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VfL Wolfsburg : Neue Armut in Magaths Reich

  • -Aktualisiert am

Ohne Lösungsansatz: Wolfsburgs Trainer Felix Magath Bild: dpa

Der VfL Wolfsburg steht nicht für einen Angriff auf die Champions League, sondern für Mittelmaß in der Bundesliga. Die Mannschaft sucht sich mal wieder selbst - und soll jetzt ausgerechnet bei den Bayern (20.00 Uhr) bestehen.

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          Seine Vorfreude auf das Wiedersehen hält sich in Grenzen. Es war ein eher verlegenes und von Ironie geprägtes Lächeln, das Ivica Olic aufsetzte. Natürlich sollte der Routinier im Team des VfL Wolfsburg erklären, wie er und sein neues Team an diesem Dienstag (20.00 Uhr / F.A.Z.-Liveticker) beim derzeit glänzend aufgelegten FC Bayern München bestehen wollen.

          Drei Jahre lang stand der Kroate beim Rekordmeister unter Vertrag und war im Sommer der Meinung, dass er mit den Wolfsburgern doch auch mal versuchen könnte, einen Platz in der Champions League zu erreichen. Drei Monate später ist die Ernüchterung bei den Niedersachsen und Olic selbst groß. „Ich habe gedacht, dass wir besser spielen“, gesteht der 33 Jahre alte Angreifer.

          Fünf Punkte nach vier Spieltagen - mit einer solchen Bilanz kann man sich hervorragend für das gesicherte Mittelfeld der Fußball-Bundesliga empfehlen. Für das obere Viertel der Tabelle eher nicht. Es sind kleinlaute und fast reumütige Töne, mit denen die Hauptdarsteller des VfL Wolfsburg ihre bisherigen Leistungen erklären.

          Ohne Respekt: Nicht mal Greuther Fürth (mit Stürmer Azemi (r.) hat Angst vor Wolfsburg und dessen Torhüter Benaglio (Mitte) und Verteidiger Pogatetz
          Ohne Respekt: Nicht mal Greuther Fürth (mit Stürmer Azemi (r.) hat Angst vor Wolfsburg und dessen Torhüter Benaglio (Mitte) und Verteidiger Pogatetz : Bild: dpa

          Obwohl der Verein dank seiner enormen Kaufkraft über einen großzügig besetzten Kader mit Nationalspielern aus aller Welt verfügt, will sich keine Besserung einstellen. Seit dem überraschenden Titelgewinn im Mai 2009 hat es beim VfL auf, aber auch neben dem Platz so viele Veränderungen und Neuanfänge gegeben, dass gar keine Ruhe einkehren konnte.

          Zentnerschwere Lasten

          Im jüngsten Heimspiel gegen den Aufsteiger Greuther Fürth, bei dem gerade mal ein 1:1 heraussprang, mussten sich die Spieler Pfiffe der eigenen Fans gefallen lassen. Viele von ihnen wirken, als müssten sie auf dem Platz eine zentnerschwere Last mit sich herumschleppen. „Wenn wir so viele Fehler machen wie bisher, dann kriegen wir keinen Rhythmus“, sagte der Däne Thomas Kahlenberg über die spielerische Armut.

          Es gehört zur üblichen Praxis der meisten Bundesligatrainer, das nächste Spiel zum schwersten zu erklären und den nächsten Gegner in den höchsten Tönen zu loben. Im Fall von Felix Magath, der den VfL Wolfsburg als Trainer, Manager und Geschäftsführer anführt, ist vor dem Spiel in München allerdings eine besondere Demut ins Spiel gekommen. „Alle Fußball-Interessierten wissen, dass es für uns eine schwierige Aufgabe wird. Aber schwierige Aufgaben haben ja meist auch ihren besonderen Reiz“, sagte der Neunundfünfzigjährige und hielt sich mit Lob für seine Mannschaft zurück.

          Respekt ist verloren

          Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft beim VfL eine beängstigend große Lücke, die Magath schließen muss. Er hat das Wolfsburger Team wieder einmal stark umgekrempelt und nennt seine Arbeit perspektivisch. Er vertraut schon aussortierten Profis wie Kahlenberg, dessen Landsmann Simon Kjaer sowie dem Brasilianer Diego und hat sie zu Stammspielern befördert. Aber weder das begnadigte noch das neu erworbene Personal ist bisher in der Lage, die hohen Erwartungen zu erfüllen. „Wir wollen unter die Besten der Bundesliga kommen. Aber davon sind wir ein Stück entfernt“, gesteht Magath.

          Der Respekt, den die Konkurrenz vor diesem Verein und seinen millionenschweren Investitionen eigentlich haben müsste, geht Stück für Stück verloren. Ein Grund: Das Spielsystem des VfL bei Ballbesitz ist sehr leicht zu durchschauen. „Wir wussten, was die machen. Lang geschlagener Ball auf Bas Dost, Kopfballablage auf die nachrückenden Spieler - darauf hatten wir uns natürlich eingestellt“, sagte der in der Bundesliga noch unerfahrene Fürther Torhüter Max Grün und war am Ende sogar ein wenig enttäuscht, dass er mit seinem Team nicht sogar noch in Wolfsburg gewonnen hatte.

          Allzu stille Sturmreserven

          Magath macht kein Geheimnis daraus, dass er seinen verletzten Hoffnungsträger Patrick Helmes - auch der war bei ihm schon mal in Ungnade gefallen - und Vaclav Pilar als Alternativen vermisst; beide fallen nach Kreuzbandrissen länger aus. Aber es ist ihm bisher auch nur bedingt gelungen, mit Hilfe seines großzügig besetzten Kaders zur Besserung beizutragen.

          Der 1,96-Meter-Angreifer Dost, zu Saisonbeginn aus den Niederlanden gekommen, müht sich, unterstützt von Olic, meistens als einzige Sturmspitze. Die stillen Offensivreserven wie der Schwede Rasmus Jönsson, der Kroate Srdjan Lakic und der Mazedonier Ferhan Hasani kommen nicht zum Zuge. „Man muss den Spielern Zeit geben, um sich zu finden“, meint Magath, der offenbar entschlossen ist, den Weg des VfL zurück nach oben in kleinen Etappen zu meistern.

          Die verärgerten Fans in Wolfsburg können sich mit dieser Variante des erhofften Aufschwungs nur schwer anfreunden. Wie schon beim 0:4 gegen Hannover 96 bekam das VfL-Team auch im zweiten Heimspiel gegen Fürth kritische Töne zu hören. Da kann es durchaus nicht schaden, sich erst einmal wieder auswärts an einem hohen Favoriten versuchen zu dürfen.

          „In München haben wir keinen Druck“, sagt Angreifer Olic und hat angesichts der Dominanz des FC Bayern in der Bundesliga vermutlich Recht. Mit seiner offenen Art hat der Kroate damit aber auch gesagt, wie weit Wolfsburg von den eigenen Ansprüchen und der Chance auf eine Rückkehr in die Champions League noch entfernt ist. Bei seiner Rückkehr nach München kann er in diesem Punkt Anschauungsunterricht nehmen.

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