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Wolfsburger Niederlagenserie : Versteht die Mannschaft Florian Kohfeldt nicht?

  • -Aktualisiert am

Verliert und verliert und verliert: Florian Kohfeldt mit dem VfL Wolfsburg im freien Fall Bild: dpa

Die Krise des VfL Wolfsburg unter Florian Kohfeldt nimmt kein Ende. Der Trainer sollte dem Team eine frische Grundidee vermitteln. In der Theorie funktioniert das, in der Praxis nicht. Die Aussicht bleibt trist.

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          Alles klingt ganz logisch. Unter der Anleitung von Florian Kohfeldt sollen die Profis des VfL Wolfsburg mutig, zielstrebig und strukturiert Fußball spielen. Doch zwischen dem, was der Cheftrainer so wunderbar schlüssig erklären kann, und dem, was seine Spieler daraus machen, ergibt sich ein folgenschweres Delta. Das 0:1 am Sonntagabend beim VfL Bochum war die sechste Wolfsburger Bundesliga-Niederlage in Folge. „Wir dürfen nicht jammern und müssen auch keinen in den Arm nehmen“, findet Kohfeldt. Er verdient einen Preis für seine besondere Gabe, das Schlechte in gute Worte zu kleiden.

          Vielleicht versteht ihn die Mannschaft nicht. Vielleicht ist ausgerechnet jenes VfL-Team, das vor kurzem noch in der Champions League am Ball war, mit der Situation überfordert. Seitdem Kohfeldt seinen erfolglosen Vorgänger Mark van Bommel ablösen durfte, hat die Suche des VfL Wolfsburg nach seiner fußballerischen Identität ein weiteres Level erreicht. Seit mittlerweile zweieinhalb Monaten geht es Kohfeldt darum, dem Team um Kapitän Koen Casteels eine neue Haltung und eine frische Grundidee zu vermitteln. „Mutigen Kombinationsfußball“: Mit diesen Worten fasst etwa Torjäger Wout Weghorst zusammen, was sich die Mannschaft in der Theorie vornehmen soll. In der Praxis kam dabei auch am 18. Spieltag nichts heraus, was ein wenig Anlass zu Hoffnung, Sturm und Drang geben könnte.

          Bundesliga

          Die Aussichten bleiben trist. Ohne Zuschauer auf den Rängen empfängt der VfL Wolfsburg am Samstag Hertha BSC Berlin. Beide Teams rennen eigenen Erwartungen hinterher und müssen sich fragen lassen, warum die finanziell minderbemittelte Konkurrenz aus Bochum, Mainz oder Freiburg besser dasteht. Beide Vereine sind gut beraten, im Internet besser nicht nachzulesen, wie stark die Seele der Fans schon kocht.

          Vor ein paar Wochen noch ist Kohfeldt für seine Kommunikationsstärke und Offenheit gelobt werden. Jetzt gilt er bei besonders scharfen Kritikern bereits als Schönredner, der den VfL Wolfsburg mitten in den Abstiegskampf führen könnte. „Ich bin mir absolut sicher“, sagt der 39 Jahre alte Vordenker, „dass wir aus aus dieser Situation herauskommen.“ So ähnlich hat es im Herbst vergangenen Jahres auch geklungen, als Kohfeldt den Absturz von Werder Bremen in die Zweite Bundesliga nicht verhindern konnte.

          Mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer gibt es in Wolfsburg zwei Verantwortliche für kritische Sachverhalte. Sie hatten sich im Sommer 2021 dafür entschieden, van Bommel zum neuen VfL-Cheftrainer zu erklären – was sich schnell als Fehlentscheidung herausgestellt hat. Beide waren daraufhin der Meinung, dass Kohfeldt eine gute Nachfolgelösung sein müsse.

          Keine Lernkurve erkennbar

          So lässt sich erklären, warum in Wolfsburg derzeit nur eine kleinlaute Debatte über die Zukunft des neuen Trainers geführt wird. Schäfer hat beobachtet, dass die Mannschaft förmlich aufsauge, was Kohfeldt ihr vermitteln möchte. Dazu gehöre zum Beispiel, unter Druck spielerische Lösungen zu finden. Viel mehr Erfolgsdruck als beim anstehenden Heimspiel gegen Hertha BSC lässt sich vermutlich kaum inszenieren. Schäfer wie Schmadtke geben sich große Mühe, Kohfeldt öffentlich den Rücken zu stärken und an ihm festzuhalten.

          Wie sich der Abstiegskampf anfühlt und bewältigen lässt, damit hat der VfL Wolfsburg unrühmliche Erfahrung. Der Verein musste 2017 und 2018 jeweils die Relegationsspiele gegen aufstrebende Zweitligisten bestreiten. Was als ärgerliche Delle in der Vereinsvita für überwunden gehalten wurde, droht nun abermals. Kohfeldt ist laut seines Arbeitsvertrages bis 2023 an den Verein gebunden. Schäfer ist angetreten, um seinen Vorgesetzten Schmadtke eines Tages zu beerben.

          Wie lange sich diese gut gemeinte Zweckgemeinschaft aufrechterhalten lässt, hängt vor allem von der Lernkurve der Spieler ab. Selbst solch routinierte Profis wie Stürmer Weghorst und Mittelfeld-Organisator Maximilian Arnold wirken ratlos. Kohfeldt hat zuletzt mit Hilfe eines kurzen Weihnachtsurlaubs, intensiver Trainingseinheiten, ausführlicher Videoanalysen und individueller Gespräche versucht, sich mehr Gehör bei den Spielern zu verschaffen. Die Niederlage in Bochum legt den Verdacht nahe, dass die Botschaften des Trainers weiter auf eine Verinnerlichung warten.

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