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Videoassistent-Kommentar : Fußball ist keine Pathologie

So funktioniert Fußball in der Bundesliga im Jahr 2018. Bild: Picture-Alliance

Immer wieder lähmt der Videobeweis die Bundesliga. Dann entsteht kein lebendiger, sondern forensischer Sport. Der Verlierer ist am Ende auf dem Platz zu finden.

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          Fernsehserien mit Gerichtsmedizinern sind populär. Die Bundesliga hat nachgezogen – obwohl hier im Streitfall kein Mordopfer untersucht, sondern ein lebender, pulsierender Organismus namens Fußball auf den Seziertisch gelegt wird. Richtig, die Rede ist vom Videobeweis. Wenn dieser, wie seit kurzem wieder, zu viel Raum und Zeit beansprucht in jenem Spiel, zu dessen Besserung er beitragen soll, erreicht er das Gegenteil. Dann entsteht kein lebendiger, sondern forensischer Fußball.

          Bundesliga

          Die zwei Wahrnehmungswelten, in die der Videobeweis den Fußball aufteilt, zeigt etwa der Handelfmeter in Hannover. In der live erlebten Spielszene erschien es nicht sehr naheliegend, aus Haraguchis Ausweichbewegung einen Elfmeter abzuleiten – wie er den Kopf schützend abwendete, wobei sich die Schulter mitdrehte und der an ihr hängende Arm, ein natürliches Bewegungsmuster der Körperbalance, sich vom Rumpf wegbewegte. Dieser Arm wurde dann aus kurzer Entfernung getroffen, und der Schiedsrichter ließ, das Handspiel offenbar als nicht strafbar einstufend, weiterspielen. Eine Entscheidung unmittelbar im Geschehen, in die der Kontext der gesamten dynamischen Spielsituation einfloss, die Bewegung der Spieler, des Balles, die Interaktion zwischen den Beteiligten.

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