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Wolfsburger Trainerturbulenzen : Wer kann mit dem Chef?

  • -Aktualisiert am

Entlassen: Mark van Bommel Bild: dpa

Mark van Bommel hat beim VfL Wolfsburg Paradiesisches vorgefunden und ist gescheitert. Die plötzliche Trennung vom Trainer wirft aber auch Fragen nach der Rolle von Geschäftsführer Jörg Schmadtke auf.

          2 Min.

          Das Grummelige, das Jörg Schmadtke stets zur Schau trägt, hat auch etwas Charmantes. Er mag es eben gerne kauzig und findet damit seinen Weg. Ob bei Alemannia Aachen, Hannover 96 oder dem 1. FC Köln: Was der frühere Torhüter als Manager oder Geschäftsführer sortierte, führte in der ersten Begeisterung zu erstaunlichem Erfolg, endete dann allerdings in Ungemach.

          Wer Schmadtke darauf anspricht, erlebt wahlweise einen smarten oder bockigen Entscheider. Beim VfL Wolfsburg hat er am Sonntag gemeinsam mit Sportdirektor Marcel Schäfer entschieden, dass Mark van Bommel als Cheftrainer durchgefallen ist. Nach neun Bundesliga-Spieltagen. Mitten in der Gruppenphase der Champions League.

          Bundesliga

          Die Korrektur der Personalie van Bommel verlangt nach einem Blick zurück. In Bruno Labbadia hatte der VfL einen erfolgreichen Trainer, der 2019 trotzdem gehen musste. Auf Wunsch Schmadtkes wurde Oliver Glasner geholt, der dann trotz noch mehr Erfolgs keinen gemeinsamen Nenner mit Schmadtke finden konnte.

          Jetzt heißt es vom VfL, es habe „mehr trennende als verbindende Faktoren“ gegeben. Dabei stand der VfL noch vor sechs Wochen dank vier Siegen in Folge als das Team der Stunde in der Bundesliga da. Dass nun nach ein paar Niederlagen alles aussichtslos erscheint, wirft nicht nur Fragen an van Bommel auf, sondern bringt grundlegende Bedenken ins Spiel.

          Richtig ist: Van Bommel ist es innerhalb von rund zwei Monaten nicht gelungen, eine klare Spielidee sichtbar zu machen. Glasner mochte lieber das schnelle Umschalten und führte den VfL damit bis in die Champions League. Van Bommel bevorzugte eine von Dominanz und Ballbesitz geprägte Spielstrategie.

          Das Gute zu übernehmen und es gewinnbringend zu ergänzen hat nicht funktioniert. Der daraus resultierende Misserfolg geht auf das Konto van Bommels und seines Trainerteams. Er muss nun mit dem Makel leben, in Wolfsburg etwas Paradiesisches vorgefunden zu haben und gescheitert zu sein.

          Eigene Mängel in Wolfsburg

          Richtig ist allerdings auch: Wer sich wie Schmadtke und Schäfer innerhalb kürzester Zeit so elementar korrigieren muss, offenbart eigene Mängel. Sich gegen Glasner und für van Bommel zu entscheiden war bereits purer Luxus. Immerhin hat Schmadtke am Tag nach der Freistellung van Bommels eingeräumt, dass die schnelle Trennung auch für ihn eine Niederlage sei. Um es noch herber zu formulieren: Falls Geschäftsführer und Sportdirektor bei der Nachfolgelösung für van Bommel wieder danebenliegen, sind ihrer eigenen Weiterentwicklung in Wolfsburg Grenzen gesetzt.

          Als Interimslösung darf sich bis auf Weiteres Michael Frontzeck beweisen. Er war im Sommer an der Seite van Bommels zum VfL gewechselt, als idealer Zuarbeiter mit langjähriger Erfahrung. Dar­über hinaus ist Frontzeck seit ­Jahrzehnten ein enger Vertrauter Schmadtkes. Das mag ein Geschmäckle haben oder für den Übergang hilfreich sein.

          In jedem Fall sucht der VfL einen neuen Trainer, der nicht nur zur Mannschaft, zu internationalen Zielen und zur Grundidee des Vereins passt. Der Nachfolger van Bommels muss in erster Linie auch zum Chef passen. Das ist mit Blick auf jene Trainerturbulenzen, für die Schmadtke seit seinem Dienstantritt 2018 gesorgt hat, eine ziemlich hohe Hürde.

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