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VfB-Coach Zorniger : „Die Leistungsfähigkeit eines Fußballers hat keine Grenze“

  • -Aktualisiert am

Tüflter und Denker: Alexander Zorniger Bild: dpa

Den VfB Stuttgart will Alexander Zorniger zurück zu alten Erfolgen führen. Im Interview erläutert er seine Vorstellung von Fußball und fordert von seinem Team Disziplin, Laufbereitschaft – und Chaos.

          8 Min.

          Hilft es, ein Schwabe zu sein, wenn man den VfB trainiert?

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Es hilft, ein Schwabe zu sein, auch wenn man außerhalb von Württemberg arbeitet.

          Weil?

          Weil der Schwabe ein paar Eigenschaften hat, die ihn auszeichnen. Diese Zielorientiertheit, dieses manchmal auch Verbissene, wenn es sein muss. Dass man sich nicht frühzeitig zufrieden gibt oder sich zu irgendwelchen Dingen zu viele Gedanken macht. Das hat mir bislang in Drucksituationen geholfen und mich vielleicht auch hierher gebracht. Natürlich wird jetzt mehr auf die Sprache bezogen, ich mach da auch keinen Hehl daraus, ich spreche nun mal schwäbisch. Aber das macht es mir nicht leichter.

          Aber in Stuttgart schon, oder?

          Wenn wir die ersten drei Spiele verlieren, wird es vielleicht heißen: die Spieler verstehen ihn nicht. Wir haben ja nicht nur Schwaben im Aufgebot.

          Sitzt der Stachel noch tief, dass Sie bei RB Leipzig beurlaubt wurden?

          Ich weiß nicht, ob Stachel das richtige Wort ist. Natürlich ist es dort am Ende nicht so gelaufen, wie wir es alle erhofft haben. Auf jeden Fall sind mit Ralf Rangnick (dem Leipziger Sportdirektor, d. Red.) und mir zwei starke Charaktere aufeinander getroffen. Beide respektieren sich, aber beide glauben, dass der andere Schwachstellen hat, bei denen man ihm helfen könnte.

          Hat Ihr Verhältnis darunter gelitten?

          Durchaus. Ich werde Ralf Rangnick aber dennoch nie vergessen, dass er mit die Chance gegeben hat, sein Name wird positiv besetzt bleiben. Aber ich bin auch noch nicht soweit, dass ich sage, danke, Ralf, dass Du mich dazu gebracht hast, dass wir im Februar das Thema Leipzig beendet haben.

          VfB-Trainer Veh floh in der vergangenen Saison nach 12 Spieltagen, weil er keine Perspektive sah. Und seinem Nachfolger Stevens gelang die Rettung erst am letzten Spieltag. Mit welchem Versprechen hat Sie der VfB hierher gelockt, dass Sie diese schwierige Aufgabe übernommen haben?

          Die Tatsache erste Liga ist kein Versprechen, sondern eine Möglichkeit. Ich sage meinen Spielern seit meiner Verbandsligazeit: Geht an euer Maximum. Das gilt auch für mich. Wenn ich jetzt die Möglichkeit bekomme, nach einem halben Jahr als Zweitligatrainer in der Bundesliga zu trainieren, noch dazu bei dem Verein meiner Heimat, dann würde ich alles verleugnen, was ich meinen Spielern jemals gesagt habe, wenn ich die Möglichkeit nicht ergreifen würde. Glauben Sie mir, ich habe schon die eine oder andere Nacht verbracht, Du Alex, das ist schon ein Brocken. Aber ich könnte nicht mehr in den Spiegel gucken, wenn ich gesagt hätte, das Risiko ist mir zu hoch.

          RB Leipzig verließ Zorniger im Zorn
          RB Leipzig verließ Zorniger im Zorn : Bild: dpa

          Welche Ziele hatten Sie, als Sie den Fußballlehrer-Lehrgang als Bester abschlossen, und welche haben Sie heute, da Sie es in die Bundesliga geschafft haben? Hat sich etwas verändert?

          Nein. Ich versuche jeden Tag auf den Platz zu gehen und was mit der Mannschaft und für den Verein zu entwickeln. Und zwar so zu entwickeln, dass ich mich nicht verbiegen muss. Im Umgang mit meinen Spielern, im Umgang mit meinem Umfeld, im Umgang mit mir selber. Da kommt es mir gar nicht darauf an, ob das in der Bundesliga geschieht oder in der Verbandsliga. Mir haben zwei aus meinem Trainerlehrgang gesagt, nachdem ich als Bester abgeschlossen hatte, deine Ansprüche müssen jetzt die höchsten sein. Aber meine Ansprüche lagen niemals darunter. Ich wollte immer das Maximum erreichen, habe das allerdings nie an Titeln oder auch nur an Ligen fest gemacht.

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