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Wolfsburg gegen Braunschweig : Ein ganz besonderer Nachbarschaftsstreit

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Wo geht es hier in die Bundesliga? Nur einer kann sich in der Relegation durchsetzen. Bild: dpa

Das David-gegen-Goliath-Spiel beherrschen die Braunschweiger perfekt. Vor dem ersten Duell der Bundesliga-Relegation schickt die Eintracht einen kleinen Gruß nach Wolfsburg.

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          Seine frechen Auftritte auf und neben dem Platz machen großen Spaß. Und vielleicht ist Julius Biada einer der besten Kronzeugen, die sich für diese besondere Geschichte finden lassen. Der 24 Jahre alte Offensivspieler von Eintracht Braunschweig will die Welt des Fußballs erobern. Er möchte nach oben, für den Erfolg schuften und zeigt wenig Respekt dabei. Den enormen Druck, für den die anstehenden Relegationsspiele zwischen Braunschweig und den ungeliebten Wolfsburgern sorgen, empfindet er als Ansporn. „Wir müssen nicht, wir dürfen diese Spiele bestreiten“, sagt Biada in seiner unbekümmerten Art. Er bekommt es auf der Gegenseite mit erfahrenen und erfolgsverwöhnten Berufskollegen wie Mario Gomez und Luiz Gustavo zu tun. Solche Größen stolpern zu sehen, davon träumt wie Biada die gesamte Braunschweiger Region.

          Mit der besonderen Kleiderordnung fängt das Kuriose an diesem niedersächsischen Nachbarschaftsstreit schon an. Wenn der VfL Wolfsburg am Donnerstag (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) die Eintracht empfängt, dürfen die Zuschauer außerhalb des mit 3000 Braunschweiger Fans gefüllten Gästeblocks keine blau-gelben Trikots tragen – angeblich aus Sicherheitsgründen, weil der VfL die Rivalität nicht noch weiter schüren will. „Ich bedauere es sehr, wenn man nicht zeigen kann, zu welchen Farben man steht“, sagt Torsten Lieberknecht. Der Eintracht-Trainer gilt als Meister der Emotionen und Rührseligkeiten.

          Das bekannte David-gegen-Goliath-Spiel beherrscht er aus dem Effeff. Diese Wolfsburger, das sind doch die, die mit den vielen Millionen von Volkswagen zuletzt so wenig anzufangen wussten. Dass sein Verein dank der VW-Tochter Seat auch großzügig unterstützt wird, erwähnt Lieberknecht in diesem Zusammenhang eher selten. Aber es stimmt schon: Braunschweig könnte mit dem Sprung in die erste Liga seinen Etat auf rund 40 Millionen Euro verdoppeln. Der VfL ist es dagegen bisher gewohnt, ein Saisonbudget von bis zu 100 Millionen Euro bewilligt zu bekommen. Allein diese Kluft müsste eigentlich dafür sorgen, dass Wolfsburg sich durchsetzen kann – wenn da nicht dieses latente flaue Gefühl beim VfL vorherrschen würde.

          Um sich besser als zuletzt auf seine Aufgaben vorbereiten zu können, haben die Wolfsburger ihre Heimat verlassen. Für ein kurzes Trainingslager eine Busfahrt über 300 Kilometer bis an die deutsch-niederländische Grenze anzutreten, das klingt nach einem interessanten Plan. Bis zuletzt war VfL-Coach Andries Jonker der festen Überzeugung, dass seine Mannschaft einfach zu gut für den Abstieg sei und keine Abschottung nötig habe. Jetzt versucht der Niederländer auf den allerletzten Metern einer erschreckend schlechten Saison, sein Team zu sensibilisieren und mental zu stärken. „Die Emotionen werden eine große Rolle spielen“, befürchtet Jonker. Er hatte zuletzt kopfschüttelnd miterleben müssen, wie seine Mannschaft im letzten Saisonspiel beim Hamburger SV (1:2) ihre Ordnung und die Nerven verloren hatte.

          Jonker darf für sich in Anspruch nehmen, ein gutes Auge für taktische Raffinessen zu haben. Lieberknecht dagegen dreht mehrheitlich an der emotionalen Schraube, wenn er sein Team auf große Aufgaben vorbereitet. In den vergangenen Tagen hat er es geschafft, an der Wahrheit zu drehen. Denn auch Braunschweig, das in der Zweiten Bundesliga dank eines peinlichen 0:6 bei Arminia Bielefeld den vorzeitigen Aufstieg verspielt hat, befindet sich eher in einem Tal des Jammers. Aber Lieberknecht gelingt es immer wieder, die Fans zu begeistern. „Es ist unfassbar, wie man einen Verein so lieben kann. Das gibt viel Kraft für die beiden schweren Spiele“, sagte jener Mann, der schon seit zehn Jahren bei der Eintracht im Amt ist. Seine Mannschaft hat er vor dem Showdown in Wolfsburg im gewohnten Umfeld üben lassen. Warum? „Unsere Teamfähigkeit“, erklärt Lieberknecht mit indirektem Gruß nach Wolfsburg, „liegt nicht brach.“

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