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FC Bayern holt Pavard : Jetzt bekommen zwei Spieler mächtig Druck

Weltmeister als Überflieger beim FC Bayern? Benjamin Pavard überspielte Mats Hummels zumindest in dieser Länderspielszene leicht und locker. Bild: Picture-Alliance

Noch besser als alte Weltmeister sind neue: Der FC Bayern holt für die kommende Saison Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart. Für etablierte Kräfte ist das ein Warnsignal.

          Weltmeister, das passt zu Rekordmeister. Wer das Höchste im Fußball erreicht, so die seit langem in München gültige Folgerung, sollte den Ansprüchen des FC Bayern genügen. 1994 hatte man den Brasilianer Jorginho, 1998 den Franzosen Bixente Lizarazu. Aus Italiens Weltmeisterteam 2006 kamen bald darauf Luca Toni und Massimo Oddo nach München, aus dem der Spanier von 2010 folgten Javi Martinez und Xabi Alonso. Und die deutsche Weltmeister-Elf von 2014 war, wie zuvor schon die von 1974 und 1990, eh von Bayern dominiert.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Einen Weltmeister aus dem neuesten Jahrgang, 2018, den der Franzosen, haben sie auch schon in Corentin Tolisso im Kader. Doch aus eins kann ja ganz schnell zwei werden und so hat der FC Bayern nun bestätigt: Benjamin Pavard wechselt zur kommenden Saison nach München. Da der Verteidiger schon seit dem Sommer gehandelt wurde, der VfB Stuttgart sich da aber noch gegen den Transfer wehrte, kommt das nicht unerwartet.

          „Er hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben“, vermeldete Sportdirektor Hasan Salihamidzic im Trainingslager in Qatar. „Er ist ein junger Spieler, der Weltmeister ist. Wir sind sehr froh und stolz, dass wir einen solchen Spieler gewinnen konnten.“ Der 22-jährige Verteidiger steht noch bis 2021 in Stuttgart unter Vertrag, doch gibt es darin eine Ausstiegsklausel über 35 Millionen Euro, was den Transfer für die Bayern angenehm macht. Und überdies viel günstiger als eine weiterhin mögliche Verpflichtung von Lucas Hernandez, dem Abwehrkollegen von Pavard in der „Équipe Tricolore“, dessen Ausstiegsklausel bei Atlético Madrid über 80 Millionen Euro liegen soll.

          Sie müssen sich strecken: Jerome Boateng und Mats Hummels sind beim FC Bayern München nicht mehr unumstritten.

          Ebenso wie Hernandez, der in Spanien aufwuchs, ist Pavard, der kurz nach seinem 20. Geburtstag von seinem Jugendklub OSC Lille zum damaligen Zweitligaklub VfB Stuttgart wechselte, in der Heimat erst durch den WM-Sieg wirklich zum Begriff geworden. Vor allem geschah das durch sein Traumtor zum 2:2 beim 4:3-Achtelfinalsieg gegen Argentinien, eine perfekte Direktabnahme, mit der er den einzigen, neunminütigen Rückstand der Franzosen im Turnier und damit die schwierigste Situation der gesamten WM-Mission beendete.

          Den Bayern war der junge Verteidiger schon in der Aufstiegssaison mit dem VfB aufgefallen, spätestens dann aber, als der VfB in der vergangenen Bundesligasaison zum zweitbesten und abwehrstärksten Rückrundenteam wurde.

          Bis zum WM-Sieg war es für Pavard immer nur aufwärts gegangen. Doch in der aktuellen Spielzeit erging es ihm wie zuvor vielen anderen bei der Rückkehr in den Alltag nach einem rauschenden WM-Sommer. Den Absturz des VfB in die Abstiegsregion begleitete er mit schwachen Leistungen. Am Ende war er auch vom Pech verfolgt. Am 14. Spieltag zog er sich beim vergeblichen Versuch, das Mönchengladbacher 1:0 zu verhindern, im Sprint einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu, spielte aber weiter, bis kurz vor Ende bei einem Abwehrversuch mit einem Ausfallschritt alles noch schlimmer wurde: Eigentor zum 3:0, Muskelbündelriss. Während die Kollegen sich derzeit in Südspanien auf die Rückrunde vorbereiten, muss Pavard daheim Reha-Training absolvieren.

          Bei der WM war er Stammkraft auf der rechten Abwehrseite der Franzosen, was ihn bei den Bayern zu einer Ersatz-Option für Joshua Kimmich macht. Wie Hernandez, der hinten links spielte, ist er jedoch vor allem als Innenverteidiger einsetzbar, seine Stammposition in Stuttgart.

          Warnsignal an Hummels und Boateng

          Dadurch ist Pavards Verpflichtung (und ist das weiter bestehende Interesse an Hernandez) auch ein Warnsignal an die Altvorderen Jerome Boateng und Mats Hummels. Beide galten noch vor nicht langer Zeit als weltbestes Innenverteidiger-Duo. Sie sind gerade erst dreißig geworden, eigentlich kein Alter für Verteidiger. Doch in der ersten Saisonhälfte spielten sie zumeist nur noch um die Position neben dem bei Trainer Niko Kovac gesetzten 23-jährigen Niklas Süle – und zeigten dabei solch schwankende Leistungen, dass sie bei der Umfrage des „Kicker“ unter den Bundesligaprofis auf Platz eins und zwei in der Rubrik „Absteiger der Hinrunde“ landeten.

          „Ich bin noch längst nicht am Ende“, kündigte Boateng, der schon in den beiden letzten Sommerpausen mit einem Vereinswechsel liebäugelte, in den sozialen Medien trotzig an. Zur Zukunft von Hummels machte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Dezember lediglich eine Aussage bis Mai: „Er wird in der Rückrunde gesichert bei uns spielen.“ Danach könnte die Zeit der beiden Helden von Rio 2014 vorbei sein. Und der Weltmeister-Bonus: verspielt. Bei den Bayern weiß man: Noch besser als alte Weltmeister sind neue.

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