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Aufregung in Leverkusen : „Ich hasse den Videobeweis“

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Leon Bailey und Leverkusen gewinnen, sind aber trotzdem nicht restlos glücklich. Bild: STEINBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Leverkusen erzielt kurz vor Schluss das 3:1 gegen Köln, Torschütze Volland jubelt, einige Zuschauer verlassen schon das Stadion. Doch nach einem Videobeweis wird der Treffer zurückgenommen. Aufgeklärt werden die Fans auf kuriose Weise.

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          Der Videobeweis sorgt immer noch für Überraschungen – so wie am Samstag im Spiel von Bayer Leverkusen gegen den 1. FC Köln. Kevin Volland traf in der 86. Minute zum vermeintlichen 3:1, zahlreiche Zuschauer verließen schon das Stadion, weil sie an die Entscheidung glaubten, die Bayer-Spieler und Fans jubelten ausgelassen. Dass Schiedsrichter Manuel Gräfe den Treffer per Videobeweis aberkannte, ging fast unter. Und viele Zuschauer hätten das Stadion wohl selbst nach Schlusspfiff in dem Glauben verlassen, die Partie wäre 3:1 geendet, wenn der Stadionsprecher sie nicht von der Aberkennung informiert hätte. Warum das Tor nicht zählte, erfuhren die Zuschauer nicht.

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          „Ich hasse es“, sagte Leverkusens Leon Bailey, wegen dessen Handspiel in der Entstehung der Treffer nicht galt. „Fünf Minuten lang herrschte Jubel, Trubel, minutenlang wusste keiner, was los war“, monierte Bayer-Abwehrspieler Sven Bender. Und der vermeintliche Torschütze Volland beklagte sogar, dass das Spiel wegen dieser Umstände fast noch gekippt wäre. „Du feierst, denkst, du bist durch. Dann nimmt er es zurück, du machst dir einen Kopf und die Kölner sind wieder ins Spiel gekommen.“ Zur Beruhigung Vollands gewann Bayer aber doch 2:1. Und Gräfes Entscheidung war zumindest richtig.

          Die zermürbende Niederlagenserie der Kölner geht damit weiter. Drei Tage nach dem 3:1 im DFB-Pokal bei Hertha BSC verloren die Rheinländer das 61. Bundesliga-Duell in Leverkusen. Obwohl die Kölner zur Pause durch das erste Bundesliga-Tor von Sehrou Guirassy (23.) führten, kassierten sie am zehnten Spieltag die achte Niederlage und sind mit zwei Punkten weiter abgeschlagen Tabellenletzter. Die Woche, die mit der Trennung von Sportchef Jörg Schmadtke hektisch begann, endete nach dem Erfolgserlebnis von Berlin wieder einmal ernüchternd.

          Für Bayer war es dagegen im Endeffekt eine nahezu perfekte Woche. Nach dem furiosen 5:1 in Mönchengladbach und dem 4:1 im DFB-Pokal gegen Union Berlin schafften die Leverkusener durch das sechste Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage den Anschluss an die Spitzengruppe. Der wieder sehr starke Bailey (54.) und Sven Bender (73.) sicherten in der zweiten Halbzeit den Sieg.

          Leverkusen jubelt nach dem 1:1-Treffer. Bilderstrecke

          Bei Bayer saß der argentinische 19-Millionen-Mann Lucas Alario, der in seinen bisherigen drei Heimspielen jeweils getroffen hatte, zunächst auf der Bank. Er wurde das Opfer der Taktik-Umstellung, Trainer Heiko Herrlich begann mit dem 4-3-3, das nach Alarios Auswechslung in Gladbach die Wende gebracht hatte. Der angeschlagene Sven Bender stand in der Startelf, sein Zwillingsbruder Lars schaffte es nicht einmal in den Kader. Beim FC war Kapitän Matthias Lehmann nach muskulären Problemen fit, Marco Höger und Claudio Pizarro nicht.

          Leverkusens Sportchef Rudi Völler griff in seinem Vorwort des Stadionheftes noch einmal die unglückliche Aussage von Nationalstürmer Julian Brandt auf, der unter der Woche für Brisanz gesorgt hatte. „Das klingt jetzt hart. Aber wenn Köln jetzt am Boden liegt, müssen wir wenn möglich noch mal drauftreten“, hatte der 21-Jährige gesagt. „Worte, die nicht unbedingt für das diplomatische Parkett geeignet sind“, schrieb Völler: „Worte, die man falsch verstehen kann, wenn man das will. Der Satz ist jedoch nicht wörtlich zu nehmen.“

          Auf dem Feld ließen zunächst allenfalls harte Zweikämpfe auf ein brisantes Derby schließen. Die Qualität des Spiels ließ lange zu wünschen übrig. Bayer dominierte, kam aber nicht bis in die gefährliche Zone, ebenso wie Köln bei seinen Konter-Versuchen. Die Gäste-Führung resultierte dann auch aus einem krassen Patzer von Nationalspieler Jonathan Tah, der sich nach einem langen Einwurf am Fünfmeterraum wie ein Anfänger von Guirassy düpieren ließ.

          Die Kölner mussten in der zweiten Halbzeit ohne Innenverteidiger Dominic Maroh auskommen, dem Teamkollege Salih Özcan auf den Fuß gefallen war. Herrlich brachte Alario und kehrte zum 4-4-2 zurück. Das zahlte sich schnell aus, als Volland Bailey bediente und der ausglich. Nun wurde das Spiel offener, beide Teams kamen zu Chancen: Zehn Minuten später hatte der Jamaikaner das 2:1 auf dem Fuß, scheiterte aber an Timo Horn. Auch Brandt fand in Horn seinen Meister (67.). Auf der Gegenseite scheiterte der frühere Leverkusener Tim Handwerker an Bernd Leno (70.). Dann machte Tah seinen Fehler ein Stück weit wieder gut, setzte sich nach einem Eckball durch und Sven Bender vollendete.

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