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Vor dem Saisonstart : Pulverfass zweite Liga

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Polizeieinsatz im Fußball-Stadion: Eigentlich an jedem Spieltag ein Risikospiel Bild:

Der Start an diesem Freitag in die Zweitligasaison birgt Brisanz. Nie zuvor gab es mehr Risikospiele und mehr Problemfans. Während Experten vor Panikmache warnen, übt die Polizei den Ernstfall mit Wasserwerfern und Rauchbomben.

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          Den 3. Mai 2006 hat keiner vergessen. Torsten Rudolph erinnert sich genau an jenen Tag, als in der Zweiten Fußball-Bundesliga zuletzt die Partie Energie Cottbus gegen Dynamo Dresden stattfand. „Zwei Millionen Euro hat der Polizeieinsatz rund um das Spiel gekostet“, sagt der Leiter des Fanprojekts in Dresden. „Wo ist da noch die Relation?“ Diese Frage wird sich Rudolph in dieser Saison wohl noch häufiger stellen. Nicht nur, dass bereits zum ersten Spieltag an diesem Freitag wieder das brandenburgisch-sächsische Derby ansteht. Was mögliche Gewaltexzesse betrifft, hat es die ganze Klasse dieser Saison in sich. Die zweite Liga werde zu einer Chaos-Liga, hat Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, prognostiziert. Er wird zwar wegen seiner häufig populistischen Aussagen auch von Helmut Spahn, dem Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), seit langem „nicht mehr ernst genommen“. Aber in diesem Fall räumt Spahn ein: „Wir sollten zwar ruhig bleiben. Aber wir müssen zugleich wachsam sein und dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen. Die Liga birgt schon eine gewisse Brisanz.“ Mit Dresden, Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock, St. Pauli und Eintracht Braunschweig seien neue Klubs mit vielen Problemfans hinzugekommen. Spahn sagt: „Da ist größte Sensibilität und Professionalität im Sicherheitsbereich gefragt. Die Anzahl der Risikospiele könnte durchaus steigen - das ist aber vom Verlauf der Saison abhängig.“ Die zweite Liga - ein Pulverfass?

          Vor dem Cottbuser Stadion der Freundschaft wird wieder der Ausnahmezustand herrschen: strikte „Manndeckung“ der Fans durch die Polizei, Schwarz-Gelbe und Rote im Clinch, Kontrollen bereits auf der Autobahn bei der Anreise, weiträumige Straßensperren, Hubschrauber über der Arena, Alkoholverbot, personalisierte Karten für alle Fans - und noch viel mehr. Die Partie ist das erste Spiel der Saison mit der höchsten Sicherheitsstufe. „Mit Blick auf den Spielplan hat man eigentlich an jedem Spieltag ein Risikospiel“, sagt Holger Hieronymus, der für den Spielbetrieb zuständige stellvertretende Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga. „Wer das erhöhte Sicherheitsrisiko nicht sieht, macht die Augen zu.“

          Dampf aus dem Topf nehmen

          Die Richtlinien für solche Partien sehen laut Spahn vor, dass der Heimverein das Karten-Kontingent für auswärtige Fans reduzieren darf, also weniger als die vorgeschriebenen zehn Prozent herausgeben muss. In Cottbus aber gehen sie den anderen Weg. Statt 2200 Karten erhalten die Dresdner rund 1000 Tickets mehr. Man wolle etwas Dampf aus dem Topf nehmen, sagt Vereinssprecher Lars Töffling. „Wir sind nicht naiv und wissen, dass Dynamos ersten Auftritt nach langer Zeit in der zweiten Liga mehr Fans sehen wollen. Mehr Karten bedeuten weniger Frust.“ Er wisse, dass dennoch Vorsicht geboten sei, und übt dezente Kritik an der Zusammenstellung des Spielplanes. „Es muss die Frage erlaubt sein, ob drei Ostderbys an den ersten vier Spieltagen eine glückliche Ansetzung bedeuten, weil jeder erwartet, dass es knallt.“ Trotzdem sei man bemüht, die Lage zu entspannen und den Fans eine Chance zu geben. Ähnlich sieht es der Sicherheitsbeauftragte von Union Berlin, am vierten Spieltag Gastgeber für Dynamo. „Wir bereiten solche Spiele natürlich sehr gewissenhaft vor“, sagt Sven Schlensog, „aber wir wollen Panikmache und Vorverurteilung vermeiden.“

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