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VfL Wolfsburg : Manchmal lügt die Tabelle doch

  • -Aktualisiert am

Magath: „Wir stehen da, wo wir stehen” Bild: ddp

Als Bundesliga-Achter Zufriedenheit zu erzeugen - das hat der Wolfsburger Trainer Felix Magath geschafft. Auf europäischer Bühne fehlt dem VfL noch ein Heimsieg über Portsmouth, und die Mannschaft hat ihr erstes Ziel erreicht.

          3 Min.

          Der VfL Wolfsburg hat in dieser Saison einen großen Schritt nach vorn gemacht. Leider sieht man es der Tabelle nicht an. Gefühlt ist der VfL der stabilste Klub im Fußball-Norden, gefühlt gehört der VfL zu den Spitzenteams der Liga. Trainer/Manager Felix Magath hat den Wolfsburgern einen gepflegten Offensivfußball verordnet, man schaut der Mannschaft jetzt gern zu, wie sie schnell, geordnet und manchmal sogar direkt nach vorn spielt. In Torwart Diego Benaglio, Innenverteidiger Andrea Barzagli, Mittelfeldspieler Zvjezdan Misimovic und Stürmer Grafite beschäftigt der VfL vier Profis, die in dieser Saison zu den auffälligsten Kräften der Liga gehören. Alles Einkäufe von Magath. Und doch ist der VfL nur Achter der Bundesliga.

          Die Tabelle lügt nicht, sagt man, oder tut sie es manchmal doch? Im Falle des VfL schon ein bisschen. „Wir stehen da, wo wir stehen, weil wir dreimal auswärts bei Topteams gut gespielt, aber verloren haben“, sagt Magath. In Leverkusen, München und Hoffenheim gab es Niederlagen, obwohl der VfL zumindest in München und Hoffenheim offensiv auftrumpfte, Tore schoss und zu unterhaltsamen Partien beitrug. Das lobte Magath auch ausdrücklich. Der nächste Schritt zum Spitzenteam wäre nun, nicht nur auswärts nett und ansehnlich dabei zu sein, sondern aggressiv zu punkten. So, wie es seit einiger Zeit daheim verlässlich gelingt - zweitbeste Heimelf sind die Wolfsburger; das halbleere Stadion ohne Stimmung gehört der Vergangenheit an.

          Der Aufstieg ins Sechzehntelfinale scheint sicher

          Die Blaupause für künftige auswärtige Heldentaten gibt es schon. Sie entstand am vergangenen Donnerstag in Braga, Portugal. Das 3:2 im zweiten Wolfsburger Spiel der Uefa-Pokal-Gruppe E beim SC Braga hat dem VfL den Einzug in die Zwischenrunde schon fast gesichert. An diesem Donnerstag kommt der FC Portsmouth aus der englischen Premier League in die Wolfsburger Arena (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker), und selbst bei einer Niederlage stiege der VfL ins Sechzehntelfinale im nächsten Jahr auf, sollte der Gruppenrivale Braga nicht in Heerenveen gewinnen.

          Blaupause für künftige Heldentaten: Auswärtssieg in Braga

          Der FC Portsmouth mit Trainer Tony Adams und dem langen Stürmer Peter Crouch steht auf Rang acht der Tabelle, hat im Uefa-Pokal aber erst einen Punkt geholt. Ein Remis gegen die Südengländer, und Magaths Mannschaft spielte am kommenden Donnerstag beim AC Mailand um den Gruppensieg. „Wir wollen mit einem Sieg die Chancen für die nächste Runde verbessern“, sagt Magath. Als Gruppensieger bekommt man einen der Gruppendritten zugelost. Während sich alle anderen deutschen Klubs in der kleinen europäischen Spielrunde also mehr (Schalke, HSV) oder weniger (Stuttgart) mühen, um europäisch zu überwintern, hat der VfL Wolfsburg bislang ein überzeugendes Bild abgegeben.

          Zu einer Spitzenmannschaft gehört, dass sie niemand unterschätzt

          Und das passt in diese Saison. Beim 0:0 am Sonntag in Dortmund die bessere Mannschaft, in München lange in Führung, in Hoffenheim mit der Aussicht auf einen Punkt - das waren vor Magaths Amtszeit Gegner einer Kategorie, gegen die der VfL von vornherein mutlos aufgetreten wäre. Wie schwer ein Wandel im Spiel mit herausragender Punktausbeute zu verbinden ist, sieht man gerade beim Hamburger SV.

          Beim VfL kommt noch etwas anderes hinzu. Nach dem überraschenden fünften Platz in der abgelaufenen Serie erwartete zunächst jeder in Ostniedersachsen, dass es in diesem Jahr von allein und von allein besser gehen müsse. Es ist aber viel schwieriger, vom Start weg hohe und höchste Ziele anzustreben, als sich mit einer Siegesserie zum Ende einer Saison noch auf einen fünften Rang zu stehlen. Zu einer Spitzenmannschaft gehört eben auch, dass sie niemand mehr unterschätzt.

          Immer in der Lage, das Tempo zu erhöhen

          Frappierend ist die Fitness in Magaths Mannschaft. „Ich habe mich noch nie im November so gut gefühlt“, sagte der derzeit verletzte Stürmer Grafite, „wir haben im Sommer so gut gearbeitet, dass ich immer noch frisch bin.“ Es gibt kaum Muskelverletzungen beim VfL, und wie man bei Siegen nach Rückständen sehen konnte, sind die Wolfsburger immer in der Lage, das Tempo zu erhöhen, wenn es sein muss.

          Als Achter der Liga Zufriedenheit zu erzeugen - das hat Magath geschafft. Zumindest, was den Aufsichtsrat angeht. Dessen Chef Stephan Grühsem sagte dem „Kicker“, man wolle Magaths Vertrag so schnell wie möglich verlängern. Der aktuelle läuft bis 2010. Grühsem sagte: „Uns sind Kontinuität und Stabilität wichtig. Das gilt für die Führung wie auch für die Mannschaft.“ Bleibt nur die Frage, ob der 55 Jahre alte Magath alle drei Posten behalten wird. Trainer, Sportchef, Geschäftsführer. Warum eigentlich nicht? Seit Wolfgang Wolfs Zeiten hat keiner den VfL Wolfsburg mehr so gut im Griff gehabt: Magath bringt sogar die Tabelle zum Lügen.

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