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Volker Finke : „Ich war der Bad Guy“

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Aus und vorbei nach dreizehn Monaten: Volker Finke muss in Köln gehen Bild: dpa

Der 1. FC Köln will mit der Entlassung von Volker Finke „Klarheit schaffen“. Die Mannschaft soll sich ohne Störgeräusche auf den Abstiegskampf konzentrieren. Einen Nachfolger für den Sportdirektor wird es so schnell nicht geben.

          Es war wie bei einer dieser Preisverleihungen, auch wenn es kein Bambi und keinen Oscar gab. Alle haben sich für alles Mögliche bedankt und sich scheinbar nett gefunden. Sogar Volker Finke, der am Abend zuvor entlassene Sportdirektor, saß mit auf dem Podium, als der 1. FC Köln die „einvernehmliche Trennung“ von seinem leitenden Angestellten auf einer Pressekonferenz am Sonntagvormittag nochmals bekanntgab, ohne die „unterschiedlichen Meinungen in grundsätzlichen Fragen der Zusammenarbeit und der fußballerischen Ausrichtung“ näher zu erläutern.

          Es passt zu diesem Klub, der das ganze Jahr über karnevalistisch angehaucht ist, dass die Trennung nach einem 1:0-Sieg gegen Hertha BSC Berlin vollzogen wurde, und dass ein Mann gehen musste, der vor wenigen Monaten erst zum Geschäftsführer aufgestiegen war.

          Es fügte sich auch, dass diese Personalentscheidung gegen elf Uhr elf öffentlich verhandelt wurde, an einem Elften, wenn auch nicht im Elften; kleine Schönheitsfehler sind erlaubt, zumal außerhalb der offiziellen Session.

          Viele Spuren hinterlässt er nicht

          Finke saß also da, hörte sich an, was der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Werner Wolf, zu sagen oder nicht zu sagen hatte – und ergriff ganz kurz sogar selbst das Wort, um am Ende „eines interessanten Jahres, das nie langweilig war“, dasselbe zu sagen wie bei seiner Vorstellung dreizehn Monate zuvor: Er halte es mit den drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. So hat sich in Köln wenigstens ein Kreis geschlossen für Finke.

          Viele Spuren hinterlässt er nicht. Angetreten war Finke, um dem chronischen Chaos im Klub zu begegnen, mit Konstanz und mit einem Konzept der Nachhaltigkeit. Doch dieser Anspruch wurde sogar für den Begründer der modernen Freiburger Fußballschule zu einer unlösbaren Aufgabe. Finke stand eher für die Entkölnisierung dieses eigenartigen Vereins, dessen Weg seit langem von Irrungen und Wirrungen geprägt ist. Das Konzept des Geschäftsführers Sport erschien den Gremien des Vereins vermutlich zu exotisch, gerade was die Spieler betrifft, die er bevorzugt verpflichtet.

          Finke wurde alsbald zum „Bad Guy“, wie er selbst sagt. Er verabscheute den Personenkult um den Fußballprinzen Lukas Podolski, musste aber einsehen, dass diese emotionale Komponente sich in Köln nicht ausblenden lässt, solange der Publikumsliebling in „seiner“ Stadt Fußball spielt .

          Zudem erwuchs dem Sportdirektor in Trainer Stale Solbakken ein Gegenspieler, der ihm unangenehmer wurde als erwartet. So verpuffte auch der Bonus, den Finke sich erarbeitet hatte, als er die Mannschaft in der Endphase der vergangenen Saison – als Trainer – vor dem Abstieg bewahrte. Kaum war es Solbakken gelungen, sich im Verein zu etablieren, hatte der norwegische Fußball-Lehrer auch schon einige der wenigen Führungsspieler hinter sich gebracht, darunter Podolski.

          Bilderstrecke

          Im Streit um sportliche Kompetenzen, gerade mit Blick auf die Auswahl des kickenden Personals, wurde Solbakken von vielen als der Unbeugsame wahrgenommen, der sich nicht dem Diktat Finkes unterwirft. Diese Außenwirkung brachte dem Trainer mehr Sympathie ein als dem Manager.

          Veritable Riege

          Dennoch verkniff sich Solbakken am Sonntag Worte des Triumphes. „Ich will nicht lügen“, sagte er. „Wir hatten natürlich nicht das beste Verhältnis der Welt, aber es war auch nicht so, dass ich alles richtig gemacht habe und Volker Finke alles falsch.“ Wie Ironie eines karnevalistischen Schicksals mutet es an, dass Finke ausgerechnet dann gehen muss, wenn es darum geht, einige der Millionen zu investieren, die der allseits erwartete Transfer Podolskis zum FC Arsenal einbringen wird, mögen beide Vereine den Wechsel auch (noch) dementieren.

          Immerhin ist er in guter Gesellschaft. Mit seinem Abgang reiht er sich ein in eine veritable Riege von Kölnern und Nicht-Kölnern, die den dauerhaften Ausnahmezustand im Verein in letzter Zeit nicht mehr aushalten wollten oder konnten oder durften: Die Trainer Zvonimir Soldo und Frank Schaefer, Geschäftsführer Michael Meier, sogar die Präsidenten-Ikone Wolfgang Overath Meier und nun der Seiteneinsteiger Finke – sie alle haben in den zurückliegenden anderthalb Jahren den 1. FC Köln verlassen (müssen).

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