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Wolfsburg-Sportdirektor Rebbe : Ein Quereinsteiger dreht am großen Rad

  • -Aktualisiert am

Olaf Rebbe: Der neue Sportdirektor des VfL ist erst wenige Wochen im Amt und hat schon fast 100 Millionen Euro auf dem Transfermarkt bewegt. Bild: Picture-Alliance

Olaf Rebbe bahnt sich still und heimlich seinen Weg: Der VfL Wolfsburg hat ihn jetzt zum Sportdirektor befördert. Und der bisher unbekannte Zuarbeiter lässt gleich einmal aufhorchen.

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          Einmal musste es wohl noch laut und deutlich gesagt werden. Um die letzten Zweifler zu beruhigen, wer beim VfL Wolfsburg künftig an den entscheidenden Strippen zieht, ist Olaf Rebbe nun auch ganz offiziell zum Sportdirektor befördert worden. Die Personalie lässt vor allem deshalb aufhorchen, weil in Wolfsburg zuletzt eine Art Vakuum entstanden war. Mitte Dezember musste mit Klaus Allofs eine der wichtigsten Persönlichkeiten des deutschen Profifußballs ihren Posten beim VfL räumen. Der normale Reflex wäre gewesen: Sein Erbe soll eine Größe wie Matthias Sammer oder zumindest ein ähnliches Kaliber antreten. Der VfL hat sich für den bisherigen Assistenten von Allofs entschieden. Er vertraut auf einem Posten dem Nachwuchs, der eigentlich Promis und Vollprofis vorbehalten bleibt.

          Olaf wer? Die Frage, die sich viele stellen werden, ist verständlich und doch auch gemein. Denn Rebbe hat bisher zu jenen Netzwerkern im Bundesliga-Geschäft gezählt, von denen die Öffentlichkeit kaum Notiz nehmen konnte oder sollte. Er war erst bei Werder Bremen und seit 2013 auch beim VfL Wolfsburg der stille Zuarbeiter für Allofs. Für einen 38 Jahre alten Liebhaber des Fußballs klingt es traumhaft, nun plötzlich schon in der ersten Startreihe angekommen zu sein. Rebbe hat vor kurzem dafür gesorgt, dass Nationalspieler Julian Draxler zu Paris Saint-Germain gewechselt ist und dafür rund 42 Millionen Euro nach Wolfsburg überwiesen werden.

          Kurz danach hat er mit Riechedly Bazoer von Ajax Amsterdam und Yunus Malli vom FSV Mainz 05 zwei begehrte Profis mit Perspektive unter Vertrag genommen. Mit Paul-Georges Ntep von Stade Rennes kam am Montag noch ein neuer Stürmer dazu. Solche Personalien lassen aus monetären und inhaltlichen Gründen aufhorchen. Und sie verscheuchen Stück für Stück die Skepsis gegenüber Rebbe.

          Im Trainingsanzug auf dem Trainingsplatz: Rebbe ist nah an der Mannschaft dran.
          Im Trainingsanzug auf dem Trainingsplatz: Rebbe ist nah an der Mannschaft dran. : Bild: dpa

          Ob es wirklich ein Geschenk ist, bundesweit als der neue Allofs beäugt zu werden, darüber lässt sich streiten. Der frühere Nationalspieler war für die Wolfsburger ein glänzender Repräsentant, der genau wusste, wann er öffentlich lächeln, poltern, schweigen und auch mal lügen musste. Rebbe dagegen ist ein sehr introvertierter Mann. Er spricht meistens sehr leise, hat es als aktiver Fußballer gerade einmal bis in die Bezirksoberliga geschafft und hat sich mit Glück und Geschick auf der Karriereleiter des Sports versucht.

          Als Hobby-Funktionär, als Praktikant bei Borussia Dortmund und als Marketingleiter von Werder Bremen. Seine Vita liest sich wie ein Mutmacher für alle, die davon träumen, als Quereinsteiger irgendwann irgendwie auch am ganz großen Rad des Fußballs drehen zu dürfen. An der Tatsache, dass ein gewisser Mario Gomez den Weg zum VfL Wolfsburg gefunden hat, war Rebbe maßgeblich beteiligt. Dass davon nichts zu hören und zu lesen war, könnte an der Omnipräsenz von Allofs gelegen haben. Und an der Mischung aus Loyalität und Seriosität, mit der Rebbe sich still und heimlich seinen Weg bahnt.

          Die Ziele, die ein Novize wie Rebbe mit einem prominenten Verein wie dem VfL Wolfsburg erreichen will, sind zunächst bewusst klein gesteckt. Statt großer Töne und der Sehnsucht nach der Champions League geht es ihm um darum, Ruhe einkehren zu lassen und Alltagssorgen zu verscheuchen. Die Niedersachsen waren unter der Regie von Allofs bei dem Versuch, mit Hilfe von Transfers der Güteklasse A ein Abo auf vordere Tabellenplätze zu lösen, nach einem sehr guten Jahr zweimal krachend gescheitert.

          Rebbe und Valérien Ismaël als neuer Trainer sind damit beschäftigt, den Spielerkader so zu sortieren, dass wieder mehr Profis mit Elan und Leidenschaft für den VfL am Ball sind. Beide kämpfen um ihre Chance, tüchtige Karrieresprünge nutzen zu können. Ismaël ist erstmals in der ersten Liga Chefcoach. Rebbe muss sich erstmals im Rampenlicht beweisen. Dass er „nur“ Sportdirektor und nicht wie sein Vorgänger Allofs auch Geschäftsführer geworden ist, lässt dem smarten Emporkömmling noch Luft nach oben.

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