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VfL Wolfsburg : Der strenge Herr Littbarski

  • -Aktualisiert am

Der neue Herr Littbarski: Eben war er noch Duzfreund der Spieler Bild: dpa

Pierre Littbarski will nicht mehr der nette „Litti“ sein und greift gleich am ersten Tag im neuen Amt durch: Er suspendiert Spielmacher Diego für die kommende Partie. Außerdem müssen seine ehemaligen Duzfreunde ihn ab sofort siezen.

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          Der neue starke Mann legte bei den üblichen Aufräumarbeiten noch wie gewohnt selbst Hand an. Mit Fahnenstangen und Trainings-Leibchen im Arm beendete Pierre Littbarski seine erste Trainingseinheit als Chefcoach des VfL Wolfsburg. Der Beurlaubung von Steve McClaren am Montag, der nach einem halben Jahr in der Fußball-Bundesliga gescheitert ist, folgten klare Kampfansagen.

          „Ich werde einige Sachen härter angehen“, sagte Littbarski - und meinte vor allem Diego. Dem brasilianischen Spielmacher, der sich zuletzt entgegen der Anweisungen des Trainerstabes zum Elfmeterschützen erklärt hatte, verordnete er eine Zwangspause. Littbarski suspendierte Diego für eine Partie und deutete damit an, dass er nicht mehr als der nette „Litti“, sondern als Herr Littbarski agiert.

          „Herr Littbarski hat bei uns alle Disziplinar-Gewalt“

          Eben war er noch Duzfreund der Spieler. Jetzt soll er mit harter Hand eine Mannschaft davor bewahren, sich immer weiter den Abstiegsrängen anzunähern. „Meine Rolle wird jetzt eine andere. Ich werde mehr Distanz zu den Spielern haben“, sagte er. Jenen 16 Wolfsburger Spielern, die nicht mit ihren Nationalmannschaften auf Reisen waren, legte er seine Sicht der Dinge dar.

          Einmal aussetzen: Superstar Diego (l) wird von Cheftrainer Littbarski gemaßregelt
          Einmal aussetzen: Superstar Diego (l) wird von Cheftrainer Littbarski gemaßregelt : Littbarski suspendiert Diego für HSV-Spiel Bild: dapd

          Von zu vielen Egoismen war da die Rede. Von einem Mangel an Einsatzbereitschaft und dem fehlenden Willen zur Identifikation mit dem Verein. Littbarski wurde während seiner erfolgreichen Laufbahn als Spieler mit dem Spitznamen „Litti“ bedacht, weil ihm stets der Schalk im Nacken sitzt und er für nahezu jeden Spaß zu haben ist. Jetzt steht als Cheftrainer unter Druck. Oder wie es VfL-Chef Dieter Hoeneß, der McClaren absetzte und Littbarski auf unbestimmte Zeit beförderte, auf seine Art formulierte: „Herr Littbarski hat bei uns alle Disziplinar-Gewalt.“

          Warten Huub Stevens und Ralf Rangnick schon im Hintergrund?

          Was Littbarski sofort erstklassig hinbekam, war seine gute Miene zum bösen Spiel. Es ist offensichtlich, dass er in Wolfsburg nur so lange als erster Mann gebraucht wird, bis der ehrgeizige Verein eine bessere Lösung gefunden hat. „Die Punkte entscheiden, wie lange wir in dieser Konstellation zusammenarbeiten. Wir dürfen nicht weiter nach unten rutschen“, antwortete Hoeneß auf die Frage, bis wann Littbarski denn der erste Mann bleiben dürfe und ob er sich tatsächlich mit Kandidaten wie Huub Stevens oder Ralf Rangnick getroffen habe.

          Unter McClaren war Littbarski ein Bindeglied zwischen Cheftrainer und Mannschaft, das vor allem mit seinem Gespür für Befindlichkeiten und die richtigen Worte gewirkt hat. Weil er schon in Japan, Australien, Liechtenstein und im Iran als Trainer gearbeitet hatte, war er in Wolfsburg bisher vor allem als fußballaffiner Dolmetscher gefragt.

          Aber die Debatte, ob es jetzt auf Englisch oder auf Deutsch wieder bergauf gehen soll, würgte der frühere Dribbelkünstler entschlossen ab. „Ich hoffe, ich spreche die Fußball-Sprache. Das ist hier im Moment das Wichtigste“, sagte Littbarski mit einem klaren Ton in der Stimme. Bergauf ging es zunächst am künstlich angelegten Trainingshügel in Wolfsburg. Littbarski scheuchte seine Spieler deutlich mehr als sein Vorgänger.

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