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Eintrachts Erfolgsrezept(e) : Die Vielfalt macht’s

Freude pur: Der Eintracht winkt erstmals die Teilnahme an der Champions League. Bild: AP

Eintracht Frankfurt steht vor der Krönung, der ersten Champions-League-Teilnahme überhaupt. Ursächlich dafür: cleverere Transfers, trickreiche Taktgeber und mehr Flexibilität.

          3 Min.

          GUTES TIMING BEI TRANSFERS

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Als Bobic im Sommer 2016 seine Arbeit bei der Eintracht aufnahm, war die Klubkasse nach dem Fast-Abstieg beinahe leer. Für Zugänge standen drei Millionen Euro zu Verfügung, so dass sich der Sportvorstand damit behalf, durch Leihgeschäfte den Kader zu optimieren – ein Mittel zum Zweck, dem er nach wie vor viel abgewinnen kann. Das bewies er im Januar beim Deal mit Jovic und Real Madrid.

          Der Einzug ins Pokalfinale (2017) und der Triumph in Berlin (2018) eröffneten neue wirtschaftliche Möglichkeiten. 2019 folgten der Vorstoß ins Halbfinale der Europa League sowie der Verkauf der „Büffelherde“ (Jovic, Rebic und Haller), durch die 100 Millionen Euro an Ablöse eingenommen wurden.

          Das Geld wurde clever investiert. Bei Trapp (aus Paris), Rode (aus Dortmund) und Hinteregger (aus Augsburg) ging Bobic genauso vor, wie er es bei der Verpflichtung von Kostic (aus Hamburg) machte oder im vergangenen Herbst, als er Younes aus Neapel an den Main lockte: zunächst wird die Zusammenarbeit auf einen überschaubaren Zeitraum befristet – und erst wenn beide Seiten mit der Entwicklung zufrieden sind, folgt die längerfristige Übereinkunft. Für die Eintracht wickelte Bobic mehr als 100 Transfers ab. Obwohl er bis Mitte 2023 an die Hessen gebunden ist, will er nun weg: zu Hertha BSC. In der Frankfurter Führung ist der 49-Jährige seitdem im operativen Geschäften außen vor. Die Suche nach seinem Nachfolger gestaltet sich schwierig.

          Bundesliga

          TAKTISCHE FLEXIBILITÄT

          Für ihre Gegner ist die Eintracht nicht mehr ohne weiteres auszurechnen. Offensiv wie defensiv steht dem Team eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung. So sprach Trainer Hütter vor der Begegnung mit den Wolfsburgern von einem „Luxusproblem“, weil sich ihm mehr personelle Alternativen bieten, als er in der Startformation berücksichtigen kann. Mit Sow, Rode und Hasebe gibt es drei Spieler, die als Defensivstrategen für die Sechser-Position in Frage kommen.

          Die Zeiten, in denen nach vorne (fast) alles davon abhängig war, Kostic auf der linken Seite in Szene zu setzen, sind vorbei. Der Serbe ist in herausragender Form und kommt in dieser Saison bereits auf elf Vorlagen und vier Treffer. Was ihn momentan besonders glänzen lässt, ist das funktionierende Teamwork, denn Kostic ist erstklassige Unterstützung sicher: Kamada und Younes sind mit ihrem Ballgefühl und dem nötigen Blick für den freien Mitspieler als Taktgeber und Teilchenbeschleuniger gleichermaßen im Einsatz. Younes, der für seine Leistungen mit der Rückkehr ins Nationalteam belohnt wurde, bereichert die Vorstöße der Eintracht um ein Element, das ihren Auftritten in dieser Kombination zuvor fehlte: Der 27-Jährige verfügt sowohl über die technischen Fertigkeiten, um auf engstem Raum mehrere Bewacher abzuschütteln, als auch die nötige Robustheit, um sich im Zweikampf körperlich zu behaupten. Durch seine Sicherheit bei der Ballbehandlung verschafft er seinen Nebenleuten Zeit und Raum, wovon nicht zuletzt Silva profitiert, der als Top-Torjäger schon 22 Treffer erzielte.

          ERFAHRUNG MACHT KLUG

          In seiner dritten Saison in Diensten der Eintracht steht Hütter vor der vorläufigen Krönung seines Aufbauwerks. Das Erreichen der Champions League, was im Rahmen der Möglichkeiten liegt, setzt der Österreicher für Frankfurter Verhältnisse mit dem Gewinn eines Meistertitels gleich. „Wir können Historisches erreichen“, sagte er vor dem Duell mit den Wolfsburgern, „dem gilt es alles unterzuordnen.“

          Zu Spekulationen, er könne gar nicht mehr an Bord sein, wenn die Eintracht möglicherweise zur Königsklassen-Hymne aufläuft, und stattdessen bei Borussia Mönchengladbach den Ton angeben, äußert sich der umworbene Coach nicht. Er verspüre keine Lust, sagte er, dazu detailliert öffentlich Stellung zu beziehen. Beim Auftritt in Dortmund zeigte sich das Team von dem Störfeuer unbeeindruckt – und siegte 2:1. „Das Ziel ist, dass wir dort bleiben, wo wir jetzt sind.“ Auch weil der Trainer anders vorgeht als zuvor bei vergleichbarer Gelegenheit in der Vergangenheit stehen die Chancen gut.

          Hütter nutzt die Vielfalt des Kaders durchdachter als in den Vorjahren, als er stets vor allem einem festen Kern vertraute und weniger Wechsel vornahm. Das führte zu Übermüdung auf der Seite der Dauer-Spieler und Frustration bei den Reservisten. Nun sind es schon 24 Akteure, denen Hütter bislang sein Vertrauen schenkte – und dafür nicht enttäuscht wurde.

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