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Fußball-Bundesliga : Wolfsburg entlässt Ismaël nach Hängepartie

  • -Aktualisiert am

Für Valérien Ismaël ist die Zeit auf der Trainerbank in Wolfsburg wieder vorbei. Bild: dpa

Fast zwei Tage nach der Niederlage gegen Bremen trifft Wolfsburg eine Entscheidung in der Trainerfrage. Valérien Ismaël muss die Bank räumen. Sein Nachfolger soll schnell präsentiert werden.

          Fast zwei Tage lang hatte die Entscheidung reifen müssen. Die Einsicht, dass Valérien Ismaël nicht mehr der richtige Trainer für den VfL Wolfsburg ist, war erst nach einer höchst unangenehmen Hängepartie gefallen. „Über mich ist von Anfang an diskutiert worden“ – mit dieser leicht verbitterten Erkenntnis ist der Cheftrainer eines Vereins abgetreten, in dem derzeit nur sehr wenig stimmt.

          Drei Übungsleiter und zwei Sportdirektoren in einer Saison: Das ist eine Bilanz, die zum sportlichen Elend bei den Niedersachsen passt. Dass es in Wolfsburg statt um den erhofften Einzug in die Champions League in dieser Saison nur um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga geht, macht alle Beteiligten nervös. Die Quittung dafür hat jetzt Ismaël ausgestellt bekommen, der am Sonntagabend von seinen Aufgaben entbunden wurde.

          Rund vier Monate lang hatte Ismaël als Nachfolger von Dieter Hecking versucht, eine formschwache Mannschaft zu beflügeln. Immer mal wieder gab es einen Funken Hoffnung. Aber die Leistungsschwankungen und Rückschläge waren zu groß. Bestes Beispiel war die 1:2-Heimniederlage am Freitag gegen Werder Bremen. Die Wolfsburger hatten die Partie dominiert, sich eine Vielzahl an Torchancen herausgespielt – und scheiterten.

          Ismaël musste sich hinterher wohl auch eingestehen, dass selbst drastische Veränderungen nicht gegriffen hatten. Gegen Bremen hatte der Deutsch-Franzose gleich fünf Stammspieler zunächst auf die Ersatzbank gesetzt – darunter auch Mario Gomez. Wer so einschneidenden Maßnahmen trifft, riskiert viel. Ismaël ist gescheitert, weil die Vereinsführung schließlich das Vertrauen in seine Arbeit verlor. Sie sieht nach 20 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit des VfL Wolfsburg das Große und Ganze akut gefährdet.

          Die Entscheidungshoheit hinter den Kulissen hat sich verschoben. Mit dem Scheitern von Geschäftsführer Klaus Allofs, der Mitte November entlassen wurde, nimmt der Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg Fußball GmbH wieder deutlich mehr Einfluss. Nach Rücksprache mit dem Gremium, das mehrheitlich mit Managern des VfL-Hauptsponsors Volkswagen besetzt ist, musste gehandelt werden. Als Nachfolger von Ismaël soll ein Trainer installiert werden, der auf eine gute Teamarbeit mit Sportdirektor Olaf Rebbe vertraut.

          Unter dessen Regie ist der Spielerkader während der Winterpause erheblich verändert worden – ohne dass es bisher gelungen wäre, eine Mannschaft mit Stabilität und einer funktionierenden Hierarchie zu formen. Die Mehrheit der Wolfsburger Stammspieler spielt weit unter ihren Möglichkeiten. Das immer wieder neu sortierte Team ist schwer zu delegieren. „Es ist eine katastrophale Situation“, meint Mittelfeldspieler Christian Träsch. Er spricht stellvertretend für eine Mannschaft, die eigentlich mit Ismaël weiterarbeiten wollte und die an diesem Montag offiziell erfahren soll, wer ihr neuer Cheftrainer wird.

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