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Klinsmann und der VfB : Schwabenpfeil im Anflug

  • -Aktualisiert am

Eine Fotomontage zeigt Jürgen Klinsmann vor dem Fanblock des VfB Stuttgart. Bild: Picture-Alliance

Kehrt „Klinsi“ als Vorstandsvorsitzender zum VfB zurück? Im Duo mit einem einstigen Schützling könnte der frühere Bundestrainer seinen Herzensverein mächtig durcheinanderwirbeln – und den Schwaben eine seltene Chance bieten.

          Als Jürgen Klinsmann am 14. November 1987 seine Fußballschuhe schnürte, konnte er kaum wissen, was nur wenige Minuten später geschehen sollte. Doch was geschah, war großartig: Katzengleich schlich der damals 23 Jahre alte Stürmer des VfB über das Grün im Stuttgarter Neckarstadion, stieg in die Luft, traf die Flanke von Mitspieler Günther Schäfer perfekt und zirkelte den Ball in Vollendung vorbei an Jean-Marie Paff im Tor des großen FC Bayern München. Die Schwaben siegten 3:0, der Fallrückzieher vor 70.000 Zuschauern wurde „Tor des Jahres“ 1987 und Klinsmann Torschützenkönig und „Spieler des Jahres“ 1988.

          Mehr als drei Dekaden danach trägt „Klinsi“ nicht mehr ganz so oft Fußballschuhe. Doch auch vor dem ersten offiziellen Gespräch mit dem Aufsichtsrat des Bundesliga-Absteigers dürfte der Stuttgarter Ikone noch nicht ganz klar gewesen sein, was geschehen könnte. Es war ein erster Informationsaustausch über eine mögliche Rückkehr zu seinem Herzensklub, in seine fußballerische Heimat. „Und es war sehr angenehm“, sagte der frühere Trainer des FC Bayern und der deutschen sowie amerikanischen Nationalmannschaft.

          Klinsmann könnte beim VfB den neu geschaffenen Posten des Vorstandsvorsitzenden übernehmen und zum Bindeglied für die sportlichen und wirtschaftlichen Interessensgruppen werden, zwischen denen in Stuttgart seit vielen Jahren eine teils eklatante Distanz liegt. Eine solche Personalie täte dem arg gebeutelten Traditionsverein gut, zumal Klinsmann geballte Fußballkompetenz und solide Managementfähigkeiten mitbrächte.

          Aus dem Umfeld des ehemaligen Nationalspielers, der am Dienstag 55 Jahre alt wurde, ist zu hören: Falls die Bedingungen stimmen, könnten der VfB und sein früherer Held wieder zusammenfinden. Aber Klinsmann wird nicht nur mitspielen: Der einstige Schwabenpfeil will freie Hand. Er will gestalten. Er will entscheiden.

          In Stuttgart würden, mit Klinsmann an der Spitze, vermutlich nicht viele Steine aufeinander bleiben. So aber könnte er dem erst im Februar berufenen Sportvorstand Thomas Hitzlsperger den Rücken frei halten. Hitzlsperger, 2006 unter Klinsmann Nationalspieler und selbst ein VfB-Star, der mit einem berühmten Tor bis heute einen Platz im Gedächtnis vieler Anhänger einnimmt, hat einen umfassenden sportlichen Veränderungsprozess im Klub angestoßen. Und damit genug zu tun.

          Falls der Mann, der 2007 die Schwaben gegen Cottbus zur Meisterschaft schoss, und der Mann mit dem eindrucksvollen Fallrückzieher von 1987, einen gemeinsamen Nenner fänden, könnte es was werden mit mehr Konstanz in Stuttgart und möglicherweise auch einer erfolgreichen Zukunft. Aber wohl nur dann. Konkret ist noch nichts. Doch die Chance, zu seinen sportlichen Wurzeln zurückzukehren und gleichzeitig hoffnungsvoll nach vorne zu blicken, kommt für den VfB so schnell nicht wieder.

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