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Schalke 04 : Sané und das Prinzip Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Leroy Sané: Er weckt die Phantasien der größten europäischen Klubs. Bild: Picture-Alliance

Der boomende Markt für die menschliche Ware Fußballprofi wird auch in der Bundesliga immer heißer. Was bringt Manchester City dazu, in ein längst noch nicht ausgereiftes Talent wie Leroy Sané womöglich 50 Millionen Euro zu investieren?

          Das Transfer-Feuerwerk von Borussia Dortmund ist gerade verraucht, da kündigt sich schon der nächste Goldregen über dem anderen westfälischen Bundesliga-Spitzenklub an. Gehörten die Schlagzeilen in der vorigen Woche dem BVB, der Mario Götze vom FC Bayern München für 23 Millionen Euro zurückholte und dazu dessen Freund und Nationalmannschaftskollegen André Schürrle für 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg erwarb, könnte der FC Schalke 04 nun einen deutschen Transferrekord aufstellen, falls der vom Scheich-Reichtum des Mansour bin Zayed Al Nahyan profitierende Premier-League-Klub Manchester City bereit sein sollte, 50 Millionen Euro Ablöse für den Wechsel von Leroy Sané zu zahlen. Das wäre dann der von den Schalkern eingeforderte neue Spitzenpreis für einen deutschen Spieler auf dem immer heißer boomenden Markt für die menschliche Ware Fußballprofi.

          Bisher war der ehemalige Schalker Spielmacher Mesut Özil der teuerste Spieler, den der FC Arsenal 2013 für 47 Millionen Euro von Real Madrid verpflichtete. Damals war Özil schon ein Ballzauberer aus der De-Luxe-Kategorie; diesmal aber geht es um ein längst noch nicht ausgereiftes Talent, das auf gerade mal 47 Bundesligaspiele im königsblauen Trikot kommt und im Dress der Nationalmannschaft erst viermal auflief. Bei der Europameisterschaft in Frankreich brachte es der Außenstürmer aus der Schalker „Knappenschmiede“ auf elf Spielminuten, die er, zu spät eingewechselt beim 0:2-Rückstand gegen Frankreich im Halbfinale, immerhin dazu genutzt hat, sein Potential anzudeuten.

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          Was bringt ManCity und seinen neuen Trainer Pep Guardiola dazu, womöglich 50 Millionen für einen Rohdiamanten auszugeben? Christian Heidel, der zu Saisonbeginn von Mainz 05 zu Schalke 04 gewechselte Sportvorstand des Traditionsklubs, sagt: „Das hat zum einen damit zu tun, dass Guardiola den Spieler aus seiner Bundesligazeit als Trainer des FC Bayern gut kennt. Zum anderen hat Leroy Tugenden, die schwer zu erlernen sind: Zum Beispiel ein überragendes Tempo mit Ball. Er hat eine exzellente Ballbehandlung, Ballführung und Gewandtheit im allerhöchsten Tempo.“ Kein Alleinstellungsmerkmal, aber eine Qualität, die in dieser Kombination nicht viele Spieler in sich vereinen. Die Gene seiner Eltern haben sicher dazu beigetragen, dass Leroy so rasch Karriere machen konnte. Vater Souleyman „Samy“ Sané, ein ehemaliger Bundesligaprofi (1. FC Nürnberg und Wattenscheid 09) und Nationalspieler Senegals, war ein draufgängerischer, rasanter Stürmer.

          Leroys Mutter, bekannt geworden unter ihrem Geburtsnamen Regina Weber, gewann als Rhythmische Sportgymnastin 1984 die olympische Bronzemedaille. Die Geschmeidigkeit der Mutter, die Wucht des Vaters und die eigenen sportlichen Gaben haben aus Leroy Sané in Windeseile einen der spektakulärsten Bundesligaprofis gemacht, der auch deshalb zu einem Höchstangebot gehandelt wird, weil er die Schalker vom kommenden Jahr an gegen eine festgeschriebene Ablösesumme von angeblich 34 Millionen Euro verlassen könnte, obwohl er dort einen Vertrag bis 2019 unterzeichnet hat. Manchester City muss sich also sputen, soll nicht die reizvollere Konkurrenz den neureichen Klub in der kommenden Spielzeit ausstechen. Dann wären vielleicht die Bayern, die diesmal abgewinkt haben, mit im Spiel, oder der FC Barcelona, Sanés erklärter Lieblingsverein.

          Investiert wird in das Prinzip Hoffnung

          Da die Premier League ob ihres horrend aufgestockten Fernsehhonorars auf derzeit 2,3 Milliarden Euro im Jahr ziemlich verschwenderisch mit Geld umgeht und Transfermarkt-Insider einen England-Zuschlag von 20 Prozent auf die marktüblichen Spielerpreise errechnet haben, kommen angepeilte Deals in Höhe von rund 50 Millionen Euro für Sané oder mögliche neue Transferweltrekorde wie die mehr als 100 Millionen Euro, die Juventus Turin gegenüber Manchester United für den ebenfalls noch nicht in voller Blüte stehenden französischen Nationalspieler Paul Pogba aufruft, zustande.

          Investiert wird auch in das Prinzip Hoffnung. Das hat Heidel, der in den vergangenen sieben Jahren als Manager von Mainz 05 einen Transferüberschuss von 21 Millionen Euro für seinen Klub herausholte, in eigener Sache ebenfalls akzeptiert. Sonst hätten die Schalker nicht 25 Millionen Euro, wie es heißt, für den 19 Jahre alten Angreifer Breel Embolo an den FC Basel bezahlt. „Wenn man Spieler wie Breel oder Leroy holt“, sagt Heidel, „kauft man auch Potential ein. Ein Trainer wie Pep Guardiola traut sich zu, Leroy so weiterentwickeln zu können, dass er irgendwann die Kategorie Weltklasse erreicht. Spielte sich dieser Prozess bei einem anderen Klub ab, wäre er ab einem bestimmten Punkt unbezahlbar.“ Ähnlich ambitioniert wird der neue Schalker Trainer Markus Weinzierl daran arbeiten, aus Embolo, dem noch unfertigen Schweizer mit kamerunischen Familienwurzeln, einen Spieler von internationaler Klasse zu machen.

          Weinzierls sportlicher Partner Heidel, der in seinen 24 Mainzer Jahren seinen Heimatklub bis ins gehobene Bundesliga-Mittelfeld geführt hat, betreibt sein Geschäft auch in der Stimmungshochburg Schalke eher rational als emotional. „Spielertransfers in einer gewissen Größenordnung gehören dazu, wenn man einen Verein weiterentwickeln will“, sagt Heidel, „Schalke 04 war ja mit Ausnahme des Draxler-Transfers (2015 für 36 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg) meistens daran interessiert, seine Spieler zu halten und Verträge zu verlängern. Deswegen gab es die großen Transfererlöse (zu denen damals auch die 22 Millionen Euro zählten, die der FC Bayern 2011 für Nationaltorhüter Manuel Neuer ausgab) nur selten.“ Im Fall Sané ist der FC Schalke 04 sowieso in einer komfortablen Situation. Er spürt keinen Verkaufszwang, so dass sich der ausgebuffte Heidel ein weiteres königsblaues Jahr mit dem Shooting Star ebenso gut vorstellen kann: „Es gibt schlimmere Dinge im Leben, als auf Schalke zu spielen.“

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