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Ärger bei Braunschweig : „Deswegen hasse ich diese Relegation“

Kämpferisch nach dem Hinspiel: Eintracht Braunschweig und Trainer Lieberknecht. Bild: Reuters

Ein umstrittener Elfmeter verhilft Wolfsburg zum Hinspiel-Sieg in der Bundesliga-Relegation. Braunschweig ärgert sich aber nicht nur über den Schiedsrichter, sondern auch über einen Vorfall in der Kabine.

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          Als Sascha Stegemann das Hinspiel der Bundesliga-Relegation am Donnerstagabend in Wolfsburg nach gut 93 Minuten beendete, musste man Schlimmstes befürchten. Torsten Lieberknecht nahm den Abpfiff als Startschuss und ging schnellen Schrittes gestikulierend und schimpfend auf den Schiedsrichter zu. Auf seinem Weg wurde der Braunschweiger Trainer nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft noch von seinem Kapitän Ken Reichel und vom gegnerischen Stürmer Mario Gomez kurz aufgehalten, ehe er vor dem Team der drei Unparteiischen stand. Erst gab er allen die Hand, um dann eindringlich seine Meinung zur Szene des Spiels loszuwerden.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Das einzige Tor für die Elf, die unbedingt in der Bundesliga bleiben will gegen das Team, das so gerne in die höchste deutsche Spielklasse aufsteigen möchte, war auf höchstumstrittene Weise gefallen. Gomez hatte eine Flanke mit dem rechten Unterarm abgelegt, ehe sein Wolfsburger Kollege Yunus Malli aus achtzehn Metern Torentfernung volley abzog. Gustav Valsvik, auf der Linie des Strafraums, warf sich in den Schuss und bekam den Ball an den angewinkelten Arm. Schiedsrichter Stegemann zögerte, blickte zu seinem Assistenten und entschied dann: Handelfmeter. Gomez verwandelte sicher zum einzigen Treffer in der 35. Minute.

          „Deswegen hasse ich diese Relegation. Es ist eine Entscheidung, die extrem weh tut. Mit so einer Entscheidung ist vielleicht eine ganze Saison am Arsch“, sagte der emotionale Lieberknecht. Es bliebe ein bitterer Beigeschmack. „Fußball schreibt so Scheiß-Geschichten.“ Auch Mirko Boland haderte mit dem „unglücklichen, fragwürdigen Elfmeter“. Der Mittelfeldspieler hatte zuvor die größte Chance der Braunschweiger, als er einen Kopfball aus fünf Metern nicht im Wolfsburger Tor zum so wichtigen Auswärtstor hatte unterbringen können (23.). „Leider muss ich sagen, dass der Schiedsrichter komplett falsch liegt“, sagte auch der Sportliche Leiter der Eintracht, Marc Arnold.

          Schnell riefen die Braunschweiger Vergleiche in Erinnerung, die ihre Benachteiligung untermauern sollten. Zum einen habe ihnen just Schiedsrichter Stegemann beim Derby bei Hannover 96 in der zweiten Bundesliga Mitte April bei der 0:1-Niederlage einen „klaren Elfmeter verweigert“. Dann brachten sie auch den viel diskutierten Freistoßpfiff nach einem Handspiel für den Hamburger SV in der Relegation in Karlsruhe vor knapp zwei Jahren ins Spiel. Auch dabei profitierte der Bundesliga-Verein von einer umstrittenen Entscheidung und erzielte danach den Ausgleich in der Nachspielzeit.

          Die Wolfsburger hielten sich wohlweislich bei der Bewertung zurück. Trainer Andries Jonker verwies nur auf einige Entscheidung gegen sein Team in der Bundesliga-Saison. Da er dazu nichts gesagt habe, wolle er dies nun auch nicht tun. Die Nachbarn, deren Städte nur gut 30 Kilometer entfernt liegen, lieferten sich kein hochklassiges, aber ein sehr umkämpftes Spiel mit vielen Zweikämpfen und Fouls. Der VfL konnte seine spielerische Überlegenheit, hervorgerufene durch individuelle Klasse nicht zu mehr als dem einen Tor aus elf Metern von Gomez nutzen. Das Zustandekommen war dem Nationalstürmer reichlich egal. „Alleine ich hätte in dieser Saison fünf Elfmeter bekommen müssen, die ich nicht gekriegt habe. Umso schöner, dass wir ihn dann in so einem Spiel bekommen.“

          Die umstrittene Entscheidung steht: Schiedsrichter Stegemann gibt Elfmeter. Bilderstrecke

          So geht Wolfsburg zwar mit einem Vorsprung, Braunschweig aber mit einem moralischen Pluspunkt in das Rückspiel am nächsten Montag (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET). Vor allem der aufgekratzte Lieberknecht schickte eine Kampfansage voraus. „Löwen beißen“, sagte er in Anspielung auf das tierische Wahrzeichen der Stadt, das sich auch im Wappen des Vereins wiederfindet. „Wir beißen extrem zurück am Montag, das kann ich versprechen.“ Die Wölfe sollten sich also in acht nehmen beim entscheidenden Duell.

          Zumal die Braunschweiger nicht nur über die Elfmeter-Entscheidung klagten. „Erstaunlicherweise waren alle unsere Schuhe nass, die wir vor dem Spiel in der Kabine schon hingestellt hatten. Vielleicht ist die Sprinkleranlage angegangen“, sagte Manager Arnold nach dem Spiel. „Irgendwas ist falsch gelaufen in der Kabine“, klagte auch Lieberknecht.

          Nach dem Hinspielsieg erst recht hat der VfL mehr zu verlieren. Mit einer Mannschaft, die angetreten war, um den Europapokal zu erreichen, rutschte das Team immer weiter ab in der Tabelle – und in der 88. Minute des letzten Spieltags beim Hamburger SV auf den Relegationsplatz. Setzen sich die Wolfsburger durch, wird also nur der größte anzunehmende Unfall verhindert. Braunschweig indes hat nun nichts zu verlieren – und die Sympathien aufgrund der unglücklichen Niederlage in der ersten Partie wohl auf seiner Seite. „Es war ein ganz toller Auftritt unserer Mannschaft“, sagte Arnold. Lieberknecht sah gar ein „phantastisches Spiel“. Man habe eine „gute Ausgangsbasis“. Für Spannung ist also gesorgt am nächsten Montag. Es geht im finalen Showdown um nicht weniger als den letzten Platz in der Bundesliga für die Saison 2017/18.

          Braunschweig-Fans bewerfen Polizei

          Vor dem Relegations-Hinspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei gekommen. Aus einer Gruppe von 1200 Braunschweig-Fans seien Flaschen und Steine auf Polizisten geworfen worden, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Auf dem Weg zum Stadion sei auch Pyrotechnik eingesetzt worden. Die Beamten hätten die Lage per Wasserwerfer beruhigt, weitere Schwierigkeiten habe es nicht gegeben, auch keine Festnahmen. Auf Fanseite gab es laut´Polizeisprecher vereinzelte Verletzte.

          Nach dem Spiel, dass Wolfsburg mit 1:0 gewann, kam es auf dem Weg vom Stadion zum Hauptbahnhof zu einigen leichteren Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Klubs. Laut Polizei wurden im Laufe des Tages vier Personen in Gewahrsam genommen. In der Nacht zum Donnerstag waren bereits zwei Personen in Gewahrsam genommen worden. Für eine Gesamtbilanz sei es aber noch zu früh. Laut Angaben des VfL Wolfsburg wurden 341 Besuchern der Zutritt zur Volkswagen Arena verwehrt. Über die genauen Gründe machte der Klub keine Angaben. (dpa)

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