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Streit um Videobeweis : Videoassistenz-Leiter: „Das war Übereifrigkeit und Angst“

  • Aktualisiert am

Schalkes Trainer Domenico Tedesco nach dem verlorenen Spiel gegen den VfL Wolfsburg Bild: AFP

Die Saison ist gerade einmal einen Spieltag alt und schon häufen sich die Ärgernisse um den Videoassistenten. Nicht nur Tedesco und Funkel erheben Kritik. Jetzt schaltet sich auch der Videobeweis-Verantwortliche Drees ein.

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          Die Hoffnung auf einen reibungslosen Neustart des Videobeweises ist nach nur einem Spieltag gleich wieder verpufft. Spieler und Trainer schimpfen und spotten über den Assistenten im Kölner Video-Keller, die Schiedsrichter auf dem Rasen agieren völlig verunsichert, Zuschauer im Stadion bleiben weitgehend ratlos. Ganz Fußball-Deutschland rätselt: Warum klappt in der Bundesliga nicht, was mit Unparteiischen aus aller Welt bei der WM bestens funktionierte?

          Selbst Videobeweis-Befürworter und -Nutznießer Karl-Heinz Rummenigge appellierte direkt nach dem Saisonauftakt an den Deutschen Fußball-Bund, eine „Taskforce“ zu gründen, „die sich darum kümmert, dass hier nun endlich professionell gearbeitet wird“. Die Schiedsrichter würden „hier im Stich gelassen.“ Er sehe den DFB eigentlich „gut gerüstet“, sagte Video-Projektleiter Jochen Drees am Sonntag bei Sky zum Vorstoß des Bayern-Vorstandschefs. „Aber ich bin auch einer, der sagt, man muss alle Impulse und alle Hilfen, die von anderswo kommen, annehmen.“

          Dennoch räumt Drees Probleme beim Einsatz des technischen Hilfsmittels am ersten Spieltag der neuen Bundesliga-Saison ein und kündigt Verbesserungen an. „Es sind viele Sachen einfach nicht gut gelaufen“, sagte Drees am Sonntagmorgen im TV-Sender Sky. Der frühere Spitzenschiedsrichter übernimmt beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum 1. Oktober hauptamtlich die Leitung beim Thema Videoassistent. „Es gibt schon Bedarf, weiter ins Detail zu gehen“, sagte der 48-Jährige.

          „Kein Thema“ für den Videoassistenten

          Schalke-Trainer Domenico Tedesco regte sich allerdings nicht nur über die unglückliche 1:2 (0:1)-Niederlage beim VfL Wolfsburg und die Eingriffe des Video-Referees auf. Er tadelte auch die Manieren von Schiedsrichter Patrick Ittrich in aller Öffentlichkeit.

          „Selbst wenn es Fehlentscheidungen gibt, haben wir die zu akzeptieren und sie zu tragen. Das ist kein Problem“, sagte Tedesco. Sehr wohl ein Problem sei jedoch „die Art und Weise, wie die Unparteiischen mit uns sprechen. Es geht um die Worte. Und da bin ich sehr traurig.“

          Bei einem hitzigen Wortgefecht in der Schlussphase der emotionalen Partie sei er vom Unparteiischen „durchbeleidigt“ worden. Ittrich widersprach Tedesco via Sky. Er habe versucht zu erklären, dass es ein schwieriges Spiel für ihn gewesen sei und „man nicht immer alles richtig machen kann“, sagte Ittrich: „Aber wenn er denkt, ich hätte ihn beleidigt, dann in aller Form: Entschuldigung.“

          Aus Gelb wird Rot, aus Rot wird Gelb

          Ittrich hatte zuvor in Wolfsburg zwei strittige Entscheidungen mithilfe des Videoassistenten getroffen, die nach der Partie das Gesprächsthema Nummer eins waren. „Ich finde die Idee des Videoassistenten nach wie vor gut, doch heute hatten zwei einen katastrophalen Tag“, schimpfte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel.

          Auf Geheiß des erfahrenen Video-Referees Wolfgang Stark in Köln hatte der Unparteiische zunächst eine Gelbe Karte für den Schalker Matija Nastasic (65.) in eine Rote korrigiert. Nur drei Minuten später zeigte der 39-jährige Ittrich VfL-Neuzugang Wout Weghorst Rot wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit, ehe Köln Videobilder anordnete und der Platzverweis wieder aufgehoben wurde.

          Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigt Schalkes Matija Nastasic (rechts) die rote Karte.

          Heidel echauffierte sich vor allem über den verspäteten Platzverweis gegen Nastasic. „Den entscheidenden Fehler hat der Mann im Keller gemacht“, sagte der Manager: „Es lag keine gravierende Fehlentscheidung vor. Es gab überhaupt keinen Grund, dort einzugreifen.“ Dabei hätte die WM doch ein gutes Beispiel gegeben, wie man den Videobeweis handhaben müsste.

          Projektleiter Drees nannte beide Entscheidungen „kein Thema für die Videoassistenz, sondern eine Situation, die der Schiedsrichter zu bewerten hat“. Mögliche Gründe für die Intervention des Videoassistenten könnten laut Drees „ein bisschen Übereifrigkeit“ und die „Angst davor, vielleicht Fehler zu machen und etwas Grobes zu übersehen“ sein.

          Dies sei in „beiden Szenen nicht gut gelöst“ worden. Grundsätzlich sei der Schiedsrichter auf dem Platz „der Chef“ und habe „die Entscheidungen auch zu transportieren und zu treffen“. Der Videoassistent dürfe sich nicht einmischen bei „Entscheidungen, die interpretierbar sind“, betonte Drees.

          Auch in Düsseldorf häuft sich Kritik

          Aber auch in anderen Bundesligaspielen am Samstag sorgten Entscheidungen rund um den Video-Referee für Aufsehen. „Wenn man schon den Videobeweis zur Hilfe nimmt, dann muss man auf Foul entscheiden und das Tor darf nicht zählen“, kommentierte Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel die möglicherweise spielentscheidende Szene bei der 1:2 (1:0)-Niederlage vom Aufsteiger gegen den FC Augsburg.

          Nach dem 1:1 der Gäste durch Martin Hinteregger (57.) hatte Video-Assistent Martin Petersen (Filderstadt) Referee Markus Schmidt (Stuttgart) auf ein vermeintliches Foul von FCA-Kapitän Daniel Baier an Benito Raman hingewiesen, durch das den Gästen in der Vorbereitung zum Ausgleich ein großer Vorteil entstanden war.

          Schmidt schaute sich die Szene daraufhin noch einmal in der Review Area an, blieb dann aber bei seiner Entscheidung, obwohl auch Fortunas Torschütze Raman (39.) später von einem „klaren Foul“ sprach.

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