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Vor dem Derby : Dortmunder Jugendstil gegen Schalker Hauruckverfahren

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Gute Aussichten: Jürgen Klopp freut sich über einen gelungen Saisonauftakt - an dem seine jungen Talente gehörigen Anteil haben Bild: dpa

Das Westfalen-Derby ist auch ein Kampf der Systeme: Während Felix Magath nach seinen Millionentransfers mit Schalke weiter dem ersten Erfolg hinterherläuft, strebt bei Borussia Dortmund nicht nur Teenager Götze auf.

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          Jürgen Klopp bedankte sich sogar mit einem Küsschen. Wenig später sagte der Trainer von Borussia Dortmund, Götze habe „ein überragendes Spiel gemacht“. Wie von einer Muse geküsst hatte der Mittelfeldjunior dem BVB mit einem Tor in der Nachspielzeit das 4:3 bei Karpaty Lwiw ermöglicht - einen Sieg, der nach Götzes erstem Treffer zum 2:0 früh gesichert, nach drei Gegentoren in Serie aber leichtfertig verspielt schien.

          Statt die Gunst der Stunde zu genießen und von seinen Taten zu berichten, schleppte sich der junge Mann mit Schwindel und mit einer Schwellung am Auge zum Mannschaftsbus wie ein angeschlagener Boxer. Ein Ellenbogenschlag gegen den Kopf hatte Symptome einer Gehirnerschütterung hervorgerufen, den Dortmunder Patienten aber nicht um die Ruhe am Ball gebracht, die ihn an einem kuriosen Fußballabend bis zum Schluss auszeichnete.

          Bei seiner Premiere in der Europa League hatte Götze Tore sprechen lassen, das Reden überließ er anderen. Besonders Neven Subotic, einer der an diesem Abend weniger gut aufgelegten Verteidiger, blickte dem Kollegen staunend hinterher, als alles überstanden war. „Wie alt ist Mario? Erst achtzehn - Wahnsinn. Er hat uns den Hintern gerettet.“ Nicht weniger angetan hatten sich zuvor zwei Granden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geäußert. Bundestrainer Joachim Löw sieht Götze vor dem Durchbruch und hält ihn für „eines der größten deutschen Talente“. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, mit Löw nicht immer einer Meinung, geht noch weiter. „Götze ist eines der größten Talente, das wir je hatten.“

          Blick nach oben: Felix Magath läuft mit Schalke derzeit den eigenen Ansprüchen hinterher
          Blick nach oben: Felix Magath läuft mit Schalke derzeit den eigenen Ansprüchen hinterher : Bild: dpa

          Der Aufstieg des jungen G. wirkt wie ein Prolog zum 136. Revierderby an diesem Sonntag gegen den FC Schalke 04. Mehr als sonst ist das Treffen in der Gelsenkirchener Arena auch ein Kampf der Systeme. Auf der einen Seite der neue Weg des FC Schalke, dessen Impresario Felix Magath mit viel Geld im Hauruckverfahren eine Mannschaft erschaffen will, die auf dem deutschen Markt möglichst rasch dem FC Bayern München Konkurrenz machen und eine feste Größe in der Champions League werden soll.

          Magath, der nichts dem Zufall überlassen will, wandte in diesem Sommer mehr Geld für Ablösesummen auf, als dieser Verein jemals auch nur annähernd vor einer Saison ausgegeben hat, mehr als dreißig Millionen Euro. Auch beim Gehalt gelten Angebote aus Gelsenkirchen auf dem internationalen Markt als verlockend, nicht nur für weniger bekannte Zugänge wie Plestan oder Deac, sondern auch für Stars und Sternchen aus der spanischen Primera Division wie Huntelaar, Raul, Metzelder oder Jurado. Die jungen Männer, mit denen der Meisterschaftszweite Schalke in der vergangenen Saison Furore gemacht hatte, spielen nur noch sporadisch eine Rolle oder gar nicht mehr.

          Konstant und stressresistent

          Auf der anderen Seite steht die Strategie des organischen Wachstums als Dortmunder Gegenentwurf, der darauf fußt, eine Fülle junger Profis Schritt für Schritt zu einer Spitzenmannschaft zu formen. Götze ist kein Einzelfall, sondern mit achtzehn Jahren der Jüngste unter vielen Jungen. In Lwiw standen acht Dortmunder Profis in der Startelf, die 22 Jahre alt oder jünger sind. Während die Schalker Stars sich noch nicht gefunden haben und mit drei Niederlagen in die heimische Liga gestartet sind, zeigen einige der jungen Borussen, etwa Sahin, Hummels, Subotic, Schmelzer oder Großkreutz neben wachsender Konstanz auch eine beachtliche Stressresistenz auf dem Platz.

          Das war in Lwiw zu sehen, aber nicht nur dort: Dortmund gewann sechs von sieben Pflichtspielen der jungen Saison, auch wenn die Mannschaft „nicht überall geglänzt“ hat, wie Trainer Klopp einräumt. Beim BVB bricht auch nach einem verpatzten Bundesligastart gegen Leverkusen „keine Panik mehr aus“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Das macht vieles leichter.“ Die jungen Dortmunder, zu denen auch der japanische Aufsteiger Kagawa gehört, werden künftig noch stärker gefordert sein, nicht bloß gegen Schalke. Ihr Seniorpartner Sebastian Kehl, mit dreißig Jahren der älteste und dienstälteste BVB-Profi, erlitt in der Ukraine beim Aufwärmen eine Verletzung und befürchtet wieder einmal „eine längere Pause“.

          So behutsam, ja ängstlich die Dortmunder Verantwortlichen sind, wenn es darum geht, ein griffiges Saisonziel zu formulieren, so selbstbewusst reagieren sie inzwischen auf personelle Rückschläge, auch wenn das Reservoir von Spielern, die in Frage kommen, wesentlich kleiner ist als beim Großaufgebot des Nachbarn Schalke. „Wir haben zwar keinen riesengroßen Kader“, sagt Klopp. „Aber auf den meisten Positionen können wir einen richtig guten Jungen nachschießen.“

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