behaupten kann und der im richtigen Moment ein Foul zieht. Dem der Gegner mit Respekt gegenübertritt. Aber wie käme Boateng heute mit den physischen Anforderungen in der Bundesliga zurecht? Schon damals nahm er sich seine Auszeiten. Seine Defizite machte er dann mit seiner Erfahrung und seiner Spielintelligenz wett. Nicht zu vergessen das laufintensive Spielsystem von Hütter, das mit schnellem Umschaltspiel und frühem Pressing jedem Spieler körperlich alles abverlangt. Für Boateng würde die Eintracht, die Interesse am Dortmunder Angreifer Maximilian Philipp zeigt, wieder zum Kraftakt werden.

          Chance und Risiko lägen bei dessen Verpflichtung eng beieinander. Bei einer Neuauflage der alten Liebe könnte Boateng in Frankfurt viel von seiner Reputation verlieren, falls er die angedachte Führungsrolle nicht zu erfüllen vermag. Aber ein mental starker und von sich überzeugter Profi wie Boateng wird ein solches Wagnis nicht scheuen. Mit seinem Renommee würde er wohl erst einmal Kräfte in der Frankfurter Mannschaft frei setzen. Nach dem Verlust zweier Topspieler hätten die Verantwortlichen aus ihrer Perspektive mit der Verpflichtung eines sportlichen Schwergewichts Handlungsstärke bewiesen. Die Leute könnten „überrascht“ sein, hatte Bobic unlängst Neuzugänge angekündigt, ohne Namen zu nennen.

          Eintracht ohne Torwart Rönnow nach Tallinn

          Eintracht Frankfurt muss im ersten Spiel der Europa-League-Qualifikation am Donnerstag (19.00 Uhr bei RTL Nitro) beim FC Flora Tallinn auf Torwart Frederik Rönnow verzichten. Der 26 Jahre alte Däne hatte sich bereits am vergangenen Samstag im Training eine Verletzung im Schulterbereich zugezogen und muss voraussichtlich zwei Wochen pausieren, teilte der Fußball-Bundesligist am Mittwoch mit. Als Ersatz stehen Felix Wiedwald, Jan Zimmermann und der aus der U 19 nachnominierte Max Hinke als Torhüter zur Verfügung. (dpa)

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