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Stuttgarter 1:3 gegen Leipzig : Hitzlsperger-Effekt bleibt aus, Weinzierl darf bleiben

  • -Aktualisiert am

Quo vadis, VfB Stuttgart? Die Schwaben verlieren gegen Leipzig. Bild: dpa

Der VfB steckt weiter im Schlamassel. Im ersten Spiel mit dem neuen Sportvorstand Hitzlsperger verlieren die Stuttgarter im Abstiegskampf gegen Leipzig. Trainer Weinzierl darf dennoch bleiben.

          Er ist kein neuer Spieler, er kommt nicht als Trainer und kann auch nichts für den untertourigen, mangelhaft ausbalancierten Kader des VfB Stuttgart. Trotzdem verkörpert Thomas Hitzlsperger, eine der Führungspersönlichkeit aus der Meistermannschaft 2007, seit Dienstag die Hoffnung auf bessere Zeiten. Da ersetzte der Bayer, der zuletzt das Nachwuchsleistungszentrum des Vereins für Bewegungsspiele leitete, den entlassenen Sportvorstand Michael Reschke, dessen Anteil an der rasanten Abwärtstendenz des VfB in dieser Saison nicht einmal mehr von dessen lange loyalem obersten Gefolgsmann, Klubpräsident Wolfgang Dietrich, wegzudiskutieren war. Am Samstag gab der 36 Jahre alte Hitzlsperger, ausgestattet mit einem üppigen Dreieinhalbjahresvertrag, seine Spieltagspremiere im neuen Amt – in der Hoffnung, dass so manches endlich besser werde bei den noch immer vom ziemlich erfolglosen Markus Weinzierl (drei Siege, ein Remis in 14 Spielen) betreuten Stuttgartern.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Weinzierl schien der Elan, mit dem Hitzlsperger an seine Herkulesaufgabe gegangen war, zunächst beflügelt zu haben. Erkennbar frischen Mutes sagte er: „Ich glaube, dass es immer einen gewissen Charme hat, irgendwo einen Neustart zu haben. Thomas bringt neue Ideen und neuen Schwung in die Mannschaft und den Verein. Das erzeugt eine positive Stimmung.“ Die war aber auch bitter nötig für das Duell mit dem Tabellenvierten RB Leipzig, der als deutlicher Favorit in die Partie mit dem Bundesliga-Sechzehnten ging. Am Ende aber blieb der Hitzlsperger-Hallo-wach-Effekt aus. Die Sachsen siegten nach schwacher erster Hälfte 3:1 gegen einen über weite Strecken verbesserten VfB durch die Treffer von Poulsen (6./74. Minute) und Sabitzer (68.) bei einem Gegentor durch Zubers Handelfmeter (16.).

          Das Spiel begann so, wie es viele Schwaben befürchtet hatten. Sportchef Hitzlsperger hatte kaum auf der Bank Platz genommen, da führten die Sachsen schon nach einigem Durcheinander in der VfB-Abwehr. Der in der Cannstatter Kurve bei jeder Gelegenheit ausgepfiffene frühere Stuttgarter Timo Werner leistete die passende Vorarbeit, und sein dänischer Angriffskompagnon Yussuf Poulsen vollendete mühelos zum 1:0 für RB. Danach verfiel die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick in eine Art Frühjahrsschlaf, so dass die Stuttgarter Zeit und Platz genug hatten, mit viel Aggressivität, Biss und Schwung ins Spiel zu finden.

          Der Leipziger Kapitän Orban kam dem VfB erkennbar entgegen, als er Gomez’ Kopfball mit ausgestrecktem Arm im eigenen Strafraum abwehrte (13.). Was Schiedsrichter Zwayer nicht gesehen hatte, bemerkten die Kölner Videoassistenten sofort. Zwayer schaute sich die Szene noch einmal auf dem Bildschirm an und entschied sodann auf Handelfmeter. Die Gelegenheit für den aus Hoffenheim gekommenen Steven Zuber, sein erstes Tor für seinen neuen Klub zu erzielen. Das 1:1 belohnte die Stuttgarter für eine verglichen mit den zuletzt meist mauen Auftritten couragierte Leistung gegen einen in den ersten 45 Minuten enttäuschenden Gegner.

          Auch mit dem neuen Sportvorstand Thomas Hitzlsperger läuft es für den VfB nicht besser.

          Nach dem Wechsel, augenscheinlich ermuntert durch ein anspornende Worte ihres schwäbischen Trainers Rangnick, demonstrierte Leipzig endlich seine Qualitäten und erhöhte die Schlagzahl. Die Stuttgarter Abwehr aber, angeführt von dem mal wieder überzeugenden französischen Weltmeister Pavard, hielt dem Druck zunächst noch stand. Auf der anderen Seite musste Torhüter Gulasci auf der Höhe seiner Handwerkskünste sein, als er Ascacibars Volleyschuss parierte (64.).

          Kollege Zieler war wenig später machtlos, als Sabitzers Freistoß, nach umstrittenem Pfiff, zum 2:1 für RB einschlug. Ein Rückschlag für den VfB, von dem sich der Tabellensechzehnte nach einem über weite Strecken zu zartem Optimismus Anlass gebenden Auftritt nicht mehr erholte. Poulsen beseitigte mit seinem Kontertreffer die letzten Zweifel am Sieg der besseren Mannschaft. In Stuttgart aber dürfte weiter diskutiert werden, ob Weinzierl weiter der richtige Trainer für das Unternehmen Klassenverbleib sei. Hitzlsperger hat die Frage fürs Erste schon beantwortet. „Ich bin optimistisch, weil ich viele gute Ansätze sehe. Das Ergebnis war das Einzige, das nicht wünschenswert war“, sagte er beim TV-Sender Sky. Einen Trainerwechsel vor dem nächsten Spiel in Bremen schloss er aus. „Es hört sich nicht nur so an, dass Weinzierl in Bremen noch der Trainer sein wird, es ist auch so.“

          Die Stuttgarter Fans haben Vereinspräsident Dietrich etwas zu sagen.

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