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Topspiel gegen FC Bayern : Das macht Hummels beim BVB so wertvoll

  • -Aktualisiert am

Der Anführer der Truppe der Hochtalentierten: Mats Hummels Bild: AFP

Mats Hummels besitzt spezielle Fähigkeiten. Was bei Joachim Löw nicht mehr gefragt ist, macht ihn beim BVB derzeit unersetzlich – im Spitzenspiel gegen die Bayern besonders. Doch kann er überhaupt spielen?

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          Für Mats Hummels wird die Frage, ob er eine Zukunft in der Nationalmannschaft haben wird, oder ob sein vom Bundestrainer beschlossener Abschied endgültig ist, allenfalls eine Nebenrolle spielen an diesem Wochenende. Der derzeit so formstarke Abwehrchef will mit Borussia Dortmund Meister werden, doch sein Einsatz im Duell gegen den FC Bayern am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) war bis zum Spieltag noch ungewiss. Die Oberschenkelblessur, die er sich am vorigen Wochenende zugezogen hat, bleibt ein Problem.

          Bundesliga

          Sollte Hummels allerdings zum Einsatz kommen und dabei ähnlich dominant agieren wie zuletzt, wird der Tag gewiss neuen Stoff für eine Debatte liefern, zu der viele Dortmunder längst eine klare Haltung haben – so wie Hans-Joachim Watzke. „Wenn Mats Hummels sein überragendes Niveau hält“, sagte der Geschäftsführer des BVB der „Sport-Bild“, „wird der Bundestrainer nicht an ihm vorbei kommen“.

          Diese Behauptung lässt sich kontrovers diskutieren. Es gibt gute Argumente für Löws Beschluss, den Weltmeister von 2014 nicht mehr für die DFB-Auswahl zu nominieren. Unstrittig ist aber, dass Hummels derzeit eine Art Überfigur beim BVB ist. Jahrelang wurde im Verein daran gearbeitet, die in der Stadt aufgewachsene Klubikone Marco Reus, in diese Rolle hineinzubefördern, doch der Kapitän ist zu häufig verletzt und auch zu schwankend in seinen Leistungen. Verehrt und anerkannt wird darüber hinaus die Combo der jugendlichen Angreifer: Erling Haaland bildet mit dem Kreis um Jadon Sancho, Jude Bellingham, Giovanni Reyna sowie dem von seinem 16. Geburtstag am 20. November an spielberechtigten Youssoufa Moukoko eines der spannendsten Offensivprojekte des Weltfußballs.

          „Praktisch unersetzlich“

          Aber kaum jemand glaubt daran, dass diese Spieler die besten Jahre ihrer Karrieren in Dortmund verbringen werden. Bei Hummels ist das anders, auch wenn er drei Jahre in München spielte. Weltmeister wurde er beim BVB, zudem hat er immer wieder betont, dass „Titel in Dortmund mehr Wert sind als anderswo“. Im bisherigen Verlauf der Bundesligasaison ist Hummels sogar vor dem gegnerischen Tor gefährlicher als viele seiner Kollegen aus dem Angriff. Drei Treffer hat er bereits erzielt, das sind genauso viele wie Reus, Reyna und Sancho zusammen. „Er ist im Moment praktisch unersetzlich“, sagt Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl: „Er ist in bestechender Form. Und jetzt macht er auch noch Tore.“

          Bereits im vergangenen Jahr spielte Hummels trotz seiner Tempodefizite auf konstant sehr hohem Niveau, aber da war das Dortmunder Defensivkonstrukt insgesamt noch fehleranfälliger. Inzwischen verteidigt die ganze Mannschaft gewissenhafter, und Lucien Favre ist es gelungen, sein Lieblingssystem beim BVB zu etablieren: das klassische 4-2-3-1. Das System, in dem Hummels während seiner ersten Episode beim BVB in der Viererkette an der Seite von Marcel Schmelzer, Neven Subotic und Lukasz Piszczek zwei Mal Meister und einmal Pokalsieger wurde. Damals entwickelte er Fähigkeiten, die bis heute eine Art Alleinstellungsmerkmal sind.

          Die hohe Kunst der Antizipation

          Wie kein anderer Verteidiger auf diesem Niveau beherrscht er diese langen, perfekt getimten Bälle in die Tiefe, oftmals mit dem Außenrist. Andere Verteidiger mögen schneller und beweglicher sein, aber in der hohen Kunst der Antizipation gibt es auf der Welt nur wenige, die besser sind, Favre sagt: „Mats spielt momentan super, er ist enorm wichtig für die Mannschaft.“ Der Abwehrchef und der Trainer, der nicht immer in Hummels-Fan war, haben zueinander gefunden. Nun wünscht sich Hummels, auch Löw noch einmal von den eigenen Qualitäten überzeugen zu können, das hat er jedenfalls angedeutet. Aber an dieser Stelle geht es nicht alleine um die Leistungen.

          „Der Bundestrainer hat da einen Plan, den er durchziehen muss“, schreibt Ottmar Hitzfeld, der sowohl mit den Bayern als auch mit dem BVB die Champions League gewann, im „Kicker“. Dieser Plan enthält neben sportlichen Erwägungen die Idee, eine neue Hierarchie im Nationalteam entstehen zu lassen, Raum für jüngere Spieler zu schaffen, die in Anführerrollen hineinwachsen sollen. In der Nationalmannschaft würde Hummels womöglich den Entwicklungsprozess stören – während er im jungen Team des BVB gerade für seinen Einfluss als Leader sehr geschätzt wird.

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