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VfL Wolfsburg : Reich, aber nicht protzig

  • -Aktualisiert am

Denker und Lenker der VfL Wolfsburg: Sportmanager Klaus Allofs Bild: dpa

Poker um Lukaku: Der VfL Wolfsburg sucht nach Verstärkungen, aber nicht mehr um jeden Preis. Die Niedersachsen lehnen die Rolle der Bayern-Jäger noch ab.

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          Wer Dieter Hecking dieser Tage piesacken möchte, muss ihm nur mit dem Namen Romelu Lukaku kommen. „Ich beschäftige mich mit Bas Dost“, sagt Hecking barsch, „nicht mit irgendwelchen anderen Namen.“ Und stapft davon. Der niederländische Stürmer dürfte den Trainer des VfL Wolfsburg allerdings nicht mehr lange beschäftigen; Feyenoord Rotterdam hat ein Angebot für Dost eingereicht, und da der VfL nicht besonders viel vom Vier-Tore-Stürmer der Vorsaison hält, stehen die Zeichen auf Abschied.

          Mehr Platz im Angriff, da gerät die schon länger anhaltende Diskussion um Lukaku wieder in Wallung. 28 Millionen Euro soll VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs dem FC Chelsea für den 21 Jahre alten belgischen Angreifer geboten haben - „so viel sicher nicht“, konterte Allofs am Sonntagabend nach der 0:3-Niederlage beim Hamburger Vorbereitungsturnier gegen den FC Bayern gelassen. „Aber wir wissen natürlich alle, dass er ein guter Spieler ist.“

          Wolfsburg will keine Mondpreise zahlen

          Und einen guten Spieler, besonders für die Abteilung Offensive, benötigt Wolfsburg dringend. Denn für den nimmermüden Dauerläufer Ivica Olic tickt die biologische Uhr; nicht ewig wird der beste VfL-Schütze der vergangenen Spielzeit (14 Tore) seine Laufleistung auf Marathon-Niveau halten können. Neben ihm waren jüngst nur Ivan Perisic und Eigengewächs Maximilian Arnold als notorische Torschützen aufgefallen - zehn und sieben Tore in der Serie 2013/14.

          Der vorsichtige Poker um Lukaku erzählt auch eine andere Geschichte. Der VfL will unter Allofs nicht mehr als Krösus wahrgenommen werden, der europaweit jeden Mondpreis zahlt. „Wir schauen in allen Bereichen, wo wir noch effektiver werden können. Wir haben in den letzten Monaten klar den Fokus darauf gelegt, Kosten zu reduzieren, den Kader zu verkleinern“, sagte Allofs dem „Kicker“. Vor allem durch Diegos Abgang spart der VfL an Gehalt. Zudem sind die Zukäufe von der Resterampe passé. Wo sich früher Spieler in langen Schlangen nach der Sommerpause beim neuen Arbeitgeber in Wolfsburg anstellten, sind bislang „nur“ Aaron Hunt und Sebastian Jung unter Vertrag genommen worden. Gewiss mit satt dotierten Arbeitspapieren; das gilt auch für die letzten Königstransfers Kevin de Bruyne und Luiz Gustavo.

          Objekt der Begierde: Romelu Lukaku - hier spielt der Belglier im WM-Viertelfinale gegen Argentinien.
          Objekt der Begierde: Romelu Lukaku - hier spielt der Belglier im WM-Viertelfinale gegen Argentinien. : Bild: AP

          Nach wie vor ist der VfL dank des hundertprozentigen Anteilseigners Volkswagen in der Lage, Transfers zu stemmen, die für alle Klubs außer Bayern München wenn überhaupt nur sehr schwer möglich sind. Das ist es, was Wolfsburger Kritiker wie der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke oder Christian Heidel vom FSV Mainz 05 jüngst wieder monierten.

          Der 57 Jahre alte Allofs hat angedeutet (und der Fall Lukaku beweist das ja gerade), dass sich der VfL auch weiterhin große Einkäufe wird leisten können, aber: „Wir machen keine verrückten Dinge.“ Dabei ist der milliardenschwere Sparkurs, den der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn dem Konzern bis 2017 verordnet hat, kein drängendes Problem der Fußball-Tochter: Allofs hat einen engen Draht zu Winterkorn - sollte er Großes vorhaben, wird der fußballbegeisterte Werks-Chef ihn unterstützen.

          Es bleibt eines der zentralen Allofs-Anliegen, den Klub bei aller Kohle bodenständiger, normaler und seriöser zu gestalten als zu Zeiten seiner Vorgänger. Und wieder erfolgreicher. Mit dem Erreichen eines Europa-League-Platzes ist ein erster Schritt getan. Dass nun manche, auch im Klub, den VfL als Bayern-Jäger betrachten, tun Hecking und Allofs mit einem Lächeln ab. „Wir haben noch ganz viel Luft nach oben, das hat man heute gesehen“, sagte Hecking, 49 Jahre alt, nach der Vorführung durch die bessere bayerische B-Elf am Sonntag. „Heute hätte uns auch kein Lewandowski geholfen“, urteilte Allofs - und ließ durchblicken, dass auch ihn der famose Auftritt des neuen Bayern-Stürmers am Hamburger Wochenende begeistert hatte.

          „Die Konkurrenz hat Respekt vor uns“

          Nein, die Bayern werden ihre Kreise auch unbehelligt durch Wolfsburg ziehen. Doch Borussia Dortmund würde man sich schon gern annähern. „Wir sind insgesamt weiter als erwartet“, sagt Hecking. „In der vergangenen Saison haben wir drei Schritte auf einmal gemacht. Die Konkurrenz hat Respekt vor uns.“ Und Allofs assistiert: „Im Idealfall bestätigen wir die Leistung der Vorsaison und machen einen kleinen Schritt nach vorn.“ Das wäre dann Rang vier - die Qualifikation zur Champions League. Jetzt, wo sicher scheint, dass Luiz Gustavo bleibt, und zum Trainingslager nächste Woche in Donaueschingen alle WM-Starter zurückkehren, gehört der Wolfsburger Kader zum Schmucksten, was die Liga zu bieten hat - selbst ohne Lukaku.

          Noch etwas anderes haben Hecking&Allofs dem VfL verordnet. Das Kommen und Gehen soll ein Ende haben, und: Junge, deutsche Spieler werden ihre Chance erhalten. Als Talenterkenner und -pfleger hat Hecking längst einen glänzenden Ruf. In Innenverteidiger Robin Knoche und Mittelfeldspieler Maximilian Arnold stehen zwei Jungprofis exemplarisch für die Fähigkeiten des knorrigen Coaches.

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