https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/vfb-stuttgart-stresstest-fuer-die-nachhaltigkeit-in-marbella-17758172.html

Krise beim VfB Stuttgart : Stresstest für die Nachhaltigkeit

  • -Aktualisiert am

Wann geht es wieder aufwärts? In der Tabelle steht der VfB Stuttgart fast ganz unten. Bild: dpa

Der abstiegsbedrohte VfB Stuttgart arbeitet in der spanischen Sonne daran, seine Probleme zu lösen. Am eingeschlagenen Weg der finanziellen Konsolidierung soll sich aber nichts ändern.

          4 Min.

          Sven Mislintat steht nicht in Verdacht, sonderlich abergläubisch zu sein. Also war es für den Sportdirektor des Fußball-Bundesligavereins VfB Stuttgart auch kein schlechtes Omen, dass an den ersten Tagen im Süden Spaniens, wo sich die Stuttgarter in dieser Woche zu einem sechstägigen Trainingslager versammelt haben, nicht vorschriftsmäßig die Sonne schien.

          Die Regenwolken hingen zeitweise über Marbella so tief herab, dass der eigentlich hinreißend schöne Blick vom Trainingsgelände zum Pico de la Concha, einem muschelähnlichen Gipfel des Gebirgszugs Sierra Blanca, versperrt blieb. Sie seien nicht da, um zu entspannen, sagt Mislintat am Telefon, sondern zum Arbeiten. Und diese ganz nüchterne rationale Weltsicht braucht der VfB in den nächsten Wochen, um nicht aus der ersten Liga abzusteigen.

          F.A.Z. Newsletter Sport

          Mo. – Fr. um 16.00 Uhr; Sa. – So. um 18.00 Uhr

          ANMELDEN

          Denn das ungemütliche Wetter hat durchaus den passenden Rahmen zur sportlichen Lage des Traditionsklubs geboten. Die schlechten Phasen während der Vorrunde haben sich mittlerweile zu einer sportlichen Krise verfestigt, der dritte Abstieg binnen sechs Jahren droht. Stuttgart findet sich auf Rang 17 wieder – drei Punkte fehlen zu Platz 15, der am Saisonende eine weitere Spielzeit in der Bundesliga garantiert.

          Noch ist die Stimmung beim und um den VfB erstaunlich gelassen. „Es ist ruhig, obwohl wir auf Platz 17 stehen“, stellt Mislintat fest. Er klingt darüber selbst ein wenig verwundert. Vielleicht liegt die neue Unaufgeregtheit auch daran, dass pandemiebedingt zuletzt nur vornehmlich Mitarbeiter des VfB in die heimische Arena durften und so die berüchtigten „Bruddler“, wie die Nörgler auf Schwäbisch heißen, nicht auf der Haupttribüne schrill pfeifen konnten.

          Stresstest für Mislintat und Hitzlsperger

          Diese Ruhe im Umfeld ist gleichzeitig auch ein Stresstest für Mislintat und den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger. Sie können nun in den restlichen 14 Spielen überprüfen, wie nachhaltig die neue strategische Ausrichtung, die neue Bescheidenheit tatsächlich ist, für die sie in den vergangenen Jahren so eindringlich geworben haben, um auch bei Sponsoren verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

          Mislintat hat deshalb schon häufiger den SC Freiburg zum Vorbild für den VfB Stuttgart ausgerufen. Ihm imponiert dessen personelle Kontinuität ohne finanzielle Abenteuer und die Zielsetzung, junge hungrige Spieler auszubilden und sie für das höchstmögliche Niveau zu entwickeln. Ein Abstieg in Freiburg bedeutet: nichts. Beim SC machen sie dann einfach weiter wie zuvor. Und in Stuttgart? Mislintat ist selbst gespannt, was passieren würde, sollte der VfB den Klassenverbleib verpassen. „Dann wird sich zeigen, ob unser Weg von allen akzeptiert wird“, sagt der 49-Jährige. Das wäre dann der Fall, wenn er und Cheftrainer Pellegrino Matarazzo trotzdem weiter machen dürften.

          Ackern unter Palmen: Der VfB, hier mit Mavropanas (links) und Ito, hat in Marbella einiges nachzuholen.
          Ackern unter Palmen: Der VfB, hier mit Mavropanas (links) und Ito, hat in Marbella einiges nachzuholen. : Bild: Imago

          Mislintat, der frühere Scout von Borussia Dortmund, ist von diesem Weg mit unfertigen, aber hochbegabten Profis überzeugt und sieht darin auch die einzige Chance, dass der VfB irgendwann wieder über andere Ziele als den Klassenverbleib nachdenken kann. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet der Westfale in Württemberg. Und dass er ausgerechnet einem badischen Klub nacheifert, ist hier natürlich schwer zu vermitteln. „Aber wir haben es bisher gut hinbekommen, zu erklären, warum wir das alles so machen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          2019 erst eröffnete Apple ein neues Bürogebäude in Cupertino. Dennoch arbeiten viele Mitarbeiter des Unternehmens lieber vom heimischen Schreibtisch aus.

          Homeoffice im Silicon Valley : Apple und der Homeoffice-Knatsch

          Die amerikanischen Tech-Konzerne gelten als Traum-Arbeitgeber. Aber jetzt stehen viele schicke Büros leer. Ist Anwesenheitspflicht die Lösung? Vor allem bei Apple gibt es nun deshalb richtig Knatsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          AllesBeste
          Testberichte & Kaufberatung
          Baufinanzierung
          Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
          Spanischkurs
          Lernen Sie Spanisch