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Debatte nach Bundesliga-Start : Warum „falscher“ Jubel nicht bestraft wird

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So sollte es eigentlich nicht laufen: Hertha BSC jubelt mit zu engem Körperkontakt. Bild: AFP

Die Bundesliga darf trotz der Corona-Krise wieder spielen. Es gibt strenge Regeln, um Infektionen zu verhindern. Einige Spieler jubeln aber ungestraft mit engem Körperkontakt. Und ein Berliner rechtfertigt Nähe zum Kollegen sogar noch.

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          Die Fußballwelt schaut auf die Bundesliga in der Corona-Krise. Vor allem die Einhaltung der Corona-Vorgaben wurde kritisch beäugt. Nun hat Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner beim Torjubel an die Eigenverantwortung der Fußball-Profis appelliert und darauf verwiesen, dass die Unparteiischen im Falle eines zu engen Körperkontaktes keine Sanktionsmöglichkeiten wie Gelbe Karten haben. „Die Empfehlung, Abstand zu halten und Körperkontakt zu vermeiden, steht nur in den Hygiene-Empfehlungen der DFL, sie ist nicht Bestandteil des Regelwerks“, sagte Wagner dem „Kicker“ am Montag.

          Bundesliga

          Deswegen könne „es keine persönlichen Strafen für die Spieler geben. Die Schiedsrichter können nur präventiv tätig sein und die Spieler auf ihre Eigenverantwortung hinweisen“, betonte der Lehrwart und Schiedsrichter-Beobachter des Deutschen Fußball-Bundes. Am ersten Bundesliga-Spieltag nach der Zwangspause am vergangenen Wochenende wegen der Coronavirus-Pandemie hatten vor allem Spieler von Hertha BSC beim 3:0-Sieg bei 1899 Hoffenheim nicht ohne Körperkontakt gejubelt.

          Der Berliner Innenverteidiger Dedryck Boyata rechtfertigte sich für ein Foto, dass ihn in Körperkontakt mit seinem Mitspieler Marko Grujic zeigt. „Es war weder ein Kuss noch Jubel. Ich entschuldige mich dafür, dass ich meine Hände auf das Gesicht von Marko Grujic gelegt habe“, schrieb der Belgier am Sonntag bei Instagram: „Ich habe ihm Abweisungen für eine Standardsituation gegeben.“ Zum Beweis postete Boyata eine Videoszene, die den Moment zeigen soll, in dem das Foto aufgenommen wurde. Unbestritten ist: Er kam seinem Kollegen sehr nahe. Und nach dem Spiel hatte es Kritik am Verhalten der Berliner gegeben, da diese beim Jubeln nicht mit Körperkontakt gegeizt hatten.

          Vor dem ersten Spieltag während der Corona-Krise hatte die Deutsche Fußball Liga im „Covid-19 Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb“ den kontaktlosen Jubel empfohlen, Hertha nahm das aber nicht so genau. Vedad Ibisevic etwa sprang Torschütze Matheus Cunha auf den Rücken. Boyatas Aktion habe damit aber nichts zu tun gehabt, versicherte der belgische Nationalspieler mit einem Tag Abstand. Das Foto war in der ersten Halbzeit aufgenommen worden, Hertha erzielte seine drei Treffer erst nach der Pause. „Wir müssen jetzt auf jeden Fall vorsichtig sein, wenn wir in dieser Situation spielen“, schrieb der 29 Jahre alte Boyata weiter: „Wir müssen unsere Art zu spielen oder zu jubeln anpassen.“

          Nicht gern gesehene Nähe dieser Tage: Dedryck Boyata (links) mit Mitspieler Marko Grujic
          Nicht gern gesehene Nähe dieser Tage: Dedryck Boyata (links) mit Mitspieler Marko Grujic : Bild: Reuters

          Schon vor dem Bundesliga-Neustart hatte es Aufregung um Hertha gegeben. Salomon Kalou hatte ein Video bei Facebook gezeigt vom Trainingsgelände, aus dem hervorging, dass er und seine Mannschaftskollegen es mit den Vorschriften nicht so genau nehmen. Es gab Körperkontakt, etwa beim Händeabklatschen. Dazu filmte der Stürmer wie Corona-Tests durchgeführt wurden. Der Verein suspendierte Kalou daraufhin und musste sich deutliche Kritik, anhören. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder etwa bezeichnete in der Debatte um die Wideraufnahme des Spielbetriebs Kalous Verhalten als „schweres Eigentor“.

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