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Sportvorstand mit Erfolg : Boldt macht den HSV stärker

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HSV-Sportvorstand Boldt: „Der ganze Verein muss sich entwickeln.“ Bild: dpa

Jonas Boldt versteht sich als Teamplayer, seine ruhige Arbeit kommt gut an. Er ist der erste Sportchef seit Jahren, dessen Vertrag beim HSV verlängert wurde. Und auch die Mannschaft steht gut da.

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          Dass die Arbeit beim Hamburger SV ihn auf andere Art fordert als bei Bayer 04 Leverkusen, hat Jonas Boldt im vergangenen halben Jahr gemerkt. Zwölf Jahre hatte Boldt für den Werksklub gearbeitet. Als Scout, dann als Sportchef mit steigender Verantwortung. Aber es gab immer Rudi Völler als Geschäftsführer Sport obendrüber. Völler hatte Boldt vieles abgenommen – gewollt und ungewollt.

          Beim HSV habe er abgeben lernen müssen, sagt Boldt, seit März neben Frank Wettstein Vorstand. Abgeben und vertrauen. War seine Arbeit bei Bayer klar umrissen, ist Boldt nun auch oberster Repräsentant des Traditionsvereins. Die Wucht des HSV sei eine andere als die von Bayer 04, sagt Boldt: „Der HSV ist ein Statussymbol. In Hamburg interessiert es jeden, was beim HSV passiert, selbst wenn du dich nicht für Fußball interessierst. Das macht es so spannend. Jeder hat eine Meinung zum HSV.“ Reizvoll sei zudem, dass er mit vielen Menschen aus der Stadt ins Gespräch komme – da gehe es eben nicht immer nur um Fußball.

          Schon ein paarmal hatte der HSV den aufstrebenden Manager holen wollen. Erst im Mai 2019 klappte es, als Sportchef Ralf Becker gehen musste, mal wieder ein Neustart fällig war. Nun, nach anderthalb Jahren, haben die Hamburger den Vertrag mit Boldt verlängert bis Mitte 2023. An dem unspektakulären Vorgang waren zwei Dinge ungewöhnlich: Zum einen entschied der Aufsichtsrat einstimmig pro Boldt. Zum anderen geschah es das erste Mal seit 13 Jahren, dass der HSV mit einem sportlich Verantwortlichen weitermachte. Zuletzt war 2008 mit Dietmar Beiersdorfer eine weitere Zusammenarbeit um zwei Jahre vereinbart worden.

          Zum vieldiskutierten Angebot des AS Rom hat Jonas Boldt nichts gesagt. Es gelingt ihm ganz gut, nicht über jedes Stöckchen zu springen, das ihm hingehalten wird. Zwar ist Boldt auch Vorstand Kommunikation in der gleichberechtigten und abgestimmten Führungsspitze mit Finanzvorstand Wettstein. Boldt kommuniziert jedoch dosiert nach außen und so, wie er es für richtig hält. An keiner Stelle vergisst er, Sportchef Michael Mutzel und Kaderplaner Claus Costa zu erwähnen. Boldts Austausch mit ihnen ist eng; genauso wie er den Kontakt zu Nachwuchschef Horst Hrubesch hält und mit Aufsichtsratschef Marcell Jansen in Verbindung bleibt. Boldt sagt: „Wir arbeiten wirklich gut im Team. Ich habe lieber zusammen Erfolg, als dass ich allein der Depp bin.“ Dass nach dem 1:5 gegen Sandhausen am letzten Spieltag der Vorsaison nicht alles zusammenbrach, sondern es einen geordneten Übergang in die nächste Spielzeit gab, ist Boldts Verdienst. Er verweist gern darauf, denn selbstverständlich war es nicht: „Wir haben Ruhe bewahrt und nicht alles neu erfunden – darauf lege ich Wert.“

          Altes behalten, Neues hinzugefügt, dazu Daniel Thioune, ein Trainer, der Wert auf die Arbeit im Training legt: Boldt und Co. haben Voraussetzungen geschaffen, die den Aufstieg wahrscheinlicher machen. Mit 16 Punkten aus sechs Spielen steht der HSV als Tabellenführer vor dem Spiel an diesem Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga und bei Sky) bei Holstein Kiel gut da. Allerdings gab es das auch in den Spielzeiten davor. Warnzeichen früh zu erkennen, gegenzusteuern, um späte Abstürze zu verhindern, wird eine der wichtigsten Aufgaben Boldts sein. Sollte das misslingen, muss es trotzdem geordnet weitergehen, findet der 38 Jahre alte Vorstand: „Mein Anspruch an mich ist, hier keinen Trümmerhaufen zurückzulassen, wenn ich mal nicht mehr hier bin.“

          Entwicklung und Ambition: Das sind seine Lieblingsbegriffe. Er findet, dass das eine das andere nicht ausschließt. Junge Neue wie Onana, alte Neue wie Terodde, Spieler der Vorjahre wie Leibold, Kittel, Narey oder Hunt: Boldt sieht Steigerungspotential, auch beim Trainer, der diesen Weg der Entwicklung vorlebt und bei sich selbst ungeahnte Möglichkeiten erkennt. Im Gespräch wirkt Jonas Boldt frisch und aufmerksam, nicht, als habe er auf alles eine Antwort, schon gar nicht auf große Fragen des Fußballs in Zeiten der Pandemie. Ein Welterklärer ist Boldt nicht. Selbst wenn er wollte, bliebe dafür kaum Zeit, denn er findet, dass beim HSV noch so manches brachliegt: „Wir müssen als Klub in den entscheidenden Bereichen besser werden“, sagt er, „der ganze Verein muss sich entwickeln.“

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