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Vor dem Bundesliga-Neustart : Hells Bells, Reis und Bohnen

Perfekt gegen Lippenleser: Mundschutz bei Schalke-Trainer Wagner. Bild: AP

Nicht Aufstellung und Taktik bestimmen die Diskussionen vor dem Neustart der Bundesliga, sondern Hygienefragen, Maskenwirrwarr und Quarantäne-Verstöße. Eine Übersicht über die sterile neue Fußball-Welt.

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          Die Unsicherheit vor dem Neustart der Fußball-Bundesliga vor dem Geisterspieltag am Wochenende ist enorm. Doch mit ein paar Begriffserklärungen lässt sich die Vorspannung vor dem spätesten 26. Spieltag in 57 Jahren Bundesliga-Geschichte einigermaßen einfangen.

          „Fünf statt drei“ ist das neue Maß bei den Auswechslungen. Ein klarer Vorteil, wie Bayern-Trainer Hansi Flick knallhart berechnet hat: „Ich habe zwei Optionen mehr, daher bin ich sehr glücklick“. Er und seine Kollegen von der Trainerbank genießen ein weiteres Privileg - sie dürfen nun doch ohne Mundschutz agieren, wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) dank eines Geistesblitzes keine 24 Stunden vor Anpfiff bekannt gab. Der Mundschutz würde sie bei der Arbeit zu sehr beeinträchtigen. Dabei wäre die Maskerade perfekt, um Trainer vor gegnerischen Lippenlesern zu schützen.

          Umarmungen oder Abklatschen nach Torerfolgen bleiben weiterhin verboten. Wegen der Distanzregeln. Spucken und Nase bohren ebenfalls. Wer sich nicht an die Hygieneregeln hält, soll die „Rote Karte„ bekommen, hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gefordert - dies war allerdings eher metaphorisch gemeint. Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz hat schon darauf hingewiesen, dass er für ein Ausspucken wohl nicht mal Gelb geben würde, da er das Spiel leiten müsse und nicht für das Einhalten der Hygiene-Regeln verantwortlich sei.

          Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz würde Verstöße der Hygiene-Regeln auf dem Platz nicht mit einer Gelben Karte bestrafen.
          Bundesliga-Schiedsrichter Marco Fritz würde Verstöße der Hygiene-Regeln auf dem Platz nicht mit einer Gelben Karte bestrafen. : Bild: dpa

          Gesunde Härte beim Kampf um den Ball ist erlaubt. Wer im Eifer des Gefechts seinen Kontrahenten aber unfair von den Socken haut, möge ihn bitte liegen lassen. Aufhelfen eines Gestrauchelten ist wegen des unvermeidlichen Handreichens bei dieser freundschaftlichen Geste nicht erwünscht.

          Sogar mit Eigenbestrafung wird geahndet, wer sich aus dem Quarantäne-Sektor entfernt und vor dem Spieltag einkaufen geht, und sei es nur Zahnpasta und Hautcreme. Heiko Herrlich hat seine Shopping-Tour mit einer Selbstbezichtigung offenbart und sich damit seines Saisondebüts als Trainer des FC Augsburg beraubt.

          Diejenigen, die mitwirken können, dürfen ins Stadion nur mit genügend Sicherheitsabstand fahren, und damit ist nicht die halbe Tachozahl auf der Autobahn gemeint. Sogar auf Privatfahrzeuge statt der üblichen Mannschaftsbusse wird zurückgegriffen, damit es nicht zu eng wird im Bundesliga-Überlebenskampf.

          Der Platz betreten sollen die Mannschaften nicht miteinander und schon gar nicht mit Fußballkindern an den  Händen. Wenigstens musikalisch wird so etwas wie Normalität vorgetäuscht: die üblichen Stadion-Hymnen sollen gespielt werden wie „Hells Bells“ beim FC St. Pauli - und hoffentlich möglichst laut.

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          Wem dies nicht genügt, der kann bei Sky auf ein paar Gags zurückgreifen, um sich in Stimmung zu bringen. Mit der Option einer zusätzlichen Tonspur, die Fangesänge und Publikumsreaktionen liefert, soll die Geisterstimmung zumindest in den Wohnzimmern überlagert werden. Das Fanbündnis „Unsere Kurve“ hat allerdings schon mal reflexartig seinen Unmut gegen die Stimmungs-Konserve ausgedrückt.

          Das Schlusswort vor dem Spieltag gehört dem Sportdirektor des VfL Osnabrück. Benjamin Schmedes sagte über die gewöhnungsbedürftige Darbietung der Fußballkost am Wochenende in den Stadien der ersten und zweiten Liga: „Reis und Bohnen ist vielleicht besser als nichts, wenn man Lachs und Kaviar nicht zur Verfügung hat.“

          Laut soll es werden: Hells Bells gehört zum FC St. Pauli wie die Totenkopffahne.
          Laut soll es werden: Hells Bells gehört zum FC St. Pauli wie die Totenkopffahne. : Bild: dpa

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