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Kevin De Bruyne : Was macht Wolfsburg nur mit 75 Millionen Euro?

  • -Aktualisiert am

Kein Bundesligaspieler stand zuletzt so im Fokus wie Kevin De Bruyne. Bild: dpa

Nicht einmal das Geld von VW reicht, um Kevin De Bruyne in Wolfsburg zu halten. Der VfL ist bei einem Wechsel des Belgiers sehr viel reicher. Und dann?

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          Die mit Abstand ehrlichste Rolle in dem turbulenten Transfertheater füllt Dieter Hecking aus. Ruhig und sachlich ließ er das nächste Blitzlichtgewitter über sich ergehen. „Mich ermüdet das. Ich finde das überdrüssig“, sagte der tapfere Cheftrainer des VfL Wolfsburg, als er wieder einmal die vermeintlich wichtigste Personalie seines Vereins kommentieren sollte. Dass der Belgier Kevin De Bruyne in Kürze zu Manchester City wechselt, wollte Hecking gar nicht mehr verneinen. Er ärgert sich vielmehr darüber, dass der Druck der Medien und ein Mangel an Konzentration den normalen Fußball-Alltag beim VfL Wolfsburg erheblich erschweren.

          An der Seite von Geschäftsführer Klaus Allofs gab sich Hecking große Mühe, zumindest die Form zu wahren und nichts zu bestätigen, was noch nicht vollzogen war – aber allen Anzeichen nach auch nicht mehr zu verhindern ist. Denn De Bruyne hat seinen Chefs in Wolfsburg bereits erklärt, dass er den VfL zugunsten von ManCity unbedingt verlassen will. Für das Spiel gegen Schalke an diesem Freitag (20.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) wurde er ebenso wie Ivan Perisic nicht für den Kader nominiert.

          Der Schwebezustand einer Personalie, die der Fußball-Bundesliga eine weitere Rekordmarke bescheren wird, ist zu einer Belastung geworden. Dem Vernehmen nach soll Manchester bereit sein, rund 75 Millionen Euro Ablöse für De Bruyne zu überweisen – plus so mancher Bonuszahlung im Fall von großen Erfolgen. „Wir haben und angenähert, soviel kann ich verraten“, sagte Allofs am Donnerstag über den Stand eines Transferpokers, bei dem die Karten auf dem Tisch liegen.

          Obwohl De Bruyne in seinem bis 2019 laufenden Vertrag mit dem VfL Wolfsburg keine Klausel für einen vorzeitigen Wechsel besitzt, können ihn die Niedersachsen nicht mehr halten. Wie es sich für einen guten und umsichtigen Trainer gehört, hat Hecking bis zuletzt versucht, seinen besten Mann von einem Verbleib zu überzeugen. Weil er auf ihn setzt und weil er ihm alle erdenklichen Freiheiten gewährt. Doch die Aussicht auf mehr Geld und mehr Ruhm scheint das schlagende Argument für den wechselwilligen Spieler zu sein.



          Allofs und Hecking waren in den vergangenen Wochen wahrlich nicht zu beneiden. Ständig etwas zu kommentieren und dementieren zu müssen, das ohnehin keinen Spaß macht, ist eine harte Aufgabe. Der Geschäftsführer des VfL ließ es sich nicht nehmen, kurz vor dem Abschluss des De-Bruyne-Transfers noch einmal die Muskeln spielen zu lassen. „Wir haben klare Vorstellungen. Werden unsere Erwartungen nicht erfüllt, spielt Kevin nächste Saison für Wolfsburg“, sagte Allofs.

          Er klang dabei trotzig, irgendwie verärgert und von der Entwicklung getrieben. Dass er den Wechsel zu Manchester City nicht endgültig bestätigen mochte, dürfte am Donnerstag zwei Gründe gehabt haben. Die letzten Formalitäten waren noch zu klären – und die letzten Stellen, die auf dem Überweisungsträger einzutragen sind, mussten noch ausdiskutiert werden.

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          Außerdem hat der VfL Wolfsburg mit dem voreiligen Verkünden von Transfers auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Als der Brasilianer Naldo im Sommer 2012 von Werder Bremen zu den Niedersachsen wechseln wollte, war seine Verpflichtung schon als perfekt vermeldet worden – und musste peinlicherweise wegen akuter Knieprobleme von Naldo noch einmal verschoben werden.

          Im Fall von De Bruyne werden alle Beteiligten beim VfL Wolfsburg irgendwie aufatmen, sobald wieder Ruhe eingekehrt ist. Das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 bleibt überlagert von der Debatte um den Ausnahmekönner. „Wichtig ist, dass die Mannschaft funktioniert“, findet Hecking. Der Trainer hat zuletzt eingeräumt, dass De Bruyne selbst, aber auch dessen Teamkollegen nicht mehr so leicht und locker wie sonst aufgetreten waren. Hinter vorgehaltener Hand hat sich der eine oder andere Spieler bereits kritisch darüber geäußert, dass die nicht enden wollenden De-Bruyne-Festspiele von der täglichen Arbeit ablenken.

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          Auch der Hauptdarsteller des gesamten Trubels hatte beim Start in die Saison nicht mehr wie gewohnt überzeugen können. De Bruyne wollte immer wieder kundtun, dass er sich mit einem Wechsel nach Manchester, Paris oder sonst wohin gar nicht beschäftige. Tatsächlich hat der begnadete Mittelfeldspieler und Vorlagengeber nur versucht, sich und seinem Berater mehr Zeit zu verschaffen.

          Über die Frage, was der VfL Wolfsburg eigentlich mit einer Rekordeinnahme anstellen will, lässt sich nur spekulieren. Sechs Jahre nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft haben sich die Niedersachsen erstmals wieder für die Champions League qualifiziert und wollen dort als Meisterschaftszweiter eine gute Rolle spielen. Aber Hecking hat zuletzt auch immer wieder angedeutet, dass er kein Interesse daran hat, sein Team von Grund auf und mit Gewalt neu zu sortieren.

          Kevin De Bruyne wechselt zu Manchester City – oder doch nicht?

          „Ich bin kein Freund davon, pausenlos zu wechseln“, sagt er. Das bezieht sich auf ganz normale Pflichtspiele, aber auch auf das Große und Ganze. Er hat an der aktuellen Mannschaft viel Gefallen gefunden und möchte möglichst wenig daran ändern. Für den Fall, dass De Bruyne nicht mehr zur Verfügung steht, sind schon alternative Spielsysteme einstudiert worden. Max Kruse und André Schürrle können ein sehr interessantes und virtuoses Sturmduo bilden.

          Beide sind nicht von einem guten Vorlagengeber abhängig, sondern nutzen den Schwung eines Angriffs lieber selbst und in hohem Tempo. Auch ohne de Bruyne weiterhin gut zu spielen – das ist die große Herausforderung für den VfL Wolfsburg. Der finanzkräftige Verein, der sich so gerne in sportlicher Hinsicht weiterentwickeln und zugleich etwas vernünftiger wahrgenommen werden möchte, steht vor spannenden Aufgaben.

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