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Relegation gegen Braunschweig : Wolfsburg rettet sich ins letzte Ziel

  • -Aktualisiert am

Vieirinha ebnet mit seinem Treffer dem VfL Wolfsburg den Weg zum Klassenverbleib. Bild: Reuters

Der VfL Wolfsburg gewinnt auch das Relegations-Rückspiel in Braunschweig 1:0 und bleibt in der Bundesliga. Die Eintracht vergibt in der ersten Halbzeit die Möglichkeit, dem Favoriten doch noch ein Bein zu stellen.

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          Was lange Zeit sehr unterkühlt und sachlich ausgehen hatte, entlud sich in dieser 49. Spielminute. Die Art und Weise sowie die Wucht, mit der der Portugiese Vieirinha zum Schuss des Abends angesetzt hatte, war allein schon sehenswert. Aber der Jubellauf, zu dem danach die Spieler des VfL Wolfsburg ansetzten, dürfte zu ihren mit Abstand engagiertesten Szenen der gesamten Saison gezählt haben.

          Der Favorit aus der 1. Bundesliga konnte seinem 1:0-Sieg im ersten Relegationsspiel gegen Eintracht Braunschweig noch einen 1:0-Erfolg im zweiten Anlauf folgen lassen. Nach einem Fehlversuch von Yunus Malli hatte Vieirinha mit einem kräftigen Fernschuss das Siegtor folgen lassen. Damit war der tapfere Zweitligaklub Braunschweig um seinen ersehnten Aufstieg gebracht und der Klassenerhalt des VfL vollbracht – und die Reaktionen der Braunschweiger Fans nach dem Abpfiff ließ darauf schließen, dass noch Arbeit auf die Polizei wartete.

          Wolfsburgs Trainer Jonker sprintet nach dem Treffer von Vieirinha zum Torschützen und beglückwünscht ihn. Bilderstrecke

          Bei jedem hohen Ball nach vorne, bei jeder Aktion des großen Wolfsburgers Hoffnungsträgers war ein besonderes Knistern im mit 23 000 Zuschauern besetzten Stadion zu spüren. Mario Gomez hatte schließlich im Hinspiel den umstrittenen, weil regelwidrigen Siegtreffer für Wolfsburger erzielt. Der international erfahrene und von Erfolg eher verwöhnte Torjäger hatte bei seinen Zweikämpfen meistens das Vergnügen mit Gustav Valsvik. Der Norweger mag bundesweit bisher noch nicht als großer Könner des Berufsfußballs in Erscheinung getreten zu sein.

          Aber der Braunschweiger Innenverteidiger wusste bei seinen mal mutigen, mal sehr rustikal geführten Zweikämpfen eine erstaunliche Rückendeckung hinter sich. 20.800 Zuschauer mit Sympathien für Blau-Gelb, rund 2200 mit einer Vorliebe für Grün-Weiß: Angesichts dieser Konstellation im Eintracht-Stadion war klar, wer sich in besonders kniffligen Situationen leicht im Vorteil sehen durfte. Valsvik bekam von Schiedsrichter Tobias Stieler häufig einen Freistoß zugesprochen, während Gomez nicht gerade amüsiert auf dem Hosenboden saß.

          Als Favorit und Gast in einem stimmungsvollen Stadion wie dem von Eintracht Braunschweig die Nerven zu behalten, ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Es war kein Ruhmesblatt, wie Gomez im Minutentakt vom heimischen Publikum beschimpft wurde. Aber vielleicht sorgte auch genau das dafür, dass der Wolfsburger Stürmer es unbedingt besonders gut machen wollte. Gomez handelte sich in der 36. Minute eine Gelbe Karte wegen eines Offensivfouls ein. Er war die zentrale Figur in einem Kräftemessen, das wie erwartet viel Kampf und wenig Qualität zu bieten hatte.

          Und die Wolfsburger machten wie so oft in ihrer ganz schwachen Saison 2016/17 den Fehler, mehrheitlich zu reagieren und darauf zu hoffen, Gomez irgendwann irgendwie aussichtsreich in Szene bringen zu können. In der Summe führte das zu wenig, bescherte kaum Entlassung, hatte aber vielleicht auch genau diesen einen Überraschungsmoment mit Vieirinha ermöglicht.

          Die von Trainer Torsten Lieberknecht und dem Publikum angefeuerten Braunschweiger besaßen in der ersten Halbzeit mehr Spielanteile und kamen zu den besseren Torgelegenheiten. Doch es reichte insgesamt nicht, um dem Erstligaklub auch zählbaren Schaden zuzufügen. Und die am Ende leicht verzweifelte Eintracht verlor in der Schlussphase auch noch Maximilian Sauer durch eine Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels.

          Wer mochte, konnte aus dem Auftreten und der Körpersprache der beiden Trainer jede Menge herauslesen und wiedererkennen. Lieberknecht, in ein sportlich legeres und schwarzes Outfit gekleidet, stand nahezu pausenlos an der Außenlinie und versuchte, zu dirigieren sowie zu reklamieren. Sein Wolfsburger Pendent Andries Jonker dagegen, ein eher sachlicher als emotionaler Typ, trug ein weißes Oberhemd und ließ sich nur selten am Spielfeldrand sehen.

          Lieberknecht wollte das Glück erzwingen, Jonker und seiner Trainerstab blieben ihrer Linie treu und vertrauten in Ruhe darauf, dass sich Qualität gegen Kampf am Ende doch durchsetzen werde. Sie sollten Recht behalten und sind dabei wochenlang am Abgrund zur 2. Bundesliga entlang gedribbelt. Nach dem Siegtreffer von Vieirinha sah man Jonker so glücklich wie einen kleinen Fußball-Steppke über den Rasen und in Richtung Mannschaft laufen. Der Niederländer wusste, dass ihm als drittem VfL-Trainer in dieser Saison am Ende doch noch etwas gelungen war, worauf Wolfsburg trotz aller Schwierigkeiten stolz sein kann.

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