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VfB-Coach Zorniger : „Die Leistungsfähigkeit eines Fußballers hat keine Grenze“

  • -Aktualisiert am

Dass ich den Gegner damit konfrontiere, ich habe vier zentrale Mittelfeldspieler, zwei Achter, einen Sechser und einen Zehner. Ich habe zwei Innenverteidiger und zwei Spitzen, das heißt, ich habe im Zentrum und in den Halb-Positionen acht Spieler - wie kriegst du die zu? Und wenn der Gegner sagt, das mache ich aus einem 4-4-2 heraus und es funktioniert, dann muss ich mir wieder was einfallen lassen.

Sie sagen, Sie brauchen Spieler, die Ihnen bedingungslos vertrauen. Wie erwerben Sie sich das Vertrauen der Spieler?

Indem man ihnen vorlebt, was man von ihnen erwartet, dass man in erster Linie ehrlich mit ihnen umgeht, weil man ihnen dadurch die Möglichkeit gibt, die Dinge auch zu tun, die der Trainer von ihnen erwartet.

Wie leben Sie Ihren Spielern vor, was Sie von ihnen verlangen? Sprinten Sie in die Kabine, statt zu gehen?

Nein. Aber ich habe keine Berührungsängste, einen Sechser auch mal zu schnappen und ihn in die Position reinzuziehen, wo ich ihn hinhaben möchte. Wir erwarten nichts von unseren Spielern, was wir nicht mit ihnen trainiert haben. Wenn Spieler Dinge nicht begreifen, dann sage ich ihnen nicht nur, was ich von ihnen will, sondern auch warum. Und welche Folgen es hat, wenn sie es tun oder eben nicht tun. Die Spieler müssen ein Gesamtverständnis für unser Spiel entwickeln, für die Aufgaben auf allen Positionen. Unser Spiel muss man nicht nur lernen, sondern auch fühlen.

Die Neuen in Stuttgart
Die Neuen in Stuttgart : Bild: dpa

Reicht die Zeit bis zum Bundesligastart, dass die Mannschaft ein Gesamtverständnis entwickelt?

Die Mannschaft war innerhalb einer Woche so weit, wie ich es zu diesem Zeitpunkt noch nie mit einer Mannschaft war. Wir waren aber nach zwei Wochen auch so weit, dass wir gegen Bern glasklar die fatalen Folgen vor Augen geführt bekamen, wenn wir nicht intensiv spielen, sei es aus körperlichen Gründen oder aus Zweifeln heraus, ob das alles so funktioniert. Bei uns war es der erste Grund und wir verloren 1:4. Es ist Grobarbeit und es ist Detailarbeit. Zuerst muss ich mir, wenn ich den Ball verliere, mal bewusst machen, ich hab den Ball verloren. Dass ich dann wie bislang meistens in meiner Position bleibe, gilt nicht mehr, sondern, dass ich dann gegen den Ball arbeite. In einem Satz: Verlieren wir den Ball, spielen elf Spieler gegen den Ball.

Sie behaupten, Fußball sei ein Fehlerspiel. Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dieser Erkenntnis?

Ich bin davon überzeugt, dass im Fußball nicht immer die geplante Aktion, die in großer Kunstfertigkeit ausgeführt wurde, die Spiele entscheidet, sondern Fehler, die der Gegner ausnutzt. Damit muss ich umgehen. Es macht also für mich keinen Sinn, nur Energie darauf zu verwenden, Dinge perfektionieren zu wollen, die nicht einmal Topmannschaften geschafft haben. Wenn ich an die Bayern im Champions-League-Hinspiel gegen Porto denke, in dem sie in der Innenverteidigung katastrophale Fehler begingen, wenn ich an das Finale Bayern gegen Chelsea denke, wo die Engländer hoffnungslos unterlegen waren, und trotzdem das Ding gewannen, dann komme ich zu dem Schluss, dass Fußball ein Fehlerspiel ist. Und dann ist es wichtig, wo dürfen wir die Fehler machen und was machen wir, wenn der Fehler passiert ist?

Also reden Sie - in manchen Situationen - dem gewollten Fehlpass das Wort?

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