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Ärger vor Ruhrpott-Derby : In Bochum liegen die Nerven blank

  • -Aktualisiert am

Angezählt: Trainer Thomas Reis steht in Bochum nicht nur wegen des sportlichen Misserfolges in der Kritik. Bild: picture alliance/dpa

VfL-Trainer Thomas Reis soll mit Schalke 04 geflirtet haben. Er zeigt sich mitgenommen von den Anschuldigungen, sein Klub geht auf Abstand. Nun kommt es zum direkten Duell. Die Brisanz ist groß.

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          Die Begegnung hat Züge eines Klassentreffens, wenn der VfL Bochum am Samstagabend (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) zu Gast auf Schalke in der Nachbarstadt Gelsenkirchen sein wird. Man hat sich lange nicht gesehen, seit 2010 konnte dieses zwar kleine, aber traditionsreiche Revierderby nicht mehr stattfinden.

          Seither spielte entweder der eine Klub in der zweiten Bundesliga oder eben der andere, aber nicht nur deshalb treffen sich hier alte Bekannte. Am Spielfeldrand wird Schalkes Sportvorstand Rouven Schröder dem neuen Bochumer Sportgeschäftsführer Patrick Fabian über den Weg laufen, mit dem er einst ein Innenverteidigerduo bei der zweiten Mannschaft des VfL bildete.

          Bundesliga

          Mit dem Bochumer Trainer Thomas Reis spielte Schröder in der Saison 2001/2002 zusammen an der Castroper Straße in der zweiten Liga, und es gibt Berichte, denen zufolge sich der Schalker Sportvorstand und der Bochumer Chefcoach auch im Frühjahr getroffen haben. Angeblich um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Im Anschluss an diesen Austausch soll Reis bei der Bochumer Klubführung darum gebeten haben, nach Schalke wechseln zu dürfen, doch er erhielt keine Freigabe.

          Reis verliert an Rückendeckung

          Diese Geschichte hat in Bochum schwere Erschütterungen ausgelöst, inzwischen ist sogar denkbar, dass die Verantwortlichen des VfL Reis demnächst entlassen. Manche Beobachter halten es jedenfalls für schwer vorstellbar, dass der angeschlagene Trainer bleiben darf, wenn Bochum auf Schalke auch das sechste Bundesligaspiel dieser Saison verliert.

          Zum Wochenbeginn mochte sich Sportdirektor Fabian gegenüber der „WAZ“ jedenfalls nicht klar zu Reis bekennen, als er nach den Folgen einer weiteren Niederlage gefragt wurde: „Wir schauen uns an, wie die Leistung der Mannschaft unter der Woche und beim Spiel ist. Dann werden wir weitersehen“, sagte er.

          In jedem Fall ist Reis ziemlich gebeutelt nach den Geschichten über seinen angeblichen Flirt mit den Schalkern, von dem er versichert, dass das alles so nie stattgefunden habe. „Man ist ja auch nur Mensch. Das, was in der letzten Woche auf mich eingeprasselt ist, ist nicht schön. Mir ist das schon ein bisschen nah gegangen“, sagt er. Nachdem er den Klub innerhalb von drei Jahren von einem Abstiegskandidaten in der zweiten Liga zu einer bejubelten Bundesligamannschaft weiterentwickelt hat, hat sein Ansehen nun Schaden genommen.

          „Ich weiß nicht, von wem und warum dieses Gerücht in die Welt gesetzt worden ist, und ich werde vermutlich auch nie erfahren, wer die Informanten waren“, sagt er. Die Unruhe ist enorm bei den Bochumern, die als Tabellenletzter der Bundesliga eigentlich genügend andere Probleme haben.

          Ein unehrlicher Blick

          Zwei Mal wurde Reis am Donnerstag gefragt, ob er einen Fehler gemacht habe, woraufhin er zunächst sagte: „Was heißt ,einen Fehler gemacht‘? Im Endeffekt kommt die Unruhe daher, dass wir keine Punkte haben.“ In jedem Fall sind die bereits begonnenen Verhandlungen über eine Verlängerung seines bis zum Saisonende laufenden Vertrages beim VfL vorerst auf den November verschoben worden, und die Träumer unter den Fans können mal wieder sagen: Früher, zu Zeiten der ewigen Vereinstreue von Leuten wie Uwe Seeler oder Uli Hoeneß, war alles besser. Dieser Blick auf den Profibetrieb ist jedoch ziemlich unehrlich.

          Wenn es nicht läuft, brüllen die Fankurven ganz schnell: „Trainer raus!“ Wenn sich aber ein Trainer mit einem Funktionär von einem anderen Verein zu einem Austausch trifft und sich womöglich sogar eine berufliche Umorientierung vorstellen kann, wird das von den gleichen Leuten als Betrug empfunden. Dabei ist es doch für jeden Arbeitnehmer selbstverständlich, sich Angebote für den nächsten Karriereschritt anzuhören, wenn sie von einem interessanten Unternehmen kommen.

          In der Zirkusmanege des Fußballs gilt so ein Verhalten aber als Tabubruch, und beim VfL liegen jetzt die Nerven blank. „Unter der Woche gab es einen Tumult, nachdem Torhüter Manuel Riemann einen Mitspieler beleidigt hat. „Ich habe heute beim Training ein Wort benutzt, das benutzt man nicht“, sagte Riemann anschließend in einem Video, das er auf Instagram veröffentlichte. Er sei in diesem Moment seiner „Vorbildfunktion nicht gerecht geworden“.

          Es wird wohl erst ruhiger werden an der Castroper Straße, wenn sich das Punktekonto füllt, was vielleicht sogar dem Schalker Trainer Frank Kramer recht sein könnte. Auch Kramer steht unter Druck, weil er die seit seinem ersten Arbeitstag auf Schalke kursierenden Zweifel an seiner Eignung für den schwierigen Job bislang nicht entkräften konnte.

          Sollte Reis nach einer Entlassung theoretisch für die ebenfalls noch sieglosen Schalker zur Verfügung stehen, können die Gerüchte über die angeblich geführten Gespräche zwischen Schröder und dem Bochumer Fußballlehrer ganz schnell auch den Frieden in Gelsenkirchen stören.

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