https://www.faz.net/-gtm-7stkl

Vor Bundesliga-Auftakt : Bayern in Not

  • -Aktualisiert am

Trainer Guardiola und Sportdirektor Sammer wirken wie ein Spiegelbild zweier Grübler. Bild: SvenSimon

Beim FC Bayern München herrscht momentan keine gute Stimmung: Trainer Pep Guardiola schlägt vor dem Bundesliga-Auftakt wegen der Form seiner Mannschaft Alarm und will mehr Spieler.

          3 Min.

          Es gab einen Moment, da war sich Pep Guardiola sicher, dass in seinem zweiten Jahr beim FC Bayern München nicht alles, aber vieles einfacher werden würde. „Ich bin entspannter und nicht mehr so nervös“, sagte er. „Denn ich kenne die Spieler und die Bundesliga.“ Es war Ende Juli, die Weltmeister befanden sich noch im Urlaub, und die Amerika-Tour stand bevor. Der Trainer des Double-Gewinners konnte zwar gerade einmal mit einer Handvoll Profis trainieren, aber so eine Situation ist für ihn ja nicht neu. In Barcelona war es ihm nach Großereignissen ähnlich ergangenen. Guardiola wirkte locker, aufgeräumt und voller Tatendrang.

          Nun sind es nur noch ein paar Tage bis zum Bundesliga-Eröffnungsspiel gegen den VfL Wolfsburg, und die Stimmungslage beim Bayern-Trainer hat sich verändert. Er wirkt aber nicht so wie nach dem verlorenen ChampionsLeague-Halbfinale gegen Real Madrid im vergangenen April, damals war er niedergeschlagen, eher in sich gekehrt und selbstkritisch. Jetzt scheint er manchmal etwas genervt und angespannt zu sein.

          „Dortmund ist schon weiter“

          Gründe gibt es gute dafür, und auf manche weist er auch immer wieder hin: die viel zu kurze Vorbereitung für die Nationalspieler und die Verletztenliste. „Wir brauchen noch Zeit“, sagte er vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal an diesem Sonntag beim Drittligaklub Preußen Münster. Es klang ein bisschen, wie eine Entschuldigung für einen möglichen Fehlstart. „Dortmund ist schon weiter.“

          Die Weltmeister aus München mussten nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub einen sportlich fragwürdigen Ultra-Kurztrip an die Westküste der Vereinigten Staaten machen, nur um sich am Rande eines Spiels gegen eine Auswahl der Major League Soccer sehen zu lassen und ein paar Minuten vor dem Ende der Partie noch eingewechselt zu werden. Dass Bastian Schweinsteiger mit einer Knöchelprellung schnell wieder ausgewechselt werden musste, verhagelte Guardiola die Stimmung vollends. Dass Schweinsteiger den Saisonstart verpasst, ist inzwischen sicher, zumal ihn wieder Probleme mit der Patellasehne plagen. „Basti ist verletzt, er fehlt beim Saisonstart“, sagte Guardiola gerade erst. Der Zeitpunkt der Rückkehr ist ungewiss. Nach der Amerika-Reise hatte es ja auch noch Rafinha und Franck Ribéry erwischt, außerdem fehlt Thiago wegen seiner langwierigen Knieverletzung wohl noch bis Oktober. Dann passierte im Supercup unter der Woche das nächste Malheur. Und das ist viel bitterer, denn während Rafinha oder Ribéry in absehbarer Zeit wieder zurück sind, fällt Javier Martinez mindestens sechs Monate aus.

          Außen vor: Bastian Schweinsteiger fällt noch eine Weile aus.

          Der Kreuzbandriss des Spaniers wirft die Planungen von Guardiola und die Transferpolitik des Vereins über den Haufen. Denn der Defensivmann aus dem Baskenland sollte eine wichtige Rolle spielen. „Er ist ein spezieller Spieler, weil er verschiedene Systeme und verschiedenen Positionen spielen kann“, sagt Guardiola. Als zentraler Abwehrchef in der Dreierkette, als Innenverteidiger in der Viererreihe oder im defensiven Mittelfeld. Nun wollen die Bayern, die ihre Kaderplanung eigentlich schon für beendet erklärt hatten, sich doch noch einmal auf dem Markt umsehen. Insbesondere auf der rechten Innenverteidigerposition herrsche Not am Mann, gibt Guardiola zu. „Da haben wir jetzt nur noch Jerome Boateng.“

          Erste Zweifel seit dem Aus in der Champions League

          Sein Plan ist es eigentlich, die Mannschaft im zweiten Jahr weiterzuentwickeln, aber nun muss er erst einmal versuchen, die größten Baustellen zu schließen. „Mein Gefühl ist so wie in der letzten Saison vor dem Pokalfinale“, sagte Guardiola. „Damals hat auch niemand an uns geglaubt“, selbst im Verein hätte er dieses fehlende Vertrauen gespürt, gegen Dortmund zu gewinnen. Die Bayern belehrten alle eines Besseren und holten den Pokal.

          Aber seit damals weiß Guardiola, dass in München ein ziemlich rauher Wind wehen kann. Das Aus in der Champions League gegen Real Madrid ließ erste Zweifel an ihm aufkommen. Auf einmal galt der bis dahin hochgelobte Trainer, der bis zum vorzeitigen Titelgewinn im März auf fast jede gegnerische Taktik eine Antwort parat hatte, als zu eindimensional, dem Tiki-Taka-Stil des FC Barcelona zu sehr verhaftet

          Dabei mag Guardiola diese Bezeichnung Tiki-Taki nicht und auch nicht das Spiel, das damit gemeint ist. Das erzählte er dem spanischen Journalisten Martí Perarnau für ein Ende August erscheinendes Buch („Herr Guardiola“). In einem in der „Zeit“ veröffentlichten ersten Auszug ist zu lesen, dass der 43 Jahre alte Katalane es hasse, sich den Ball einfach nur zuzuspielen. „Das ist dummes Zeug und führt zu nichts. Man muss den Ball in einer bestimmten Absicht in den eigenen Reihen halten, in der Absicht nämlich, vors gegnerische Tor zu kommen und Schaden anzurichten.“

          Im Pokalfinale hatte Guardiola mit einer Dreierkette überrascht. Dabei war dieser Kniff nicht neu in seiner Trainerlaufbahn. Schon in Barcelona hatte er immer wieder das System variiert. In seiner letzten Saison ließ er oft mit Dreierkette spielen, meistens, um den von Arsenal London zurückgekehrten Cesc Fabregas einzubinden. Manchmal aber auch als Reaktion auf ein Spiel, das nicht lief wie erhofft. Als seine Mannschaft einmal gegen Real Madrid schnell 0:1 in Rückstand geriet, stellte er auf ein 3-4-3-System um, und Barcelona drehte das Spiel noch. „Im Laufe der Saison werden wir verschiedene System benutzen“, sagte Guardiola vor ein paar Tagen. Flexibler werden, nicht nur personell, sondern auch taktisch, das ist sein Ziel in diesem Jahr. Frühestens anfangen kann er damit aber erst in ein paar Wochen, wenn die Weltmeister und ein paar der derzeit Verletzten wieder fit sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Peter Altmaier spricht sich beim 5G-Netz gegen den Ausschluss einzelner Unternehmen aus.

          5G-Netz : Altmaier warnt vor Huawei-Ausschluss

          Im Bundestag wird heftig darüber debattiert, den chinesischen Netzwerkausrüster beim Ausbau des 5G-Netzes zu sperren. Nun meldet sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier zu Wort: „Wir sollten uns nicht gegen einzelne Unternehmen richten“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.