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VW und VfL Wolfsburg : Sparzwang und Traumgehälter

Volkswagen auf der Brust: Luxusklassenangestellter Diego Bild: AFP

Am anderen Ende der Fernseh-Fußball-Verwertungskette lebt es sich recht angenehm. Für Gehälter mit Wolfsburg-Zuschlag muss selbst ein Sparkassendirektor ganz schön lange stricken. Doch jetzt will VW sparen, sogar beim VfL.

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          Norbert Lammert ist Präsident des Deutschen Bundestags, sein Amt füllt er gerne auch mit Witz und Ironie aus. Wenn der CDU-Politiker gefragt wird, ob er nervös auf Wahltermine blicke, entgegnet er gerne: „Noch länger als im Bundestag bin ich Mitglied beim VfL Bochum - mich erschüttert nichts.“ Als Mann aus dem Pott und Freund des Fußballs beherrscht Lammert auch die Grätsche. Am Wochenende hat er sie ausgepackt. In einem Interview sprach er von den erstaunlichen Summen, die das öffentlich-rechtliche Fernsehen für Sportrechte ausgebe, und dass damit ebenso erstaunliche Gehälter im Sport bezahlt würden. Der Gebührenzahler trage also zur Finanzierung von Traumgehältern bei.

          In der Bundesliga hat sich sofort Protest erhoben. Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, schimpfte über „populistische Aussagen“, mit denen Lammert punkten wolle. Bruchhagen liegt richtig: Lammert will punkten - und populär (nicht populistisch) ist seine Kritik auch. Nur: In der Sache hat Lammert vollkommen recht. Von der kommenden Saison an zahlen ARD und ZDF alleine für die Übertragungsrechte der Bundesliga und Champions League angeblich rund 180 Millionen Euro aus Gebührengeldern. Dass diese Gelder nicht in wohltätige Projekte fließen, sondern vor allem auf dem Spielermarkt landen, ist eine der ganz schlichten Wahrheiten des Fußballgeschäfts. In diesen Tagen kann man dazu erfahren, wie angenehm es sich am anderen Ende der TV-Fußball-Verwertungskette lebt. Dem „Spiegel“ soll eine Gehaltsliste des VfL Wolfsburg vorliegen, wonach alleine Spielmacher Diego mehr als acht Millionen Euro Grundgehalt pro Saison erhält. Dafür muss selbst ein Sparkassendirektor ganz schön lange stricken, wie Peer Steinbrück sagen würde.

          Man sollte aber auch erwähnen, dass man es beim VfL Wolfsburg mit einem besonderen Fall zu tun hat. Zum einen handelt es sich um eine neunzigprozentige Tochter von Volkswagen, wo das Geld in den Fußball strömt wie sonst nur die Petrodollars arabischer Scheichs. Zum anderen durfte Felix Magath dort ungestört seiner ganz speziellen Leidenschaft frönen: dem Spielerhandel. Er machte aus der Fußballabteilung des Autohauses ein florierendes Im- und Exportunternehmen, wobei man schon gerne wüsste, wer sich dabei über die Jahre eigentlich bereichert fühlen durfte. Der VfL Wolfsburg sicher nicht.

          Jetzt aber bloß nicht populistisch werden - tatsächlich muss der Standort in Niedersachsen, an dem schon mal der ICE vorbeirauscht, einen sogenannten Wolfsburg-Bonus anbieten, um begehrtes Fußballpersonal in die Autostadt zu locken. Von zwanzig bis dreißig Prozent Aufschlag ist in der Liga die Rede. Der VW-Konzern kündigt nun an, auch der VfL Wolfsburg müsse künftig sparen. Potential dafür gibt es jedenfalls genug.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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