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Fanproteste in Stuttgart : „Außer Kevin könnt ihr alle gehen“

Nach der Pleite gegen Mainz stürmen die Stuttgarter Fans den Innenraum. Bild: dpa

Der VfB Stuttgart steht am Bundesliga-Abgrund. Nach dem 1:3 gegen Mainz enterten Fans den Platz, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen. Sportdirektor Dutt steht hemmungslos weinend in der Menge.

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          Die Vereinshymne aus den Lautsprecherboxen hatte es nach dem Schlusspfiff schwer. Von den Rängen des ausverkauften Stuttgarter Stadions übertönten gellende Pfiffe das VfB-Lied, das von der Stadionregie vielleicht zur Beruhigung der Gemüter gedacht war. Außerdem enterten einige Fans, freilich weitgehend gesittet, den Platz, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Soeben hatte der VfB Stuttgart 1:3 gegen Mainz 05 verloren nach einem frühen Führungstor durch Christian Gentner (6.Minute) und Gegentreffern von Yunus Malli (37.), Jhon Cordoba (53.) und Karim Onisiwo (77.). Der VfB steht als Siebzehnter vor dem zweiten Bundesligaabstieg seiner Vereinsgeschichte, während sich Mainz die Teilnahme an der Europa League gesichert hat.

          „Die Leute sind enttäuscht. Der Frust hat sich in den vergangenen Wochen aufgestaut. Dann kommt es vor, dass sie auf uns losgehen“, sagte VfB-Trainer Jürgen Kramny zu den Fanprotesten. Es blieb freilich bei verbalen Attacken. „Vorstand raus!“ oder „Dutt, wir hören nichts!“ waren auch in der Wortwahl noch akzeptabel. Sportdirektor Robin Dutt stand hemmungslos weinend in der Menge.

          Sportdirektor Robin Dutt steht weinend in der Menge. Bilderstrecke
          Szenen eines Abstiegs : Stuttgart verliert gegen Mainz

          Die bemerkenswerte Strategie des Sicherheitsdienstes, ohne Polizeihilfe auf Deeskalation zu setzen, erwies sich als richtig. Spieler wie Christian Gentner und Kevin Großkreutz schafften es, die Fans zu besänftigen. Großkreutz wurde gar für seinen Schmusekurs mit den VfB-Ultras mit Sprechchören wie „Außer Kevin könnt ihr alle gehen“ gefeiert. Sportlich war das ein fragwürdiges Urteil der Fans, da der Rechtsverteidiger nach einer Verletzungspause einer der Schwachpunkte im VfB-Team und bei zwei Gegentreffern überfordert war.

          Dabei hatte es so hoffnungsvoll für den VfB begonnen, nachdem vor dem Spiel noch Hard-Rock-Klänge beim Einlaufen der Teams gespielt wurden, um den VfB in die nötige Stimmung für den Abstiegskampf zu versetzen. Kramny hatte mit einer unkonventionellen Maßnahme versucht, das 2:6-Debakel vom vergangenen Montag in Bremen aus den Köpfen seiner Spieler zu bekommen: Er bot beim Tabellen-Siebzehnten quasi eine runderneuerte Mannschaft auf. Der 44 Jahre alte Trainer, der als Spieler für den VfB und Mainz in der Bundesliga aktiv war, verzichtete auf einen echten Angreifer, Martin Harnik stand nicht einmal im Kader.

          Zudem wechselte Kramny die gesamte Defensive. Im Tor hatte Mitchell Langerak seine Bundesliga-Premiere im VfB-Trikot. Als sechster Neuer erschien überraschend Christian Gentner auf dem Spielprotokoll. Der eigentlich krank gemeldete Kapitän untermauerte seine Wichtigkeit für den Klub, als er einen Schuss von Heise gefährlich abfälschte, so dass der Mainzer Torhüter Loris Karius keine Abwehrchance hatte. Der VfB war im Anschluss überlegen, verpasste aber das 2:0. Wenige Sekunden später war es vorbei mit der Stuttgarter Herrlichkeit. Auf Vorlage von Cordoba traf Malli nach neun Spielen ohne Torerfolg mit seinem elften Saisontreffer. (37. Minute).

          Die zweite Halbzeit offenbarte dann endgültig jene Schwächen, die den VfB in seine höchst brenzlige Lage gebracht haben: Der Defensive fehlt die Stabilität. Ohne den überragenden Schlussmann Langerak wäre das Ergebnis noch desaströser ausgefallen. Die Mainzer nutzten die gegnerische Konfusion durch Cordoba und Onisiwo.

          „Das ist alles sehr, sehr bitter“, sagte Kramny. „Es ist aber noch nicht alles vorbei. Wir müssen uns an der Tabellensituation festhalten.“ Der VfB kann bei einem Erfolg in Wolfsburg und einer Bremer Niederlage gegen Frankfurt noch auf die Rettung über die Relegation hoffen. Sonst steht dem zuletzt im Jahr 2007 zum Meister gekürten Traditionsklub der erste Abstieg in die zweite Bundesliga seit 1975 bevor.

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